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Smartphone-Überwachung der Kinder: Eltern nutzen Spionage-Apps 0

Laut statista besaßen im Jahr 2016 rund achtzig Prozent der 12-13 Jährigen in Deutschland ein Handy – über sechzig Prozent nutzten ein Smartphone. Sicher sind diese Zahlen in den letzten Jahren weiter angestiegen. So viele veraltete Smartphones, die noch intakt sind, werden an die jeweils jüngeren Familienmitglieder weitergereicht – Prepaid-Karten sorgen für Kostenkontrolle. Doch wie kontrollieren Eltern die Nutzung der internetfähigen Geräte?

Immer beliebter werden Spionage-Apps, die sowohl für iOS aus auch für Android in verschiedenen Ausführungen verfügbar sind. Bei einigen kann man sogar Sprachaufzeichnungen verfolgen. Gehört es zur Fürsorgepflicht von Eltern, ihr eigenes Handy über Apps mit dem Handy der Kinder zu vernetzen? Oder verstößt das gegen die Persönlichkeitsrechte des Kindes? Und was ist, wenn eifersüchtige Partner oder misstrauische Chefs die Apps unerkannt bei ihren Schutzbefohlenen installieren?

Überwachung aus Liebe und Fürsorgepflicht

Seit im Mai 2017 in einem spektakulären Urteil des Amtsgerichts Bad Herfeld eine Mutter dazu verdonnert wurde, die Smartphone-Nutzung ihres minderjährigen Sohnes engmaschig zu überwachen, WhatsApp zu deinstallieren (oder Einwilligungserklärungen aller Kontakte im Adressbuch einzuholen)  und monatlich mit dem Sohn Gespräche über Smartphone-Nutzung zu führen, sind viele Eltern wach geworden und haben Spionage-Apps auf den Smartphones ihrer Kinder installiert.
Dürfen Eltern ihren Kindern unter 16 WhatsApp erlauben?Statistik: Smartphone-Besitz von Kindern in Deutschland im Jahr 2016 nach Altersgruppen | Statista
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Von der Sorge zur elektronischen Fußfessel

Die Spionage-Apps, die bei Bedarf auch unerkannt auf dem überwachten Handy arbeiten können, haben viele Zugriffsmöglichkeiten. Geo-Tracking mit Alarmauslösung, wenn der Überwachte die Grenzen der eingetragenen Region überschreitet, sind ein Beispiel für die Möglichkeiten. Bei einigen Apps können sogar gelöschte Nachrichten wiederhergestellt werden. Ob die Funktion „Sprachaufzeichnung abhören“ bedeutet, dass heimlich das Mikrofon aktiviert wird, wurde für mich nicht ganz deutlich, es scheint jedoch so zu sein. Natürlich können Zugriffssperren auf bestimmte Seiten eingerichtet werden und zeitliche Beschränkungen. In solchen Fällen muss allerdings der Überwachte über die Spionage informiert werden – das fällt ja auf…

Ehepartner und Chefs…

Ob auch immer mehr Ehepartner unfreiwillig vom Ehepartner überwacht werden? Ob auch immer mehr Chefs auf Diensthandys solche Spionage-Apps installiert haben? Ein ausführlicher Artikel aus der FAZ zeigt auf jeden Fall, wie viele Einsatzgebiete es gibt und fügt eine ausführliche Bewertung hinzu: Ist es ethisch vertretbar, wenn Eltern ihre Kinder so lückenlos überwachen?

Was würde ich heute tun als Mutter?

Ich frage mich, was ich tun würde, wenn ich heute noch Mutter wäre. Wahrscheinlich würde ich sehr wohl eine der gemäßigten Spionage-Apps installieren und gemeinsam mit meinem Kind absprechen, was ich sehen kann und was nicht. Wichtig wäre mir, WhatsApp, Instagram und Facebook zu verhindern bei unter 16-Jährigen, weil ich keine Abmahnung provozieren will.

Auch andere Apps, die laut AGB keine Nutzung von Kindern bis zum 16. Lebensjahr zulassen, würde ich sperren. Auch würde ich die Nutzungsdauer des Smartphones begrenzen. Aber würde ich den Bewegungskreis meines Kindes einschränken und ihm eine elektronische Fußfessel anlegen? Würde ich überhaupt GEO-Tracking ausüben und damit die räumlichen Nischen, in denen mein Kind Freiraum hat, verhindern? Was wäre das Mindestmaß, um meiner Fürsorgepflicht nachzukommen?

Black Mirror – Arkangel

Ich denke an Black Mirror, Staffel 4, Folge 2. In Arkangel lässt eine Mutter ihrem kleinen Töchterchen einen Chip installieren, um per Tablet bestmöglich alles Gefährliche und Angsteinflößende von dem geliebten Kind fernzuhalten. Wie man sich vorstellen kann, geht das nicht gut aus… Eine komplexe Welt stellt Eltern vor ganz neue Herausforderungen. Die DSGVO und ePrivacy-Verordnung machen es nicht leichter. Wer möchte sich schon „deliktisch“ verhalten und dabei sorglos mit den Schultern zucken? „Et hätt noch emmer joot jejange“ is zwar ein herrlicher Spruch, doch man braucht schon ein starkes Rückgrat, um sorglos zu bleiben.

Black Mirror Arkangel: Wenn Kinder mit Überwachungschip älter werden…

Über Eva Ihnenfeldt

Als Expertin für Social Media Marketing berät und begleitet Eva Ihnenfeldt Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien - und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Eva Ihnenfeldt - Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: e.ihnenfeldt@gmail.com

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