Social Media Buch Teil 7: Zeit ist Geld und Glaubwürdigkeit hat mit Intelligenz zu tun

Wer sich überlegt, in seinem Unternehmen Social Media einzuführen, steht zunächst vor grundsätzlichen Fragen: Wieviel Zeit kostet das und was bringt es wirklich? Wie hoch ist der nachweisbare Nutzen und wie hoch das Risiko? Was ist mit rechtlichen Fragen und mit Datenschutz? Kurz und gut: die interaktive Kommunikation im Web macht Angst, denn so genau weiß man ja wirklich nicht, worauf man sich einlässt – und die Pflege einer Facebook-Fanpage mit 250 Fans erfordert einen fast ebenso hohen Arbeitsaufwand wie eine Fanpage mit 50.000 Fans – also lohnt sich das wirklich? Im Folgenden ein paar Anmerkungen zum Faktor Zeit:

Anhand von zwei konkreten Beispielen werden wir den Zeitaufwand für Blog, Facebook, Twitter und eventuell Newsletter abschätzen und berechnen. Im 1. Beispiel betrachten wir die Philharmonie einer Großstadt, im 2. Beispiel die Social Media Aktivitäten einer privaten Zahnarztpraxis. Für alle Selbstständigen und Freiberufler sei hinzugefügt, dass auch sie mit einem Zeitaufwand von 1 bis 2 Stunden täglich rechnen müssen – aber meiner Erfahrung nach lohnt es sich, wenn Social Media stratgegisch sinnvoll geplant und genutzt wird.

Beispiel 1: Philharmonie

Die Philharmonie einer Großstadt unterhält einen Blog und kommuniziert über Twitter und Facebook. Bei Xing sind die Kontaktdaten der Social Media Redaktion hinterlegt. Einmal monatlich erscheint ein Newsletter mit den Philharmonie-Terminen des Folgemonats.

Blog

Der Blog wird etwa 500x täglich angeklickt. Die Spitzen sind immer nach Erscheinen des Newsletters, da dort viele verlinkte Hinweise auf Beiträge im Blog zu finden sind. Also werden kurz vor und kurz nach Erscheinen des Newsletters die meisten Beiträge geschrieben. Es werden Beiträge aus dem Haus selbst gepostet, mit Fotos und kleinen Videos, die bei YouTube eingestellt werden.

Zeitaufwand: inklusive Außentermine, Telefonate, Redaktion, Einpflegen, Bild – und Videobearbeitung – bei 10 Beiträgen im Monat:
15 bis 20 Stunden monatlich. Social Media Journalisten veranschlagen zurzeit etwa 50 bis 70 Euro pro Stunde, also ca 1.200 Euro monatlich

Facebook/ Twitter

Die Philharmonie hat zwischenzeitlich rund 1.000 Fans bei Facebook und knapp 600 Follower bei Twitter. Die Blog-Beiträge werden automatisch bei Facebook und Twitter veröffentlicht. Der Social Media Verantwortliche hat die Aufgaben, Follower und Fans zu gewinnen, Austausch mit den relevanten Keynote-Speakern bei Twitter zu pflegen, interessante News aus der Szene zu recherchieren, Beiträge zu posten, auf Fragen und Kommentare der Fans und Follower zu reagieren, mit dem Kulturbetrieb intensiv zu kommunizieren.

Zeitaufwand: morgens, mittags und abends mindestens 15 Minuten – oft genug auch 30 Minuten. Also insgesamt 45 bis 90 Minuten täglich

XING

Da ein Kulturbetrieb sich an private Kunden wendet, ist XING nur wichtig, wenn man dort angesprochen wird. Außerdem werden dort die Veranstaltungen der Philharmonie eingepflegt. Wenn Zeit ist, werden zusätzlich Kontakte aufgebaut, die sich für klassische Musik interessieren – und die in der Region leben.

Zeitaufwand: ca 5 bis 10 Stunden monatlich

Newsletter

Falls ein professionelles Tool genutzt wird, das schon automatisch alle News aus dem Blog übernimmt, reduziert sich der redaktionelle Aufwand auf die Informationen rund um den Veranstaltungskalender. Zusätzlich werden Strategien entwickelt, um Newsletter-Abonnenten zu gewinnen (die ausdrücklich und schriftlich nachweisbar dem Erhalt des Newsletters zugestimmt haben). Außerdem wird anhand der Öffnungs- und Klickstatistiken die Strategie für die Social Media Aktivitäten laufend überprüft und angespasst.

Zeitauwand: pro Newsletter ca 2 bis 5 Stunden monatlich.

Hinzu kommen die E-Mails, die gelesen und beantwortet werden müssen. Unserer Erfahrung nach ebenfalls eine zusätzlich erhebliche Mehrarbeit, die ich mit ca 30 Minuten täglich beziffern würde.

