Wie, das soll Marketing sein? Das kann ich auch…

Kennen Sie das, wenn Menschen in einem Museum vor abstrakter Kunst stehen und dann abschätzig sagen „Wie, das soll Kunst sein? Das kann ich auch“. So ähnlich wie ein Künstler der Gegenwart fühle ich mich oft, wenn ich versuche in meinen Lehrgängen und Vorträgen zu erklären, was Marketing ist und warum Marketing für jedes Unternehmen so wichtig ist. Sogar viele Selbstständige meinen, wenn man ihnen vorschlägt, eine Marketing-Strategie gemeinsam zu entwickeln „Das ist doch alles Zeitverschwendung – ich brauche kein Marketing, ich brauche nur Vertrieb. Besorgen Sie mir freie Vertriebler, die für 20% Provision meine Produkte verkaufen, dann hab ich, was ich brauche.“ Da ich nicht der Typ bin, der versucht, eine Oma über die Straße zu bringen, die gar nicht über die Straße will, pflege ich an diesem Punkt zu gehen und alles, alles Gute zu wünschen 😉

Warum ist Marketing so wichtig?

Was sich wohl langsam herumgesprochen hat ist, dass wir Menschen unsere Entscheidungen mit dem Herzen Herz-300x159treffen. Selbst wenn wir uns für den Günstigsten entscheiden, ist das eine Herzensentscheidung: Wir freuen uns, weil wir gute Einkäufer sind, weil wir wirtschaftliche Intelligenz besitzen, weil wir erfahrene Jäger sind und weil wir uns durch die Einsparung etwas Zusätzliches leisten können – ein Schnäppchen ist sozusagen die Rechtfertigung für das nächste selbstgemachte Geschenk. „Nehmen wir noch Einen? Ja sicher!“

Da die Allermeisten von uns nicht auf den Vorteil „Preisführerschaft“ setzen können und wollen – „Der Günstigste“ ist vor Allem tauglich für den Massenmarkt oder als Eingeständnis an extrem mächtige Kunden“ -, wollen wir mit Qualität und Erlebnis überzeugen. Unsere Produkte sind einzigartig gut, unser Service ist uneinholbar großartig, unsere Zusatzleistungen suchen vergeblich nach vergleichbaren Anbietern.

Das genau ist der Moment, in dem eigentlich die Flagge „Marketing“ auf dem Geschäftsgebäude gehisst werden müsste. Wo wir das Megaphon anschließen müssten und es voller Überzeugung herausrufen: „Wollt Ihr das Beste vom Besten – dann kommt zu uns!!!“ Egal, mit welchen Argumenten wir operieren, wir brauchen Lautstärke und Sichtbarkeit, um unsere potentiellen Kunden zu uns zu holen. Wir müssen sozusagen jeden Einzelnen „retten“, indem wir ihn oder sie unter unsere Fittiche nehmen. Egal ob wir ein Handwerker mit dem Radius 20 km sind, ob eine Anwaltskanzlei, Lieferheld oder Amazon persönlich: Wir haben eine Mission, und unsere Kunden würden verzweifeln, wenn es uns nicht gäbe.

Was ist denn jetzt „Marketing“ – und kann man das nicht einfach an Agenturen auslagern?

Aus einem mir unverständlichen Grund sagen tatsächlich viele Inhaber und Geschäftsführer, dass sie keine Lust haben, sich mit Marketingstrategien zu beschäftigen. Am liebsten würden diese Anbieter ein monatliches Budget festlegen – und für dieses Budget eine Agentur finden, die dieses ganze dumme Marketing so selbstständig wie möglich übernimmt. Dann kann man sich wunderbar auf das so genannte „Kerngeschäft“ konzentrieren, spart Zeit und macht das, warum man gegründet hat: Produzieren, verkaufen, abarbeiten. Marketing ist dabei so lästig wie Buchhaltung und Verwaltung – das macht man ja schließlich auch nicht selbst!

Marketing ist die Persönlichkeit eines Unternehmens in all seinem Ausdruck. Marketing fängt schon bei dem Entschluss an, zu gründen bzw. ein Unternehmen zu übernehmen. Ein Unternehmen führen ist wie Heiraten: „Ja, ab jetzt will ich mich mit meinem ganzen Herzen und mit Allem, was ich kann und bin, meinem geliebten Unternehmen widmen, will für es sorgen und arbeiten, will ihm in guten und schlechten Zeiten beistehen – bis dass der Tod uns scheide“.

Diese Liebe und dieses Versprechen drückt sich aus durch die Produktauswahl, die Preispolitik, die Prozesse und den Vertrieb im Unternehmen und die Kommunikation zu allen Beteiligten. Diese Liebe und diese ganz spezielle Persönlichkeit des Unternehmens sind das, was ganz eng mit dem Gründer verbunden bleibt. Stirbt der Gründer oder verlässt das Unternehmen, wandelt sich der Charakter – und oft genug ist das der Anfang vom Ende. Was etwa ist apple ohne Steve Jobs? Ich fürchte, er ist auf Dauer unersetzbar.

Ist Marketing tatsächlich eine Kunstform oder doch ein Handwerk?

