Wir alle kennen den abfälligen Ausspruch „Da hat jemand mal wieder eine Männergrippe“. Spannend zu beobachten, wie viele Männer sogar von sich selbst behaupten, sie seien wehleidig, würden sich anstellen, würden nichts aushalten… – während Frauen auch bei heftigsten Krankheitserscheinungen ihren Dienst tut, ohne an sich zu denken. Wie passt das zusammen mit den Statistiken der Krankenkassen, die belegen, dass Frauen häufiger krankgeschrieben sind als Männer? (Deutsches Ärzteblatt – 2024: Erwerbstätige waren knapp 18 Tage krankgeschrieben) Warum leben Frauen länger als Männer? Warum liegt der Anteil der Männer in Pflegeheimen nur bei etwa zwanzig Prozent? Frauen sind kränker und Männer sterben früher? Warum???
Nach den Erkältungskrankheiten sind psychische Diagnosen und chronische Autoimmunerkrankungen (z.B. Rheuma) der häufigste Grund für Krankschreibungen. Diese Erkrankungen sind zwar seltener lebensbedrohlich, doch mit langen Leidenswegen verbunden. Doch warum leiden Frauen häufiger, während Männer häufiger sterben?
Wissenschaftliche Erklärungen für das Phänomen „Kranke Frauen – tote Männer“
Das österreichische Online-Magazin praktischarzt hat folgende Ursachen zusammengetragen:
- Männer leben risikoreicher als Frauen – auch in Friedenszeiten. Sie werden häufiger Opfer von Verkehrsunfällen, begehen Suizid oder erkranken an Lungenkrebs, da sie gegen alle Vernunft rauchen, trinken, Drogen konsumieren. Sie mögen gefährliche Sportarten und schnelle Autos.
- Männer leiden häufiger an lebensbedrohlichen Erkrankungen wie Krebs oder Herzinsuffizienz, Frauen hingegen an muskuloskelletalen Erkrankungen (z.B. Arthrose), an Migräne und Autoimmunerkrankungen. Diese Krankheiten sind quälend, aber führen viel seltener zum Tode. Frauen leben weitaus gesundheitsbewusster als Männer.
- Biologische Ursachenbegründungen für das Phänomen sind nicht ausreichend, sagt der Artikel. Frauen verfügen über ein sensibleres Immunsystem als Männer – und somit über eine höhere Anfälligkeit für Autoimmunerkrankungen. Östrogen schützt sie bis zu den Wechseljahren vor Herzerkrankungen. Männer haben aufgrund von Testosteron eine höhere Anfälligkeit für Infekte.
- Männer schämen sich, wenn sie Schwächen und Krankheiten eingestehen müssen. Sie gehen später und seltener zum Arzt als Frauen. Frauen haben seltener Probleme mit persönlichem Status und Gesichtsverlust. Sie sind häufiger in der Lage, über Krankheiten offen zu sprechen und sich generell mit Krankheit und heilenden Möglichkeiten zu beschäftigen.
- Männer ab 50 leiden häufig darunter, dass ihr gesellschaftlicher Status zurückgeht. Diese Form von Gesichtsverlust macht sie zum Beispiel viel anfälliger für Suizid als Frauen. Frauen hingegen ziehen ihren Selbstwert häufig aus der Rolle der Fürsorge – sowohl in der Familie als auch Gesellschaft.
Männergrippe
Es ist also ein gutes Zeichen, dass Männer heutzutage häufig liebevoll verspottet werden mit der Bezeichnung „Männergrippe“. Dadurch werden sie empfänglicher für ihre weibliche Seite, für die Erlaubnis, schwach und bedürftig sein zu dürfen – anstatt immer nur der siegreiche Ernährer und Kämpfer für Familie und Vaterland 😉 Ein Hoch auf die Männergrippe und die neue Tugend, auch als Mann Schwächen zeigen zu dürfen.
Wer weiß, vielleicht leben in zwanzig Jahren schon 50 Prozent Männer in Alten- und Pflegeheimen! Es wäre sicher sehr viel aufregender, wenn sich dort andauernd jemand verliebt und sich lauter Pärchen finden können…
Quelle: praktischarzt.at: Lebenserwartung – Warum Frauen länger leben als Männer




