Marketing Philosophie: Glück heißt, der Mensch will sich „richtig“ wissen

Marketing ist in seiner Definition der Handel mit Problemlösungen. Probleme treffen auf Produkte (auch Dienstleistungen sind Produkte) und können vom Anbieter erworben werden. Da wo es kein Problem gibt, gibt es auch kein Interesse am Erwerb. Doch was sind die „Probleme“ in westlichen Industrienationen? Worum geht es, wenn die existenziellen Bedürfnisse befriedigt sind und man nur noch konsumiert, um sich ein Stückchen „Glück“ zu erhaschen?

Der Mensch strebt danach, sich „richtig“ zu wissen

Jeder Mensch strebt danach, sich „richtig“ zu fühlen. Als Kind sind zunächst die Eltern zentral wichtig für dieses „Richtig“. Man kommt sozusagen mit dem „Richtig“ auf die Welt – wird dann aber früher oder später darin enttäuscht, in Frage gestellt, erschüttert. Nach den Eltern sind andere Menschen in der Lage, das „Richtig“ zu beeinflussen, Erzieher, Lehrer, Verwandte, Nachbarn… all die, die das Kind als „elternähnlich“ erlebt. Elternähnlich heißt gottähnlich, und für Religiöse ist „Gott“ die über allem schwebende urteilende Instanz über „Richtig“ und „Falsch“.

Menschen können Menschen nur dann aus dem „Richtig“ werfen, wenn sie aus irgendeinem Grund über Macht verfügen. Instinktiv wendet sich das Kind dieser Macht zu mit Hingabe, Vertrauen, Anziehung, Liebe – später lernt es vielleicht, sich zu wehren, wenn diese Macht ständig mit Leid verbunden ist.

Ein Mensch wird unglücklich und krank, wenn er/sie in diesem „Richtig“ ständig erschüttert wird. Er leidet und sucht beständig nach Auswegen, um wieder in seine Mitte zu finden. Das ganze Leben lang strebt der Mensch danach, durch Geborgenheit, Gemeinschaft, Übereinstimmungen und Bestätigung dieses kindliche Glück zu erfahren. Das ist nach den existenziellen Bedürfnissen der wichtigste Grundantrieb.

Häufig basieren diese „Richtigs“ auf alltäglichen Maßnahmen, die einen kurzlebigen Kick auslösen, Suchtkranke kennen das. Der Kick beginnt schon mit dem Genuss, mit Nachbarn über andere Nachbarn zu lästern. Ich bin richtig, Du bist richtig, denn wir sind Beide einig darin, dass andere falsch sind. Yeah!

Klingt harmlos, ist jedoch die Wurzel von Krieg, Hass und Zerstörung. Je tiefer eine Gesellschaft durchzogen ist von Bestrafung, Erpressung, Bedrohung und Machtmissbrauch, desto tiefer ist der Wunsch des Einzelnen, sich gegen Dritte zu verbünden, um sich in dieser Gemeinschaft „richtig“ zu fühlen. Demagogen haben das schon immer gewusst, und auch Fußball ist bei uns ein beliebtes Betätigungsfeld, um sich gemeinsam im „Richtig“ zu finden und Kraft zu tanken.

Wenn eine Gesellschaft jedoch aus vielen „Richtigs“ besteht, wenn Familie, Schule, Beruf und Nachbarschaft von Respekt, Zuneigung und Anerkennung geprägt sind, finden Demagogen keinen Widerhall. Und jetzt kommen wir endlich zur Philosophie des Marketings!

Marketing in der Wohlstandsgesellschaft

Maslowsche Bedürfnispyramide

Maslowsche Bedürfnispyramide

Die berühmte maslowsche Bedürfnispyramide ist eng verbunden mit der Philosophie des Marketings. Wir leben in einer noch nie dagewesenen Zeit des Friedens, der Freiheit und Wohlstands in Deutschland 2015 (wer weiß wie lange noch!) und die Aufgabe der anbietenden Händler und Gestalter in dieser Gesellschaft richtet sich an die Bedürfnisse nach Sicherheit, sozialem Miteinander, Bildung, Anerkennung – und Glück!

Je mehr wir begreifen, dass unsere Kunden, Schüler, Bürger und Mitarbeiter danach streben, sich „richtig“ zu wissen, desto leichter fällt es uns, die passenden Produkte und Handlungsweisen zu entwickeln. Desto leichter fällt es uns, die richtige Ansprache zu finden, auf die Menschen empathisch einzugehen und ihre Freundschaft und Treue zu gewinnen.

Natürlich kann man als Anbieter eine Zeitlang lügen und betrügen, kann unhaltbare Versprechungen machen, Respekt und Zuwendung vortäuschen – doch je transparenter der Markt ist, desto schneller werden Täuschungen entlarvt. Natürlich können Behörden, Lehrer, Chefs auf Strafe und Belohnung setzen, doch je näher wir der Selbstverwirklichung kommen, desto unwirksamer sind diese Machtstrategien.

Aufgabe des Marketings ist es, Handel zu ermöglichen zwischen Menschen mit Problemen und Menschen mit Problemlösungen. Ob in der Medizin, in der Politik, in der Produktion, der Geldwirtschaft, dem sozialen Miteinander, in der Schule, der Kultur oder der freien Lebenswelt, immer geht es darum, durch Austausch von Waren und Leistungen ein friedliches respektvolles Miteinander zu gewährleisten.

Auch in der Liebe und der Familie wird gehandelt mit emotional lebenswichtigen Bedürfnissen nach dem „Ja, ich bin richtig genau so, wie ich bin“. Die Mutter spürt es, wenn sie ihr Baby anblickt – und das Baby weiß es, weil es einfach weiß, dass es so ist. Der Nachbar spürt es, wenn wir aufrichtig freundlich grüßen, und der Bettler erkennt sich als richtig, wenn wir ihm in die Augen blicken und ihm einen guten Tag wünschen.

Es gibt keine wirkliche Alternative zum Handel! Wenn wir verstehen, dass wir alle „richtig“ sind, und wenn wir Mitgefühl entwickeln für alle, die aus mangelndem „Richtig“ entsetzliche Dinge denken, sagen, tun – nur dann sind wir auf dem richtigen Weg zu einem Planeten, der für alle fühlenden Wesen richtige Heimat ist.

 

 

 

 

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

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One thought on “Marketing Philosophie: Glück heißt, der Mensch will sich „richtig“ wissen

  • Reply Anonymous 3. Februar 2015 at 20:13

    Richtig!

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