Zusammenfassung Beispiel Philharmonie

Ein Kulturbetrieb, der sich über Social Media viral und gewinnausgerichtet professionell präsentiert, ist natürlich extrem zeitaufwändig. Für die vorgestellten Aktivitäten sind etwa 60 bis 80 Stunden im Monat zu veranschlagen. Das wären bei Beauftragung einer externen PR-Agentur rund 3.000 Euro monatlich – bei der Teilzeit-Anstellung eines professionellen Social Media Managers inklusive aller Arbeitgeberkosten etwa genau so viel.

Was wird dieser Aufwand bringen?

Es ist sehr leicht, die Erfolge zu bemessen – und zwar an den verkauften Eitrittskarten und der Steigerung der Auslastung des Hauses. In einem mir vertrauten Beispiel stieg die Auslastung bei Blog, Facebook und Twitter um das Doppelte – außerdem sind nun prominente Künstler besonders gern zu Gast, da sie persönlich von dem viralen Marketing profitieren. Die Kunden nehmen größere Entfernungen in Kauf, die Philharmonie ist viel häufiger in den Medien vertreten und mit großen internationalen Häusern besser vernetzt. Umgerechnet machte sich die Investition nach etwa einem Jahr bezahlt – ab da bringt Social Media Monat für Monat nachweislichen Gewinn.

Natürlich kann man sich auch für einen Auszubildenden entscheiden – oder für einen Praktikanten oder einen Studenten. Bei dieser Entscheidung ist selbstverständlich nicht die eigenständige Verantwortlichkeit vorauszusetzen, die Kommunikation muss angeleitet und kontrolliert werden. Auch wechseln die Redakteure schneller – oder sie sind einfach mit den Multitasking-Aufgaben überfordert. So viel also zum Beispiel „Philharmonie“.

Beispiel 2: Zahnarztpraxis

Dr. X unterhält eine private Zahnarztpraxis in einer Großstadt. Da er ausschließlich Privatpatienten behandelt, ist es für die Praxis besonders wichtig, im Wettbewerb zu bestehen. Dazu gehören die Kommunikation und die virale Verbreitung des hervorragenden Leistungsspektrums, die Image-Pflege, Aufbau von Vertrauen, Sympathie – und Bekanntheitsgrad des Namens.

Zielgruppe sind Beamte und alle weiteren privat Versicherten im Umkreis von ca 30 km.

Konzept

Es wird ein strategisches und betriebswirtschaftliches Kommunikationskonzept mit einer externen PR-Agentur erstellt. Aufwand ca 20 Stunden. Kosten rund 2.000 Euro.

Im Folgenden wird ein Blog geführt und ein Facebook-Profil gepflegt. Ein monatlicher Newsletter kommt hinzu – außerdem ein E-Mail-Programm, das Termine, Geburtstagsglückwünsche und Erinnerungen an Kontrolluntersuchungen automatisch an die Patienten versendet. Es wird eine Strategie entwickelt, wie Patienten ihre positiven Erfahrungen bei relevanten Bewertungsforen mitteilen.

Blog

monatlich werden 3 Beiträge geschrieben zu therapeutischen Errungenschaften, zu News aus der Praxis – Ausrichtung des Blogs ist Aufklärung, objektive Informationen, Transparenz und Authentizität der Praxis.

Zeitaufwand: ca 6 Stunden monatlich

Facebook-Fanpage

Tägliche Pflege, 3 x wöchentlich eigene Postings, die Beiträge aus dem Blog erscheinen automatisch.

Zeitauwand: ca 5 – 10 Stunden monatlich

Newsletter

Die Beiträge aus dem Blog werden automatisch übernommen, der Newsletter wird mit Teaser und Schlusswort ergänzt.

Zeitaufwand: 3 Stunden monatlich

Consulting

Das laufende Coaching der Praxis inklusive Auswertung aller Statistiken beträgt 3 Stunden monatlich.

Insgesamt muss der Zahnarzt mit einem Kostenfaktor von etwa 25 Stunden für Social Media monatlich rechnen – also ca 1.500 Euro. Der Erfolg lässt sich gut anhand der Patientenzahlen, der häufigeren Zahnarztbesuche und der erhöhten Nachfrage nach weiteren Leistungen bemessen.

Dies war der 7. Teil aus dem Social Media Buch von Eva Ihnenfeldt, das nach und nach hier erscheint.
Die vorläufige Gliederung des Buchs finden Sie hier:

Social Media Buch

Autorin ist

Eva Ihnenfeldt
PR-Agentur und Social Media Agentur SteadyNews
Rheinlanddamm 201
44139 Dortmund
Tel.: 0231/ 77 64 150
E-Mail: [email protected]

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.