Social Media „Einfach tun“: 11. Twitter für sich erobern

Kapitel 4.3.: Hat man erst einmal die Grundfunktionen von Twitter verstanden, geht es in die nächste Phase: Was tu ich jetzt damit? Täglich diszipliniert im Desktop die URL aufzurufen, um den Newsstream durchzuscrollen, wird wohl nur die Wenigsten mit Sinn erfüllen. Da Tweets so rasch durchrauschen, überfordert das Portal viele, die sich verpflichtet fühlen, Twitter-News zu verfolgen wie eine abonnierte Tageszeitung. Entweder man folgt nur sehr wenigen Accounts – dann ist der Newsstream einseitig und langweilig – oder man folgt mehreren hundert Usern – dann wird es verwirrend und chaotisch. Doch wie nutzt man Twitter so, dass man es nicht mehr missen möchte?

Wie baut man sich eine interessante Twitter-Community auf?

Schritt Eins ist in jedem Fall, interessante Accounts zu finden, die man wirklich lesen und verfolgen will. Bei dem Einen sind das vielleicht witzige Accounts wie die @heute-show und @GrumpyMerkel – bei anderen prominente Fußballer oder andere Stars wie @heidiklum oder @theborisbecker. Da bei Twitter mehr Männer als Frauen sind, dominieren tatsächlich auch „männlich“ geprägte Themen wie Sport, Politik und Technik. Doch das sollte uns Frauen nicht abschrecken. Wie die Kampagne #metoo zeigt, gibt es bei Twitter auch viele anspruchsvolle Accounts und Themen von und für Frauen. Fashion und Kosmetik laufen hingegen nicht so gut bei Twitter 😉

3 Wege, um Interessante Accounts zu finden

  1. Man googlet nach Antworten zu „100 beste Twitter-Acounts“ bzw. themenspezifisch empfehlenswerten Accounts. Accounts überprüft man anhand ihrer Twitter-Bilanz: Wie viele folgen dem Twitteraner? Wie vielen folgt er zurück? Wie häufig twitter er/sie? Was für Inhalte finde ich in den Tweets? Je mehr Menschen einem Account folgen und je ausgewählter und gehaltvoller die Followings des Accounts sind, desto mehr spricht das für Qualität. Aber entscheidend ist natürlich der Inhalt der Tweets.
  2. Man gibt in das Twitter-Suchfeld Begriffe und Hashtags ein, die ein gewünschtes Thema beschreiben. Je nischiger das Thema ist, desto eher findet man die Influencer dazu. Gebe ich #hotel ein, werde ich lauter Werbe-Posts finden und mich enttäuscht abwenden, gebe ich hingegen #hoteltester ein, komme ich an interessantere Tweets – und von da aus vielleicht auch zu Weltenbummlern, die Hotels testen und spannende Geschichten auf ihren Blogs erzählen. Finden, prüfen, folgen. Falls die Tweets dann doch enttäuschend sind, wieder entfolgen. Anders als bei Facebook kann man da ganz locker sein. Folgen, entfolgen, doch wieder folgen – alles kein Problem bei Twitter.
  3. Man prüft die öffentlich sichtbaren Listen von interessanten Influencern. Das war für mich immer die einfachste Methode, um gute Accounts zu finden. Geübte und communityorientierte Twitteraner erstellen häufig öffentliche Listen, in denen sie gute Accounts empfehlen: Journalisten, Branchenexperten, Politiker, Comedians…Die Listen tragen dann einen erläuternden Namen, an dem man sich orientieren kann. So gibt es zum Beispiel im Kulturbereich tolle Twitter-Accounts, die spannende Museen, Theater und andere Kulturschaffende in Listen vereinigen. Da kann man einfach mal „Danke“ sagen. Klickt man auf die Mitglieder einer Liste, überprüft die einzelnen Accounts und folgt, wenn man überzeugt ist.

3 Wege, selbst Follower an sich zu binden

  1. Sich auf eine bestimmte Art zu twittern fokussieren: So wie man selbst Accounts folgt, auf deren Inhalte man sich verlassen kann, kann man auch selbst eine bestimmte Art des Twitterns für sich entdecken. Da gibt es die „News-Junkies“, die morgens elektronisch ihre Branchen-News lesen – und die besten ganz selbstverständlich twittern. Da gibt es die Kreativen, die Witzigen, die viral weiterverbreitenden „Megaphone“, die Kommunikativen, die Debattierer. Je spannender und unaustauschbarer die eigenen Tweets sind (und mehrere täglich sollten es schon sein 😉 ) desto mehr Interesse weckt man.
  2. Sich als gutes Community-Mitglied beweisen: Es gibt viele Möglichkeiten bei Twitter, andere User dort glücklich zu machen. Da ist als Erstes der „Follow Friday“ zu nennen, bei dem man freitags unter #ff oder #followfriday alle möglichen Twitter-Accounts in einem Tweet empfiehlt. Ein Bisschen nach dem Motto: Empfehle ich Dich, empfiehlst Du mich. Aber die eigentliche Kommunikation passiert natürlich über Mentions (Erwähnungen) und Retweets. Falls man andere Twitter-Accounts, denen man folgt, empfiehlt und deren Tweets teilt, werden sicher viele zurückfolgen.
  3. Über Hashtags die richtigen Verbündeten finden: Hashtags definieren Themen, die Diskussionen und Tweets an sich binden sollen. Bestenfalls sind Hashtags viral. Falls ich bei Twitter schon eine Reputation aufgebaut habe, kann ich durchaus einen eigenen Hashtag kreieren und erfolgreich verbreiten – allerdings nur, wenn das Thema andere Twitteraner interessiert. Meistens werde ich mich eher von anderen Hashtags führen lassen und dort in Diskussionen bzw. Kampagnen einsteigen. In den aktuellen Twitter-Trends findet sich auf der Twitter-Startseite eine Liste der Echtzeit-Top-Hashtags. Interessiert man sich für ein Thema, kann man auf einen passenden Hashtag klicken und sehen, wer was dazu schreibt. Auch so findet man Meinungsführer und Influencer bei Twitter – ebenfalls in den Newsstreams von (Fach-) Medien, in denen die Community gewisse Artikel des Mediums diskutiert. Wohl die beste Art, „Freunde“ zu finden, die vielleicht auch mehr werden als Twitter-Bekanntschaften.

