Der Social Media Kosmos: Präsentation der FOM Veranstaltung in Dortmund

Eva Ihnenfeldt: Am 29. November 2011 veranstaltete die FOM (Hochschule für Ökonomie und Management) in Dortmund einen kostenlosen Vortragsabend zum Thema „Von Web 2.0 zu Social Media“. Ich war die Referentin und hatte genau 90 Minuten Zeit, um den 40 Gästen einen Überblick zu geben über ein Thema, das fast so gewaltig ist wie „Unser Planet Erde“. Denn mir war es wichtig deutlich zu machen, dass „Web 2.0“ mehr ist als Facebook und Twitter, viel weitreichendere Dimensionen beinhaltet als die Möglichkeit, zu posten, liken, empfehlen und zu kommentieren!

Web 2.0 ist ein Schlagwort, das ein Phänomen umreißt – vielleicht gibt es in einigen Jahren dieses Schlagwort nicht mehr, vielleicht wird es ersetzt durch einen Begriff, der den „virtuellen Planeten“, den wir gerade bauen, treffender und genauer charakterisiert. Es geht nämlich um nichts weniger als darum, dass wir Menschen dabei sind, uns mit Computern mehr sogar körperlich zu verbinden, mehr und mehr aus der realen Welt in eine virtuelle Welt zu wechseln, in der wir in Echtzeit mit allen anderen Menschen auf der ganzen Welt verbunden sind. In die Präsentation habe ich auf der letzten Folie den Link zu einem Beitrag eingebaut, der die ersten erfolgreichen Versuche beschreibt, über Kontaktlinsen die Welt virtuell zu betrachten und zu agieren – wo sich Gedanken in einfache Textnachrichten direkt umwandeln lassen…

Wie kann die Wirtschaft diesen virtuellen Planeten nutzen?

Zunächst ist es wichtig, die Dimension erst einmal zu begreifen. So lange es Unter nehmen gibt, die Social Media für eine schlechte Angewohnheit von Menschen halten, die nichts Besseres zu tun haben als über Parties und Belanglosigkeiten zu schwätzen, sind die Köpfe der Macher noch nicht offen für die effektive Nutzung.

Social Media bedeutet im Business, meine realen Geschäfte auch auf dem „virtuellen Planeten“ abzubilden, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit dort gehandelt, genetztwerkt, visioniert und kooperiert werden kann. Die Rahmenbdeingungen sollten so großzügig und durchlässig wie möglich sein – und so geschützt und geschlossen wie nötig. Datenschutz gehört bei jedem relevanten Unternehmen dazu. Hackerattacken wie jüngst bei adidas zeigen, wie sensibel und verletzlich die virtuellen Welten sind…

Diese Rahmenbedingungen sind im B2B Bereich anders als im B2C Bereich. Man kann auch sagen, dass bei B2C noch eine weitere Variante hinzukommt (die Endverbraucher-„Reklame“), die B2B nicht braucht. Doch es bleibt genug übrig, was installiert und gepflegt werden muss:

  • Die interne Kommunikation im Unternehmen (Enterprise 2.0)
  • Wissensmanagement des Unternehmens (Wikis, Blogs, IM…)
  • Präsentation, Information, Interaktion bei neuen Produkten, Projekten, Dienstleistungen
  • Auftragsakquisition/ Auftragsabwicklung
  • Bewerbung von Produkten, Dienstleitungen, Angeboten mit interaktivem Charakter
  • Kundenhotline
  • Effektive Echtzeit-Kommunikation mit den relevanten externen Partnern
  • Messen, Events, Promotions im Web abbilden und interaktiv zugänglich machen
  • Ideenentwicklung (Die Crowd-Intelligenz nutzen)
  • Recruiting und Employer Branding (Nachhaltige Mitarbeiterpolitik)
  • Zeitmanagement, Organisation, Projekt-Arbeit (über Live-Streamings, Dropbox, Mindmaster etc.)

