Charakterprüfung durch Gesichtserkennung mit KI: Rückkehr zur Psycho-Physiognomik?

Gibt es Zusammenhänge zwischen physiologischen Gesichtsmerkmalen, Charakterzügen und Persönlichkeitseigenschaften? In den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts gelangte in vielen Ländern die Wissenschaft der Phrenologie (Schädelvermessung) und Physiognomik (Körpermerkmale und Gesichtszüge) zu massenhafter Blüte – als Wissenschaften, die anhand der äußerlichen Merkmale eines Menschen in der Lage ist, sowohl geistige als auch charakterliche Eigenschaften zu bemessen. Nach 1933 wurden in Deutschland unzählige Menschen vermessen, um Rasse, Intelligenz und Charakter zu prüfen und zu klassifizieren. Nach dem verlorenen Krieg galt bis in die jüngste Vergangenheit, dass so eine abscheuliche Pseudowissenschaft nie wieder zu neuem Ruhm kommen darf. Doch nun wird es tatsächlich dank Künstlicher Intelligenz wieder salonfähig, im Auftrag von Polizei (Exekutive), Psychologie (Medizin) – und vielen anderen Interessensgruppen rund um das „Humankapital“ Gesichtzüge überprüfen zu lassen, um auf den Charakter und die Leistungsfähgikeit zu schließen.

Gesichtszüge im Bewerbungsprozess

Bild von myshoun auf Pixabay

Wird schon heute bei der Suche nach fähigen Mitarbeitern die Unterstützung von Künstlicher Intelligenz hinzugezogen, um Bewerber auf ihre Eignung für die ausgeschriebene Stelle zu überprüfen? Laut einer Studie der University of Pennsylvania ist es möglich, Persönlichkeitsmerkmale anhand von Gesichtsmerkmalen zu klassifizieren. Zum Beispiel können über bestimmte Gesichtsmerkmale Aussagen getroffen werden zu Eigenschaften, die mit beruflichem und finanziellem Erfolg in Verbindung stehen. Offenheit und Vertrauenswürdigkeit sind ebenfalls Merkmale, die anscheinend buchstäblich im Gesicht geschrieben stehen sollen.

Humankapital

Die Forscher/Innen haben bei der Studie den Schwerpunkt gesetzt auf das individuelle Humankapital des einzelnen Menschen, einer Kombination aus kognitiven Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmalen. Die Analyse beruht im Westenlichen auf dem Big 5 Persönlichkeitsmodell, das sich begründet auf ein Zusammenspiel von Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus.
Hier geht es zum Big 5 Persönlichkeitstest der Universität Leipzig

Nicht nur für die Bewertung von potentiellen Mitarbeitern wird zunehmend KI-Gesichtserkennung genutzt, auch im Interesse der öffentlichen Sicherheit wird das Thema Physiognomie und biometrische Gesichtserkennung immer bedeutender im Strudel der kulturreichen Massen-Städte. In den USA prüft man beispielsweise Führerscheine anhand von Gesichtserkennung – und die britische Metropolitan Police hat kürzlich eine Rekordzahl an Festnahmen gemeldet, die durch den Einsatz KI-basierter Systeme möglich wurden.

Deutschland

Trotz der strengen Regeln in Bezug auf informelle Selbstbestimmung und das Recht auf Privatsphäre wird auch in Deutschland die Identifizierungsmethodik der automatischen Gesichtserkennung eingesetzt – Vorreiter sind etwa Pilotprojekte der Frankfurter Polizei, die rund um den Frankfurter Bahnhof Künstliche Intelligenz einsetzt, um die dort verkehrenden Personen flächendeckend identifieren zu können. Ob die Kameradaten auch genutzt werden, um Persönlichkeitsmerkmal zu klassifizieren, ist bisher nicht bekannt geworden. Die Zwanziger, Dreißiger und Vierziger Jahre mit ihrer bestialischen Rassenvermessung wieder aufleben zu lassen, könnte ein verheerender Schritt in Richtung Totalitarismus, Ausgrenzung von gewissen Bevölkerungsgruppen und Abschaffung der freien Meinungsvielfalt sein. KI ist Fluch und Segen – möge das Ganze nicht in absoluter Überwachung enden…

t3n vom 10.11.2025: Gesichtserkennung – Wie KI in Zukunft darüber entscheiden könnte, wer eingestellt wird

Seit über zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Manager/Innen. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

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