Twitter passiv als Leser genießen

Wir alle sind wohl auf der Suche nach einer idealen Form, um elektronisch und kostenlos aktuelle News zu konsumieren. Ich persönlich nutze dazu RSS-Feeds, manche nutzen Facebook, wieder andere installieren Apps von Nachrichten-Medien auf ihrem Smartphone. Eine hervorragende Alternative ist Twitter. Ob Mainstream-Medium wie @spiegelonline oder Fachmedium wie @manager_magazin – gerade bei Twitter sind Verlage und Medien sehr aktiv. Man findet sämtliche Rundfunksender mit verschiedenen Sparten-Accounts, man findet einzelne Sendungsformate wie @weltspiegel, natürlich findet man auch unterhaltsame Programme wie den @tatort.

Ich empfehle jedem Twitter-Anfänger, sich eine eigene Liste zu erstellen mit interessanten Medien, die wirklich spannende News bringen. Die Liste kann man schließen, so dass sie nicht öffentlich einsehbar ist. Man muss also keine Angst haben, wenn man den Playboy, eine Promi-Gazette oder ein HipHop-Magazin abonniert. Hat man dazu eine Twitter-App (wahrscheinlich die offizielle kostenlose Twitter-App) auf dem Smartphone und/ oder auf dem Tablet installiert, kann man je nach Zeit und Gelegenheit „Zeitung lesen“ bei Twitter. Selbst wenn man überhaupt keine Ambitionen hat, aktiv zu twittern, erhält Twitter so einen unschätzbaren Wert für Jeden.

Nächste Woche empfehle ich noch einige Tools für diejenigen, die sich den Twitter-Kosmos professioneller erobern wollen – und dann gehen wir weiter zu den beruflichen Netzwerken: Xing und LinkedIn.

Social Media Serie: „Einfach tun“

  • Kapitel 1: Die Motivation überprüfen: Habe ich einen Wunsch, ein Anliegen – oder einen echten Grund, etwas zu ändern?
  • Kapitel 2: Wir beginnen mit Facebook: Privaten Account anlegen bzw. optimieren – eine Facebook-Fanpage erstellen
  • Kapitel 3: Facebook für Fortgeschrittene: Veranstaltung erstellen; Live-Video; Freunde finden; Tipps und Tricks ausprobieren
  • Kapitel 4: Wir lernen Twitter: Account anlegen; Twittern; Follower aufbauen, sich über Twitter vernetzen
  • Kapitel 5: Wir lernen Xing und LinkedIn: Account anlegen/ optimieren; Kontakte aufbauen; Nutzen in der Praxis
  • Kapitel 6: Wir lernen YouTube: Kanal anlegen und füllen; Videos hochladen und bearbeiten; YouTube-Marketing
  • Kapitel 7: Wir lernen Google My Business: Profil anlegen/ optimieren; Google+; Review-Marketing; Marketing-Tipps
  • Kapitel 8: Wir lernen bloggen: WordPress.com Blog anlegen und füllen; sich vernetzen; Community aufbauen
  • Kapitel 9: Wir lernen Visuelles Social Media Marketing; Instagram; Pinterest; Marketing-Tipps und Tools
  • Kapitel 10: Wir lernen Community: Netzwerkpartner finden; sich an Debatten beteiligen: Online-Netzwerk und Offline-Netzwerk verbinden; Tools und Recherche
  • Kapitel 11: Wir lernen Content-Marketing: Content-Suchmaschinenoptimierung; Content-Arten; Content der begeistert
  • Kapitel 12: Wir lernen Newsletter: Newsletter-Account erstellen; Newsletter-Redaktion; Newsletter-Verteiler; Tipps
  • Kapitel 13: Wir lernen Review-Marketing: Positive Bewertungen erhalten, pflegen, Umgang mit Kritik
  • Kapitel 14: Wir lernen Erfolgsmessung: Tools und Kennzahlen; Sich ständig verbessern; Erfolge bewerten
  • Kapitel 15: Das letzte Kapitel. Aus der Motivation von Kapitel 1 wurde das tägliche Trainingsprogramm – Applaus!

 

 

 

Seit über zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Manager/Innen. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

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