Sicher wird diese Liste laufend weiter ergänzt. Meine Phantasie reicht noch nicht aus, um mir vorzustellen, was schon in wenigen Jahren selbstverständlich hinzukommt (und gerade für die Führungselite in meinem Alter 50+ erschreckende technische Herausforderungen bedeutet…) – doch eins ist klar:

Reale Welt und virtuelle Welt wachsen in gigantischer Geschwindigkeit zusammen. Die Nachvollziehbarkeit unseres kompletten Lebens wird dicht und dichter – wir werden ständig geortet, unsere Begegnungen, Kommunikationen und unser Handeln werden archiviert und ausgewertet. Es wird immer unmöglicher, virtuell und real überhaupt auseinander zu halten. Und auch Arbeit und Freizeit lassen sich immer weniger sauber trennen…

Wie kann der Einzelne diesen virtuellen Planeten für sich nutzen?

Angst und Verweigerung bringen überhaupt nichts, denn wer nicht aktiv gestaltet, wird eben gestaltet. Sämtliche Zahlungen mit ec-Karte werden archiviert und ausgewertet, das Surf-Verhalten, die Mails, die Bewegungen, wenn das internetfähige Handy dabei ist – alles, was mit Internetverbindung passiert, ist kein Privatbesitz mehr.

Der einzelne Mensch hat viele Möglichkeiten, Web 2.0 positiv für sich zu nutzen. Er hat Zugang zu Wissen, zu Echtzeit-Nachrichten, er kann über die ganze Welt hinweg kommunizieren, sich vernetzen, sich weiterbilden und mit Gleichgesinnten Projekte durchzuführen. Er kann sich selbst bestmöglich präsentieren, kann sich öffentlich kreativ und künstlerisch ausleben und Prominenz erlangen – ohne auf Verlage und Sponsoren angewiesen zu sein. Er kann Musik veröffentlichen, Bücher schreiben, Filme drehen und sich als Maler und Fotograf betätigen.

Er kann seinen Traumpartner finden, kann sich überall auf der Welt neue Heimaten aufbauen, kann Wohnungen, Häuser, Arbeitsstellen, Büros und Gemeinschaftsprojekte auswählen, ohne zuvor da gewesen sein zu müssen.

Er kann Reisen planen, die besten Angebote finden, sich über Produkte, Dienstleistungen, Arbeitgeber und Institutionen informieren. Er kann Produktgestalter werden, kann Ideen mit anderen teilen und gemeinsam Neues schaffen, kann erfinden, programmieren, weiterentwickeln, kann an Wettbewerben und Ausschreibungen mitmachen.

Kurz und gut: Wir haben die Wahl, im Business wie privat. Wer jetzt die Zeit verschläft, ist selbst schuld. Wer nicht selbst sein Leben gestaltet, der wird fremdbestimmt hin und her geschubst wie ein Blatt vom Wind – oder in der Wasserflut. Wer nicht selbst dafür sorgt, dass sein Unternehmen den Schritt in das virtuelle Zeitalter mit all seinen Facetten wie Dialogbereitschaft, flache Hierarchien, Transparenz, Großzügigkeit und Authentizität schafft, wird womöglich hinweggefegt von jungen Unternehmen, die genau das beherzigen und das alte Holz ersetzen, das starr und spröde vom nächsten Sturm aus dem Weg geräumt wird.

Am Ende des Vortrags waren alle Gäste völlig erschlagen, hatte ich das Gefühl. Es war richtig still und kaum Jemand stellte Fragen – aber später im Web – über Mail, Twitter und Xing – kamen sehr positive Feedbacks, die mich total gefreut haben – ich glaube, ich habe den schönsten Beruf der Welt 🙂

Hier meine Präsentation vom 29. November als pdf zum Download

Social Media Präsentation November 2011

Eva Ihnenfeldt
Unternehmensberaterin und Dozentin
PR-Agentur und Social Media Agentur SteadyNews
Rheinlanddamm 201
44139 Dortmund
Tel.: 0231/ 77 64 150
Mobil: 01761/ 77 64 150
E-Mail: [email protected]

 

 

 

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