Steigende Privat-Insolvenzen führen zu „Insolvenz-Tourismus“. Denn in England dauert Entschuldung nur ein Jahr

In Deutschland dauert es sechs Jahre, bis der Schuldner nach der „Wohlverhaltensphase“ wieder wirtschaftlich eine neue Existenz aufbauen kann. Bis dahin lebt er mit dem Pfändungsbeitrag am Minimum. In England hingegen dauert diese Phase nur ein Jahr – und immer mehr Hoch-Verschuldete suchen den legalen Ausweg und siedeln um nach Großbritannien.

Experten sind sich einig: in Deutschland dauert die Entschuldungsphase für Schuldner, die Privatinsolvenz anmelden mussten, viel zu lang. In vielen europäischen Ländern wie Frankreich ist die Zeitspanne weitaus geringer, in Großbritannien beträgt sie sogar nur ein Jahr. Der englische Staat möchte risikobereiten Unternehmern die Möglichkeit geben, nach einem Scheitern möglichst schnell wieder am Wirtschaftsprozess teilzunehmen.

Seit dem Jahr 2000 ist es laut EU-Beschluss möglich, EU-weit dort Privatinsolvenz anzumelden, wo der hauptsächliche Wohnsitz ist. Voraussetzung ist einzig und allein, dass man mindestens sechs Monate lang in dem betreffenden Land gemeldet ist.

Schon kurz nach der Regelung gab es im Internet immer mehr Angebote, die Hochverschuldeten Wohnung, Konto und Sozialversicherung in England vermitteln. Allein Marcus Kray, Chef einer Insolvenz Agentur, hat nach eigenen Angaben etwa 200 Kunden pro Jahr.

Vor allem verschuldete deutsche Ärzte und Unternehmer, die um die 50 Jahre alt sind, nutzen das legale Angebot, in einem Jahr schuldenfrei sein zu können. Denn nach sechs Jahren Existenzminimum würden sie in Deutschland kurz vor der Rente stehen – und hätten kaum noch Chancen, sich aus der Armut zu befreien.

Doch eine Privatinsolvenz im Ausland ist teuer. Marcus Kray betont, dass sich wegen der Kosten der Aufwand erst bei einer Schuldensumme von 100.000 Euro rechnet.  Experten schätzen, dass etwa ein Zehntel aller Hochverschuldeten Privatinsolvenz im Ausland beantragen.

Der „Schuldentourismus“ teilt die Gruppe der Privatinsolventen in zwei Klassen, wie Guido Stefan, Vorstandsmitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung und Insolvenzrichter in Darmstadt, bedauert. „Aber rechtlich ist es legitim“.

Auch Frankreich war in den ersten Jahren nach dem EU-Beschluss beliebtes Auswanderungsziel. Doch die französische Justiz ist weitaus strenger als die englische. Während die Gerichte in Frankreich Entschuldungszeiten nicht anerkannten, wenn der Schuldner nur offiziell in Frankreich gemeldet war – jedoch anscheinend überwiegend in Deutschland lebte – sind englische Gerichte viel toleranter. Insolvenzberater Kray: „Solange nicht gerade 50 Insolvente unter einer Adresse gemeldet sind, bleiben die englischen Richter entspannt“.

Video bei BBC News

Zur Website der Insolvenz-Agentur von Marcus Kray

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

steadynews.de

5 thoughts on “Steigende Privat-Insolvenzen führen zu „Insolvenz-Tourismus“. Denn in England dauert Entschuldung nur ein Jahr

  • Reply Bundesarbeitsgemeinschaft SchuldnerberatungPleite 1. Februar 2012 at 12:01

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  • Reply Bundesarbeitsgemeinschaft SchuldnerberatungInsolvenzverfahren 9. Februar 2012 at 01:34

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  • Reply Forderungsanmeldung Im InsolvenzverfahrenPrivatinsolvenz 10. Februar 2012 at 01:18

    […] Insolvenzverwalter (Treuhänder, Sachwalter) zu senden, nicht an das Gericht. … Read DocumentDie Links auf dieser Seite können leider auch veraltete Informationen beinhalten. Sie sind hier gel…de empfehlen. Dort erhalten sie ein erstklassiges und rechtlich einwandfreies Konzept, wie Sie Ihre […]

  • Reply Schuldenfrei 6. Dezember 2013 at 20:13

    Es ist nicht nur rechtlich legitim sondern funktionert auch wunderbar. Auch große Konzerne wie Amazon, eBay, Google uvm. nutzen „Schachstellen in der EU-Gesetzgebung“ um fast keine Steuern in den einzelnen Ländern der EU zu zahlen. Warum sollten dann Privatpersonen diese Möglichkeiten nicht nutzen? Bei mir hat es auch funktioniert und ich hatte nacht 24 Montaten meine Restschuldbefreiung (es wäre auch schneller gegangen, aber ich hatte es nicht eilig)!

    • Reply Eva Ihnenfeldt 6. Dezember 2013 at 21:41

      Ach wie schön dass freut mich sehr. Herzlichen Glückwunsch zur Tatkraft und zum Erfolg!

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