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„Lebe wild und gefährlich“ – ein Zitat und ein Versprechen 3

„Du fragst mich was soll ich tun? Und ich sage: Lebe wild und gefährlich, Artur.“ Das antwortete der österreichische Arthur Schnitzler seinem französischen Freund und Kollegen Arthur Rimbaud auf dessen Frage „Was soll ich tun?“. Das war im 19. Jahrhundert – und tatsächlich starb der schon als Kind wild grabende Rimbaud jung. Er hatte mit seiner Frage wohl nur eine Bestätigung für sein Lebensprinzip bekommen wollen. Viel später landete die tröstliche Antwort auf einer Postkarte an vielen Kühlschränken von Studenten-WG’s und tröstete dort weiter. Auch ich tröste mich gern mit diesem Versprechen, wenn ich vor einer Entscheidung stehe, die mich zwingt, zwischen Moral und Lust zu wählen.

Ich finde es so witzig, dass sowohl Fragender als auch Antwortender „Arthur“ bzw. „Artur“ hießen – kling dadurch wie ein Selbstgespräch. Manche Botschaften scheinen über Jahrhunderte hinweg einen Zauber auszustrahlen, der bis ins letzte Tüpfelchen reicht. Was dann auch einige andere große Denker und Künstler antrieb, dieses Zitat für sich zu adaptieren. Doch was macht der Spruch mit mir?

Eva: „Du fragst mich was soll ich tun? Und ich sage: Lebe wild und gefährlich, Eva.“

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Auch in meiner kleinen Welt gibt es immer wieder Momente, die mich verzweifeln lassen am jetzigen Moment. Verluste, Krisen, Bedrohungen, Versuchungen, Zukunftsängste, Katastrophen… Momente, in denen ich mich gefesselt fühle und die mir Freiheit und Schlaf rauben. Momente, die mich zwingen wollen, anders zu sein als ich sein will.

Und dann denke ich an dieses uralte Zitat und bekomme Kraft, mich zur Wehr zu setzen gegen die äußeren Erpressungen, Bedrohungen und Verlockungen. Natürlich erscheint es oft leichter, den breiten Weg zu gehen und sich vom Wilden und Gefährlichen zu trennen. Natürlich fällt man immer wieder auf die Nase und holt sich schmerzhafte Blessuren, wenn man kindisch und emotional auf Authentizität und Echtheit pocht. Natürlich verlangt das Leben an jeder Straßenecke Kompromisse, die aus Vernunft und Verantwortungsbewusstsein geschlossen werden.

„Du fragst mich was soll ich tun? Und ich sage: Lebe wild und gefährlich.“

Mein größter Alptraum ist es, zu verbittern und zu resignieren. Meinen Glauben an das Gute, Wahre und Schöne zu verlieren, wäre die Kapitulation, wäre mein Untergang. Lieber nehme ich in Kauf, in Unsicherheit zu leben und mich nicht zu binden, als dass ich Kompromisse eingehe für einen abgesicherten, befriedeten Lebensraum.

Ich gönne es jedem Menschen, andere Prioritäten zu setzen als ich. Ich bewundere die Menschen, die verlässlich und verantwortungsbewusst wie ein Fels in der Brandung für ihre Liebsten da sind und die bleiben, wenn alles andere verloren ist. Auch ich wäre gern ein Leuchtturm für alle, die Schutz suchen. Vielleicht bin ich das manchmal auch.

Aber vor Allem will ich ehrlich sein in dem, was ich fühle, denke, sage und tue. Ich will mich in jedem Moment „richtig“ fühlen und ich will nicht lügen. Dabei hilft mir dieses Zitat, denn Ehrlichkeit ist ja nicht immer einfach!

Ich glaube, dass unsere digitale Zeit den Menschen mehr als früher abverlangt, authentisch und in Echtzeit sichtbar zu sein. Sich verstecken wird immer unmöglicher, und unser Bewusstsein wird gezwungen, sich angesichts der Informations- und Medienflut mit feinstimmiger Intuition und Empathie fortzubewegen. Autoritätsgläubigkeit und Gehorsam führen zu Burnout und Depression in einer Welt, in der Überwachung und Selbstverwirklichung an jedem Menschen ziehen und zerren.

Also lasst uns wild und gefährlich leben, uns immer ein Prozent mehr trauen, als wir uns eigentlich zu trauen bereit sind. Im Internet kann man so wunderbar ausprobieren, was man ist und woran man glaubt. Man kann in räumlicher Distanz zu den Gesprächspartnern Ideen austauschen, diskutieren, intelligente Diskurse führen.

Man kann sich sichtbar machen mit Bilder, Texten, Videos und Tonaufnahmen. Man kann sich trauen, die „Flohsprunghöhe“ zu überschreiten und so auch anderen Menschen Mut machen, sich aus der Masse zu erheben. Man kann eitel sein, selbstverliebt, man kann Irrtümer begehen und sich schämen für irgendeinen Quatsch, den man verzapft hat. Man kann sich selbst auslachen und man kann mit Anderen feiern, dass man etwas probiert hat. Also:

„Du fragst mich was soll ich tun? Und ich sage: Lebe wild und gefährlich, Artur.“

Und einen schönen Tag noch!

 

 

Über Eva Ihnenfeldt

Als Expertin für Social Media Marketing berät und begleitet Eva Ihnenfeldt Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien - und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Eva Ihnenfeldt - Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: e.ihnenfeldt@gmail.com

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