Wohl jeder hat schon einmal gehört, man müsse das eigene Mindset ändern, um sich hin zum Erfolg in allen Lebensbereichen zu programmieren. Dieser Anspruch an das Mindset hat sich durch den digitalen Wandel gebildet – zwischenzeitlich ist der Begriff sogar in den Duden aufgenommen worden. Als Synonyme für „Mindset“ beschreibt der Duden folgende Begriffe: Anschauung, Blickwinkel, Denkweise, Einstellung, Mentalität. Können und wollen wir Menschen tatsächlich über ein neu programmiertes Mindset unser Leben hin zu Erfolg und Glück verändern? Welchen Preis zahlen wir dafür?
Agiles Mindset
In Unternehmen haben sich die Arbeitsstrukturen dank des digitalen Wandels sehr verändert. Heute müssen Unternehmen und alle anderen Systeme agil agieren und reagieren, um den rasend schnellen Veränderungsprozessen gewachsen zu sein. Agilität bedeutet“: Von großer Beweglichkeit zeugend, regsam und wendig“.
Der amerikanische Soziologe Talcott Parsons hat hierfür schon im Jahr 1951 vier Funktionen identifiziert, die ein System braucht, um sich bei ständig verändernden Bedingungen zu erhalten: 1. Adaption: die Fähigkeit zur ständigen Anpassung pflegen 2. Goals (Ziele) definieren und verfolgen 2. Inklusion (Zugehörigkeit) leben 4. Grundlegende Strukturen und Wertmuster langfristig sicherstellen (Latency). Aus diesen vier Prinzipien entstand der Begriff „agil“.
Growth Mindset

Um erfolgreich zu leben, sollten die Menschen nach Ansicht der Mindset-Anhänger wachstumsorientiert ausgerichtet sein, sollten bei Fragen und Herausforderungen den Willen zur Problemlösung in sich tragen, wissensdurstig sein und kritisches Feedback als Quelle zur Weiterentwicklung begreifen.
Fixed Mindset
Verpönt hingegen ist das starre Mindset, das mit einer statischen Denkhaltung, mit dem Glauben an angeborene Fähigkeiten, die Kopplung von Motivation und Belohnung und an Bestrafung von Fehlern – zum Beispiel durch Abwertung der Person – glaubt und lebt.
Agiles Mindset: Gut oder schlecht?
Wie heißt es so schön: „Ein Messer ist ein tolles Werkzeug, kann jedoch auch eine verheerende Waffe sein.“
Ich war hier im Ruhrgebiet ab 2004 mit der Web 2.0 Szene verbunden, als die Digital-Nerds noch Menschen waren, die überzeugt waren vom bahnbrechenden Cluetrain-Manifest, welches 1999 den Grundstein legte für die Open Source Community, die den gewinnorientierten Interessen der mächtigen Online-Konzerne wie Microsoft etwas entgegensetzte mit kostenlosen, leicht bedienbaren, weltweit idealistisch getragenen, gemeinsam programmierten Projekten wie Mozilla, Wikipedia, WordPress – und an erster Stelle Linux.
Wikipedia zum Cluetrain-Manifest von 1999:
„wir sind keine zielgruppen oder endnutzer oder konsumenten. wir sind menschen – und unser einfluss entzieht sich eurem zugriff. kommt damit klar.“
Das war so ganz nach meinem Geschmack. In Deutschland bildete sich die Piraten-Partei, die für Basisdemokratie und Meinungsfreiheit stand. Ich hielt begeisterte Vorträge zum Wertewandel dank Web 2.0, wo Sender und Empfänger auf eine Stufe kommen, ich ging zu BarCamps, auf denen sich bloggende Sozialhilfe-Empfänger mit erfolgreichen Geschäftsführern austauschten und gemeinsame Projekte durchführten. Es war herrlich – eine Hippie-Bewegung aus jungen Männern mit karierten Hemden und Brillen, bewaffnet mit Laptops, die in der Schule Chemie, Physik und Mathematik als Lieblingsfächer hatten.
Diese Zeit ist vorbei. Unternehmen haben gelernt, die Anfangsideen der „Hippie-Techszene“ für sich umzufunktionieren. Das agile Growth Mindset setzt Mitarbeiter immer mehr unter Druck, da sie sich nicht weiter an ihre starren Arbeitsbedingungen und Arbeitnehmer-Rechte klammern sollen. Nicht nur die IT-Mitarbeiter sollen agil arbeiten – die Optimierung des AGIL-Mindsets in Richtung Anpassung, Zielverfolgung, Inklusion und Gemeinschafts-Wertesystem erleben wir auf allen Ebenen – von der Politik bis zu der Neuausrichtung der Wirtschaft.
Gut oder schlecht?
Ich habe in meinem Leben gelernt, dass alles neu entstehende Ideal in Nullkommanix von Profiteuren übernommen und integriert wird. Geld regiert die Welt, im Kleinen wie im Großen. Aaaaaber: Auch diese gelungenen Inklusionen von Idealisten ins System (siehe die Entwicklung der sozialistischen Gesellschaften) kippen irgendwann. Ich bin sehr optimistisch, dass die neue Religion der Mindset-Coaches schon bald ihr Ende finden wird und die Menschen keine Lust mehr haben, ihr innerstes Seelenleben zu „optimieren“ in dem Glauben daran, dass sie dadurch reich und glücklich werden.
6 Regeln von Anthony Robbins – dem US-Star im Bereich „Spitzenleistungen erzielen“
Ich gestehe, dass auch ich von dem Bestseller „Grenzenlose Energie“ aus dem Jahr 1986 damals regelrecht elektrisiert wurde. Und auch das hier eingebettete Video mit Tony Robbins 6 Regeln tut mir gut, um meinen Glauben an mich selbst und meine Bereitschaft, für meine inneren Ziele vor „Wände zu schlagen“, zu stärken.
Hier die 6 Regeln zusammengefasst:
1. Standards erhöhen: „Sollen“ zum „Müssen“ erklären. Verbrenne die Schiffe, wenn Du die Insel erobern willst
2. Das Leben ist zu kurz zum Leiden: 90 Sekunden-Regel: Bei aufkommenden Stress-, Sorgen-, Problem-Gedanken sich sagen: „Das Leben ist zu kurz zum Leiden“ Dann langsam atmen. So kann man das Muster unterbrechen
3. Weiterentwicklung macht glücklich: Lernen, wachsen, Verantwortung übernehmen. Sich verändern passiert dadurch automatisch
4. Lernen aus Niederlagen: Suche nicht nach den leichten Wegen. Je härter Du um Deine Ziele kämpfst und Niederlagen erfährst, desto bedeutender ist der Erfolg Deiner Weiterentwicklung
5. Glaub an Dich: Glaube an Deine Potenziale. Wenn Du Dich in einen Zustand der Sicherheit versetzt, dass es funktioniert und dass Du einen Weg finden wirst, steigern sich Deine Erfolge, weil Du an Deine Potenziale glaubst.
6. Gib alles: „Schlag so lange auf eine Wand ein, bis sie zusammenbricht. So kommst Du auf das nächste Level.“ Du musst nur 2 Millimeter weiter sein als alle anderen. Gib nicht auf – gib alles. (Meine Lieblingsregel)