Die heutige Wissenschafts-Szene ist weitgehend der Überzeugung, dass die Realität eines jeden Menschen ausschließlich in seinem Gehirn produziert wird, gefüttert von Sinneseindrücken, Erinnerungen, Gefühlen, Urteilen. Im Eigentlichen besteht die von uns benannte Welt nur aus Frequenzen, Wellen, Atomen – und vielleicht sogar lauter Paralleluniversen
zeit.de: Woher wissen wir, was Realität ist?
Was es allerdings gibt, ist die Sehnsucht nach Wahrheit, Wirklichkeit, Verlässlichkeit und übereinstimmenden Interpretationen mit einem In-Kreis von Menschen. Mag es die Familie sein, die Nation, der Freundeskreis, der gesellschaftliche oder berufliche Zusammenhalt – Wahrheit hat nicht viel zu tun mit faktenbasierter Überprüfbarkeit – Wahrheit ist das, was uns befähigt, unseren Weg weiterzugehen.
Ich selbst verändere ständig das, was ich für „die Wahrheit“ halte. Sobald ich neue Informationen bzw. Eindrücke bekomme wie gestern, als ich Flüchtlingsheim erfuhr, dass fast alle, die dort Asyl beantragt haben, arbeiten gehen, konstruiert mein Gehirn blitzschnell um: ‚Aha, sie kommen gar nicht wegen Bürgergeld – sie kommen so, wie damals meine Ahnen ins Ruhrgebiet kamen – als ganz normale Wanderarbeiter, die aus Armutsgründen eingewandert sind.‘

Dann meine Wahrheit über den Islam! Da ich zurzeit aus beruflichen Gründen so viele Menschen kennenlerne, die aus islamischen Ländern kommen, habe ich die letzten Wochen mal Einiges von Mohammeds Leben und aus dem Koran gelesen und gehört. Das war ja fortschrittlicher als das Neue Testament! Mohamed hat klar gesagt, dass alle Wesen gleichberechtigt sind: Mann, Frau, sogar Tieren wie dem Kamel werden im Koran Rechte zugestanden. Nicht wie bei uns in den Paulus-Briefen, wo der Mann über der Frau steht. Wörtlich“ wie Jesus über der Gemeinde“. Da musste meine Mutter noch bitter drunter leiden. Man Vater hat ihr tatsächlich laut Gesetz verbieten können, arbeiten zu gehen.
Wie sich das dann in den verschiedenen Kulturen weiterentwickelt hat, ist ein ganz anderes Kapitel. Ebenso wie in christlich geprägten Ländern haben wahrscheinlich alle gesellschaftlichen Obrigkeiten Religion als Belohnungs- und Drohmittel genutzt, um ihre Macht zu stabilisieren und auszuweiten.
Wahrheit ist ein Konstrukt
Ich habe also aufgehört, Menschen aufgrund ihres kulturellen Hintergrundes, ihres Geschlechts, Alters oder ihres Bildungsgrades einzustufen. Überall auf der Welt sind die, die mit mir kompatibel sind und die, die in ganz anderen „Wahrheiten“ leben, kunterbunt verteilt.
Instinkt und Intuition
Debatten über Politik und Glauben bringen mich ebenfalls nicht weiter. Was mich zu meiner erwünschten Realität leitet, sind eher mein Instinkt und meine Intuition. Hier einige Tipps aus Evas Wunderland: Wen und was konstruiere ich für meinen persönlichen Wahrheitsreich?
- Ich achte in jedem Augenblick auf Harmonie. Man könnte auch sagen, auf Kongruenz bei dem, was ich sinnlich wahrnehme, spüre, interpretiere, und was um die Situation herum „zufällig“ passiert. Oder noch mal anders: Ich lebe wie ein Hund. Wo es gut riecht, da gehe ich hin, wo es schlecht riecht, da gehe ich weg
- Ich bemühe mich darum, stets furchtlos für mich selbst einzustehen. Das wird von Tag zu Tag immer leichter. Liegt wohl an meinem Alter: Was soll schon passieren? Die paar Jahre krieg‘ ich auch noch ‚rum.
- Ich liebe die schillernden Wahrheiten der unzähligen Menschen, mit denen ich Kontakt komme. Da ich durch meine Lebensweise sehr viele Begegnungen habe, kann ich mir den Luxus leisten, zu staunen statt zu urteilen. Es ist ein solches Abenteuer, mit Fremden im Kontakt zu kommen! Da ich meine Begeisterung für Menschen anscheinend ausstrahle, sprechen mich auch privat häufiger Wildfremde an (oder ich sie) – und wir kommen in richtig tiefe Gespräche – Smalltalk gibt es mit einer Eva nicht…
- In meiner Realität habe ich eine Seelenfamilie, die „von oben“ aus gern Eva-TV guckt. Ich weiß nicht, aus welchen Charakteren sie besteht, aber ich weiß, dass sie mich beschützt und dass sie mir in Bedrohungen liebevoll Zeichen sendet.
Samstag zum Beispiel ging plötzlich das Internet nicht, als ich gerade einen sehr persönlichen Podcast hochladen wollte. Irgendjemandem „da oben“ schien das zu gewagt zu sein. Lang genug funktionierte die Verbindung nicht – und nachdem ich die Botschaft verstanden hatte, habe ich brav einen zweiten Podcast auf Band gesprochen. Den konnte ich dann problemos hochladen. Später dachte ich dann: Puh, da hast Du wirklich unverschämtes Glück gehabt mit dem Internetausfall. Das war wirklich riskant…