Kunst-300x200Je länger ich im Geschäft bin und desto mehr Unternehmen ich begleitet habe (und es sind unfassbar viele), desto mehr neige ich mich der Kunst zu. Wie sagte Joseph Beuys so schön „Jeder Mensch ist ein Künstler!“ Ich sage hingegen „Jeder Unternehmer ist ein Künstler!“ Denn für mich kommt „Unternehmer“ von „unternehmen“ und jeder Mensch, der sich kreativ in eine Vision und seinen eigenen Willen stürzt, ist für mich ein Unternehmer – und hat sich somit der Kunst des Marketings verschrieben. Egal, ob ich in der Flüchtlingshilfe ein Projekt zum Erfolg bringen will, ob ich meinen Lebenspartner suche, die Welt sehen, ob ich Politiker werde oder eine ganz bestimmte Karriere realisieren will: Ohne Marketing kann ich nichts beeinflussen – ohne Strategie bin ich ausgeliefert wie ein Blatt im Wind.

Wie viel mehr gilt das „Ja“ zum Marketing dann für Menschen, die Verantwortung tragen für ein Unternehmen! Die Mitarbeiter haben, Investitionen tätigen, Fremdfinanzierungen eingehen und mit ihrer existenziellen Zukunft „Ja“ gesagt haben zu dieser Heirat. Unternehmer, die meinen, für Marketing sind bei ihnen die Personalabteilung, der Vertrieb und die Marketingabteilung zuständig sind so wie Eltern, die meinen, die Erziehung ihrer Kinder findet im Kindergarten, in der Schule und in sonstigen Institutionen statt.

Wie sorge ich denn nun für Marketing?

  • Zunächst muss ich eingestehen, dass Marketing Zeit kostet – und dass ich bereit bin, diese Zeit zu investieren. Ich muss verstehen, dass Marketing keinen Fahrplänen und einheitlichen Regeln gehorcht, sondern dass Marketing lebt von Kreativität, Herzblut, Willen und Empathie. Wie ein Künstler erschaffe ich Kompositionen, die sich ergeben aus Fragen, Rätseln, Herausforderungen und Kampf. Wie ein General ist mir klar, dass es keine Sicherheit gibt – sondern dass ich stets mein Bestes geben muss, um erfolgreich zu bestehen.
  • Ich bringe Bewusstheit in meine Unternehmensführung. So wie bewusste Eltern – oder auch bewusste Hundebesitzer – Bücher lesen, sich weiterbilden, Kurse besuchen, evtl. Experten konsultieren und sich mit anderen Eltern/ Hundebesitzern austauschen, so ist es auch für mich selbstverständlich, ständig an meiner Weiterentwicklung zu arbeiten. Toyota hat KVP (kontinuierlicher Verbesserungsprozess) weltweit bekannt gemacht, für mich ist es selbstverständlich, diese Philosophie zu leben.
  • Ich weiß, dass Marketing alle Unternehmensentscheidungen umfasst. Ob Produktentwicklung, Markterschließung, Wettbewerbsstrategien, Personalpolitik oder Kommunikationsstrategien – alles ist miteinander verflochten und braucht mich als Denjenigen, der mit der vollen Verantwortung alles ausbaden muss
  • So wie es nur wenige Menschen gibt, die allein – ohne Architekt und Bauleiter – ihr Haus bauen, so ziehe auch ich Dienstleister und Experten hinzu, um mein Unternehmensgebäude zu bauen, zu modernisieren bzw. zu optimieren. Unternehmensberatung, Coaching und eine professionelle Projektleitung sind für mich selbstverständliche Begleiter. Ich wähle keine Agenturen aus, indem ich sie ergoogle oder auf ihr Werbematerial reagiere – ich lege Wert auf eine Begleitung, die für mich die passenden Dienstleiter wählt, mit ihnen Aufgaben und Preise verhandelt und die Umsetzung von Projekten und Kampagnen kontrolliert.
  • Netzwerke sind für mich die Basis für mein Stakeholder-Marketing. Ich weiß, dass man immer Förderer und Unterstützer braucht, um weiterzukommen, und ich pflege meine Beziehungen sorgfältig und sehe zu, dass ich meinen Netzwerken einen echten Mehrwert bringe. Ich bin ein verlässlicher Partner und hilfsbereit, dabei ist meine Blickrichtung immer „nach oben“ gerichtet. Denn nur von den Besten kann ich lernen und meinen Erfolg befördern. Ohne ihre Unterstützung komme bin ich verloren.
  • Ich weiß, dass ich Ziele und Strategien brauche. Darum arbeite ich ständig weiter an der Marketingstrategie für das Unternehmen. Ziele können Reichweite (Bekanntheit und Image) sein, Kundengewinnung, Kundenbindung, Personalmarketing, digitale Transformation, neue Produkte und neue Geschäftsfelder – in jedem Fall investiere ich Zeit und Geld in die ständige Verbesserung meines Marketing.

„Wie, das soll Marketing sein? Für so einen Mist habe ich keine Zeit. Das ist doch alles Zeitverschwendung.“ – Falls Ihnen mal wieder ein Selbstständiger oder Unternehmer vor die Füße wirft, dass er genügend Marketing-Kompetenz besitzt und keine Hilfe von Experten braucht, sehen Sie sich sein Marketing an! Was für Spuren von Erfolg gibt es im Netz? Wie spricht er/ sie mit Kunden und Stakeholdern? Was steht im Xing-Profil und welche Reaktionszeit gibt es bei Anfragen? Reichweite, Viralität, Bewertungen und Empfehlungen, alles sichtbar!

Wunderbar, dass uns das Internet nun endlich die Basis gibt, die Stümper und Angeber von den Marketing-Unternehmern zu unterscheiden. Also nur Mut: Lebt den Künstler in Euch und traut Euch, Euren Fingerabdruck als Unternehmer zu zeigen. Und holt Euch Experten als Unterstützer, und bildet Euch weiter…

 

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

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