Frauen, Mütter, Social Media: Steigt der Druck immer weiter?

Bin ich eine gute Mutter und Partnerin? Eine attraktive Frau? Intelligent? Tüchtig? Erfolgreich? Sportlich? Nachhaltig? Gesund? Im Sommer 2021 befragte das Onlinemagazin Stylebook über eintausend Frauen zwischen 16 und 69 Jahren – und die Ergebnisse sind erschreckend. Es scheint so, als würde der Druck auf Frauen durch die starke Social Media Präsenz in der Gesellschaft weiter steigen. Vor Allem junge Frauen sind betroffen. Sogar Schönheits-Operationen und andere Optimierungs-Eingriffe werden immer populärer durch den ständig präsenten Vergleich mit anscheinend perfekten Frauen. Steuern wir auf eine Burnout-Katastrophe von jungen Frauen und Müttern zu?

Berufstätig, Mutter, Partnerin…

Bild von Mylene2401 auf Pixabay 

Viele junge Frauen sind hervorragend ausgebildet. Häufig überflügeln sie ihre männliche Konkurrenz in Schule und Studium. Zwar ist es nicht leicht, als junge Frau mit „gesunder Gebärmutter“ Karriere zu machen, doch nach der Familiengründung fängt der Stress für die meisten jungen Mütter erst richtig an. In Deutschland ist es weiterhin üblich, dass Männer die Hauptverantwortung für den Familienunterhalt übernehmen – und Mütter die Balance zwischen Beruf, Kindern und Haushalt finden müssen.

Nicht nur, dass wir Deutschen uns weiterhin das klassische Mann-Frau-Modell über die symbolträchtige Steuerklasse 5 erhalten; beruflich und gesellschaftlich ist es in Deutschland kaum möglich, Karriere mit Kindern zu koppeln: Gerade in der Corona-Zeit sieht man, wie unkalkulierbar Kinderbetreuung für (meistens) Mütter ist. Wie soll man eine verantwortungsvolle berufliche Position ausfüllen, wenn man andauernd die Kinder zu Hause hat? Und wie häufig wird erwartet, dass Eltern ihre Kinder mit der optimalen Förderung in Kindergarten und Schule unterstützen? Auch diese Aufgabe trifft meist die Mütter.

Beauty perfect Social Media

Die mangelnde Gleichberechtigung und finanzielle Unabhängigkeit von Müttern (Armut ist weiblich und hat Kinder) ist das Eine – doch nun kommt etwas Weiteres hinzu: Durch die ständige Präsenz von Social Media Medien beginnen vor Allem junge Frauen vor den Wechseljahren, mit ihrem Aussehen zu hadern. Bildbearbeitungsprogramme und Filter tun ihr Weiteres dazu, die Kluft zwischen Realität und Schein zu zu vertiefen.

Es ist so traurig in der Studie zu lesen, wie viele junge Frauen schon Eingriffe unternommen haben, um ihr Äußeres zu optimieren! In ganz normalen Freundinnen-Gesprächsrunden wird zunehmend darüber diskutiert, wie, wo und was an Schönheits-OP’s und -Eingriffen unternommen werden kann. Kann es wirklich sein, dass schon ein knappes Drittel dieser Altersgruppe durch den steigenden Druck zur Selbstoptimierung tätig geworden sind? Botox, Lippenaufspritzung, Fettabsaugung, Microneedling zur Hautverjüngung, Brustoptimierungen…

Bild von Anastasia Gepp auf Pixabay 

Vielleicht normal und typisch weiblich?

Vielleicht ist es ja so, dass Frauen aus allen Schichten und Kulturen seit Angedenken an um den Rang der „Schönsten“ kämpfen? Vielleicht hat sich dieser Urtrieb, den wir ja auch von vielen Naturvölkern und aus vergangenen Zivilisationen kennen, nur auf ein neues Medium übertragen? Ich weiß es nicht.

Doch selbst wenn es so sein sollte sehe ich, dass immer mehr junge Frauen – und gerade Mütter – zusammenbrechen unter der Last der vielen Anforderungen und Rollen. Ständiger Stress und unablässig wechselnde Rollenaufgaben führen zu Erschöpfung, Scham, Schuldgefühlen und dem berühmt berüchtigtem „Grübel-Grübel-Gedankenkarussell“.

Vielleicht ist es irgendwann einmal Zeit für eine neue Frauenbewegung, die sich nicht mehr damit abfindet, dass in Deutschland Mütter gesellschaftlich und finanziell so selbstverständlich benachteiligt sind. Sicher wurde es den Frauen und Müttern in den skandinavischen Ländern auch nicht leicht gemacht, ihre Rechte zu verankern. In den sozialistischen Staaten ging es wohl vor Allem darum, weiterhin von der Arbeitskraft der Frauen zu profitieren – und die Kinder durch den Staat erziehen zu lassen.

Egal, sich auf den Kampf um die „Schönste“ und „Tüchtigste“, „Verantwortungsvollste“ und „Perfekteste“ einzulassen, ist dumm. Haltet lieber zusammen ihr Frauen und handelt. Sonst könnte es sein, dass Ihr irgendwann ernsthaft erkankt, Euer erfolgreicher Partner sich eine Jüngere, Fröhlichere sucht, Ihr ab da mit den Kindern am Existenzminium herumkrebst – und im Alter arm seid. Besser glücklich als perfekt, besser dick als ausgebrannt. Besser ehrlich als beliebt, weil es Wichtigeres gibt 😉

bz-Berlin über die groß angelegte Frauen-Studie von STYLEBOOK

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

steadynews.de

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