Home / Hintergrund / Macht Ihnen eigentlich personalisierte Werbung Angst?

Eva Ihnenfeldt: Ich weiß noch wie überrascht ich war, als ich vor vielen Jahren auf einer Werbeveranstaltung der Deutschen Post erfuhr, welche Daten von Adress-Besitzern gesammelt, ausgewertet, an Unternehmen verkauft werden. Nicht nur demografische Daten – auch Verhaltensmuster waren kein Problem: Wohlhabendes Ehepaar 50+., das mehrmals im Jahr verreist und ferne Länder bevorzugt – kein Problem für Werbekunden der Post, die per Brief genau diese Zielgruppe anschreiben wollen. Doch seit dieser Erkenntnis meinerseits hat sich viel getan in Punkto „Personalisierte Werbung“! Denn jetzt gibt es das Internet, und im Vergleich dazu sind Postsendungen Kinderkram.

Gestern las ich, dass Google nun bestimmten Werbekunden ermöglicht, Zielgruppen bei Google Adwords genauer zu bestimmen. Das Beispiel „Elternteil“ war genannt. Werbeschaltende können bei der Kampagnenschaltung einstellen, dass nur Menschen mit Kind/ern die Werbung eingeblendet wird. Wie das ermittelt wird? Durch das Surfverhalten! Facebook ist Meister der Durchleuchtung von Verhalten, und Amazon ist ebenfalls gut gepolstert mit personalisierten Daten seiner Kunden.

Was machen das alles mit Ihnen?

Haben Sie Angst vor der permanenten Durchleuchtung? Versuchen Sie, sich so gut wie möglich zu schützen vor Big Data? Oder finden Sie es ausgesprochen

Spiegel - Quelle Pixabay. Foto von Krzysiek

Spiegel – Quelle Pixabay. Foto von Krzysiek

komfortabel, wenn Amazon, Facebook, Google und Co Ihnen nur Ergebnisse und Werbeanzeigen einblendet, die auch zu Ihnen und Ihre Interessen passen?

Ich selbst habe schon vor langer Zeit aufgehört, mich vor dem gläsernen Menschen zu schützen. Mir ist sehr wohl bewusst, dass anhand meines Verhaltens im Web ein komplettes Verhaltensprofil vorliegt. Doch das ist mir relativ gleichgültig. Ich empfinde es sogar als Stärke, so transparent zu sein. Nicht dass ich Interesse an personalisierter Werbung hätte (ich konsumiere relativ wenig), das was mich reizt ist die Vorstellung, als Persönlichkeit erkennbar zu sein!

„Das beste Geheimnis ist eine offene Tür“

Ich bin kein Mensch, der sich in traditionellen Gemeinschaften zu Hause fühlt. Ich lebe in der Stadt, meine Freundschaften und Kontakte ergeben sich stets dadurch, dass wir gemeinsame Ziele verfolgen. Mich interessiert nicht die Vergangenheit, die mich mit anderen Menschen verbindet – mich interessiert die Zukunft, die ich mit anderen Menschen gemeinsam gestalte.

Natürlich ist mir bewusst, dass sich kaum jemand für Eva Ihnenfeldt interessiert – aber die wenigen, die sich für mich und mein Profil interessieren, sollen direkt und ohne Umwege erkennen können, wie ich ticke. Ich wünsche mir schnellste Transparenz, um keine Zeit und Kraft zu verschwenden. Ich wünsche mir, dass ein Interessent meiner Fähigkeiten (meines Kapitals) mit wenigen Klicks ein so umfassendes Bild von mir erhält, dass er/sie schon bei der ersten Kontaktaufnahme weiß, ob wir zusammen passen – also die gleichen Ziele und Visionen vertreten.

Durch Twitter, Blog, Xing und Co habe ich schon viele Menschen kennen gelernt. Häufig haben sich Kooperationen und gemeinsame Projekte ergeben. In Zeiten, in denen diese Transparenz der Menschen noch nicht möglich war, wäre es viel umständlicher gewesen, sich zu prüfen, bevor man ein gemeinsames Werk beginnt.

Ich bin glücklich darüber, dass das Web mir die Möglichkeit gibt zu zeigen, wer ich bin. Natürlich ist damit verbunden, dass ich politisch durchleuchtet, als Konsument gläsern, in meiner Leistungsfähigkeit und meinem psychologischen Verhalten transparent bin. Aber was soll’s? Wenn es wirklich dazu kommt, dass wir uns in diesem Land gegen Ungerechtigkeit und Gewalt auflehnen müssten, werden wir gut vernetzt sein, da wir über Jahre die richtigen Menschen finden konnten. Und personalisierte Werbung? Wenn ich Geld zum Konsumieren habe, ist es praktisch, wenn ich kein Geld zum Konsumieren habe, ist es nebensächlich.

In China und anderen autoritären System schließen sich Menschen über das Internet zusammen, sie gewinnen durch diese Vernetzung enorm an Stärke. Zwar können sie geortet, analysiert, bedroht, eingesperrt und erpresst werden – doch auf der anderen Seite können die Unbequemen all diese Gewalt öffentlich machen. Wie oft haben Regimes schon das Internet abgeschaltet, weil sie kein Gegenmittel gegen diese neue Öffentlichkeit haben. Prima!

Vielleicht sollten mehr Menschen die Chance wahrnehmen, sich über Blogs, über Twitter und andere Plattformen öffentlich sichtbar zu machen. Ob passionierter Tiefseetaucher, Asienreisender, Pokerspieler – egal was begeistert, es gibt viele Freunde auf dem gesamten Planeten, die bereichern, inspirieren, gemeinsame Ziele verfolgen.

Was ist Liebe? Liebe ist die Erkenntnis, dass man gemeinsame Ziele verfolgt und gemeinsame Träume träumt. Nur zu! Traut Euch und macht Euch sichtbar.

 

 

Über Eva Ihnenfeldt

Als Expertin für Social Media Marketing berät und begleitet Eva Ihnenfeldt Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien - und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Eva Ihnenfeldt - Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: e.ihnenfeldt@gmail.com

2 thoughts on “Macht Ihnen eigentlich personalisierte Werbung Angst?

  1. Ein super Beitrag dem ich mich nur voll und ganz anschließen kann! Das Netz bietet super Möglichkeiten und diese genannten, können uns im Leben viele Sachen erleichtern!

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