Instagram Influencer Marketing oder: Die Geister die ich rief…

Auch im Januar 2019 ist die Tendenz, dass Marken mit Instagram-Influencern kooperieren, noch in der Anfangsphase. Was auf den ersten Blick genial klingt, birgt viele Fallen. Eine mir bisher unbekannte Falle beschreibt OMR.com Daily: Möchtegern-Influencer bei Instagram tun so, als hätten sie Markenkooperationen! Ziel dieser Fake-Werbeposts ist es, dass tatsächlich die ein oder andere Marke anbeißt, weil sie auf den Trick hereinfallen. Doch ob exklusive Marken sich über die unerwünschten Testimonial freuen? Könnte ja auch zu Reputationsschäden führen…

Wie Influencer Follower aufbauen – und wie Unternehmen Fake-Follower erkennen

Facebook ist bei Instagram sehr grozügig, wenn es um gekaufte Follower und kommerzielle Software-Programme zum Aufbau von Followern, Likes, Kommentare geht. So wählen sehr viele (potentielle)  Influencer den Weg, sich auf den einschlägigen Plattformen für wenige Euro’s Follower aus Vietnam, Bangladesh und anderen Schwellenländern zu kaufen. Insider können zwar abschätzen, aus welchen Ländern die Follower kommen – doch für Laien ist Instagram-Marketing weiterhin ein undurchschaubarer Dschungel. Instagram ist das perfekte Einfallstor für Nepper-Schlepper-Bauernfänger-Angebote 🙂

Mit dem Instagram-Analytics-Tool InfluencerDB.net lassen sich Influencer-Accounts auf ihre Glaubwürdigekti hin checken. Dort lässt sich das Wachstum eines Accounts verfolgen (unübliche rasche Follwerzuwächse werden also identifiziert). Auch schätzt InfluencerDB.net den Wert der einzelnen Posts ein und enthält eine Suchfunktion, um passende Influencer zu finden. Follower und Interaktionen werden in Relationen gesetzt – so kann abgeschätzt werden, ob der Account mit gekauften Follower arbeitet. Besonders schön: Auch das Geschlecht der Follower, ihr Instagram-Verhalten und ihre Herkunft werden transparent. Im kleinen Umfang ist InfluencerDB kostenlos – in der professionellen Version beginnen die monatlichen Analysen bei 129 Euro pro Monat.
InfluencerDB Pricing

Sich in Werbepartnerschaften „einschleichen“?

Man stelle sich vor: Eine junge Frau, die gern Kooperationen mit Marken eingehen würde, entdeckt diesen Trick der Fake-Partnerschaften, der sich anscheinend gerade in der Szene herumspricht. Sie postet Bilder von sich, in denen sie alle möglichen Marken-Produkte präsentiert. Sie markiert die jeweiligen Marken auf den passenden Kleiderstücken/ Schuhen/ Accessoires. In den Text neben den Bildern verlinkt sie den Hashtag #werbung, schreibt einen üblichen Text dazu wie „Wer das Leben liebt, wird nie vergebens gelebt haben“ oder ähnlichen Quatsch, verlinkt die Accounts der Marken und nutzt die üblichen Hashtags der Influencer-Kampagnen der Marken.

„Fake it til you make it“

Durch dies Fake-Ads werden Marken aufmerksam auf den Möchtegern-Influencer. Da viele Unternehmen noch sehr naiv sind, fallen sie vielleicht auf die Tricks herein und bieten echte Markenpartnerschaften an, da sie sich von den angeblich schon bestehenden Kooperationen leiten lassen. Das ist zwar verlorenes Marketingbudget – aber ansonsten nicht sehr tragisch.

Tragischer könnte dieser neue Trick der Fake-Werbepartnerschaften für die Marken sein, die ungefragt markiert, verlinkt und per Hashtag vereinahmt werden. Man stelle sich vor, GUCCI würde plötzlich von unzähligen Mädchen und Frauen präsentiert, die sich als offizielle Werbepartnerin ausgeben. Das könnte gerade exklusiven Marken in ihrer Reputation sehr schaden.

Abmahnungen an die Möchte-Gern-Marken-Botschafterinnen zu verschicken ist gewiss auch keine Lösung. Abgesehen davon, dass Gerichte ja per Urteil von Influencern/Innen verlangen, dass sämtliche Marken-Erwähnungen als „Werbung“ gekennzeichnet werden, würde es wohl einen Aufschrei und riesigen Shitstorm geben, wenn Marken uns Konsumenten verbieten würden, unserer Begeisterung für ihre Produkte Ausdruck zu verleihen. Es besteht also ein echtes Dilemma.

Die Geister die ich rief…

Der Mensch strebt stets nach einfachen Lösungen. Unternehmen wollen keine zusätzlichen Aufgaben erfüllen müssen – sie wollen Leistungen bei Agenturen kaufen und ansonsten ihre Ruhe haben. Influencer werden nicht nach ihrem Experten-Status und ihrer echten Begeisterung für die Marke ausgesucht – sondern nach Reichweite, Engagement, Vernetzung und Followerzahl.

Influencer, die nicht über Vermarktungsplattformen vermittelt werden, werden von Marken sicher  ähnlich angesprochen wie Marketing-Dienstleister: „Was kannst Du? Was bringst du? Was kostest Du? – Hier unser Angebot“ Erst wenn Marken begreifen, dass Influencer mehr sind als Instagram-Schaufensterpuppen, werden sich nachhaltige Partnerschaften entwickeln. Bei Tec-Bloggern zum Beispiel sehen Werbepartnerschaften ganz anders aus. Da wird auf Authentizität und Beitrags-Inhalt Wert gelegt.

Wir werden sehen, wie sich Influencer-Marketing weiterentwickelt. Ich bin sehr optimistisch, dass die Qualität und Professionalität steigen wird und sich rasch die Spreu vom Weizen trennt. Ob meine Prognose stimmt, können wir gern Anfang 2020 überprüfen. Bis dahin werden sowohl Marken als auch Influencer noch einige schmerzhafte Erfahrungen machen. So geht Innovation. Try and Error gehört nun mal dazu…

Quelle: OMR.com vom 22. Januar 2019 – Instagrammer posten gefakte Werbung

Seit über zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Manager/Innen. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

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