Ein glückliches Leben führen – wird es immer schwieriger?

Heute früh hatte ich ein seltsames Erlebnis: Ich war zur halbjährlichen Zahnreinigung bei meinem Zahnarzt und erlebte die medizinische Fachkraft regelrecht außer sich. Sie erzählte mir von allen möglichen Umständen, die sie kaum noch verkraften könne. Besonders durch die lange Zeit der Corona-Pandemie haben sich dermaßen viele Erschwernisse ergeben – beruflich wie familiär – dass sie sich einfach nur noch nach ihrem Ruhestand sehnt in einigen Jahren. Irgendwann fragte ich sie mit Blick aus dem Fenster und Blick auf die City : „Was glauben Sie? Wie viel Prozent der Einwohner unserer Heimatstadt führen ein glückliches und erfülltes Leben?“ Sie antwortete im Brustton der Überzeugung: „2 Prozent“.

Auf dem Weg nach Hause traf ich meine Nachbarin (alleinerziehende Mutter, Friseurin in einem Friseursalon) und fragte sie dasselbe. „Was meinst Du? Wie viel Prozent der Einwohner unserer Heimatstadt führen ein glückliches und erfülltes Leben?“ Und sie antwortete ohne Zögern: „Also ich auf jeden Fall. Und überhaupt – Ich schätze Fifty-fifty“.

Und so dachte ich nach, was wohl die Kriterien sind für ein erfülltes, glückliches Leben. Ich selbst gehöre ebenfalls zu den vom Glück Begünstigten (zumindest noch… man weiß ja nie, wie lange es hält…), meine Kinder und deren Familien scheinen auch dazuzugehören, und in dem Mietshaus, in dem ich lebe, würde ich ebenfalls auf mindestens fünfzig Prozent tippen. Unglücklich ist vor allem ein älterer Nachbar, der sich immer schlechter bewegen kann und der als Single sehr unter der Corona-Isolation gelitten hat.  

Beruflich erlebe ich viele Traurige, Verzweifelte, Verängstigte, Hoffnungslose, Problembeladene, und was soll ich sagen: Ich liebe sie alle. Ich verstehe sie, verstehe, warum es so schwierig ist, sich „am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen“. Von außen wirkt es so leicht, und einige leiden vor allem daran, dass ihre Umgebung meint, sie müssten sich nur zusammenreißen. Das ist aber nicht so! Auch meine liebe Zahnarztfachkraft, die ich schon so viele Jahre kenne, ist nicht einfach nur „verwöhnt“, wenn sie an ihrer Belastung leidet. Sie steht kurz vor dem Burnout – und das ist wahrlich eine gefährliche Krise. Ich habe einmal eine Liste zusammengestellt, woran man ein „erfülltes, glückliches Leben“ erkennt:

Kriterien für ein glückliches, erfülltes Leben

– Ich habe die richtige Balance zwischen Arbeit und Entspannung, Gemeinschaft und Ruhe – gebraucht werden und für mich da sein können
– Ich fühle mich geliebt, geborgen, sicher und wichtig
– Ich erhalte Anerkennung und angemessene Gegenleistung für das, was ich leiste
– Ich lebe im Wohlstand, meine Kinder und deren Kinder auch. Mein Umfeld ist ohne materielle Sorgen und kann sich ein bisschen etwas leisten
– Ich schaue mit Zuversicht und Optimismus in die Zukunft
– Ich habe eine Familie, auf die ich mich in der Not verlassen kann
– Ich weiß, dass ich wertvoll bin
– Mein gesundheitlicher Zustand ist qualfrei

Selbstverständlich ist es subjektiv, ab wann man das eigene Leben als glücklich und erfüllt versteht. Man kann es nicht in Fakten messen, es liegt tief in uns verborgen! Reisende Westler erzählen, wie sehr sie die Lebensfreude der sehr armen Dorfbewohner in einem schwarzafrikanischen Land begeistert hat. Doch ich weiß aus Erfahrung mit Coachees aus fernen Ländern und Kulturen, dass nach außen gestellte Fröhlichkeit auch eine Überlebensstrategie sein kann, wenn man in großer Bedrohung lebt. Man hat gelernt, zu lachen – auch wenn es noch so schwerfällt…

Der World Happiness Report zeigt auf jeden Fall auch im Jahr 2022, dass die wohlhabenden Länder mit hoher sozialer Verantwortung ganz oben stehen auf der Glücksskala – und dass die Bewohner der unglücklichsten Länder auch allen Grund haben, tief unglücklich zu sein…

GlobalCitizen vom 22. März 2022 – Die zehn glücklichsten und unglücklichsten Länder der Welt 2022

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

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