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Soll man Bettlern Geld geben? Meine persönliche Lösung… 0

Ich bin mehrmals wöchentlich aus beruflichen Gründen in Innenstädten und Bahnhöfen des Ruhrgebiets unterwegs. Jedes Mal sprechen mich Menschen an, die um Geld bitten. Andere sitzen in der Fußgängerzone, verkaufen Straßenmagazine oder stehen an Supermärkten bei den Einkaufswagen. Seit Jahren verweigere ich konsequent jede Hilfe. Zum Einen, weil ich unsicher bin, wie viel von mir erwartet wird, zum Anderen, weil es ganz einfach zu viele sind.

Würde ich jedem/r Bettelnden ganz gerecht einen Euro geben, wären das beim Gang durch die City Dortmunds mindestens zehn Euro. Das ist mir zu viel. Selektieren finde ich unpassend. Wonach? Äußerem Erscheinungsbild? Rasse? Geschlecht? Alter? Sympathie? Begleit-Hund? Das kann ich nicht. Will ich nicht. Isso.

Auch möchte ich nicht jedes Mal mein Portemonnaie zücken und nachschauen, ob ich überhaupt passendes Kleingeld habe. Was wenn nicht? Portemonnaie wieder einstecken und bedauernd weiterziehen? Also Erwartungen enttäuschen, nachdem ich umständlich Minuten lang herumgekramt habe? Oder einen Geldschein geben? Oder 5 Cent? Ne, das ist mir zu riskant und ich gehöre nicht zu den Leuten, die immer wissen, was sie an Geld bei sich tragen.
Doch nun habe ich (hoffentlich) eine gute Lösung gefunden:

Das Münzenbeutelchen

Schon lange haben mein Partner und ich ein Kästchen direkt an der Wohnungstür platziert für Paketboten. Dort sammeln wir 1-Euro-Münzen. Kommt ein Paket, kann man in Sekundenschnelle die Münze greifen und dem Paketboten ohne Zeitverlust entgegeneilen.

Als ich gestern in der S-Bahn einen entsetzlich entstellten älteren Bettler beobachtete, der schüchtern einen Fahrgast um ein paar Cent bat (ich fühlte mich an den heiligen Franziskus erinnert, der sich mit den ausgestoßenen Lepra-Kranken verbrüderte und sein reiches Elternhaus dafür verließ und hatte ein richtig schlechtes Gewissen), überlegte ich, wie ich die Lösung mit dem Kästchen an der Wohnungstür auf meine Touren durch Innenstädte übertragen kann.

Heute habe ich ein hübsches Lederbeutelchen gekauft, das ich an meiner Handtasche befestigen kann. Die Kassiererin wechselte mir noch fünf Euro in Fünfzig-Cent-Münzen, die ich direkt in dem Beutelchen verstaute. Die Kette am Schlüsselring ist lang genug, um den Beutel in der Tasche bequem zu verstauen. 50 Cent finde ich genau richtig, das tut mir nicht weh – und es ist nicht so wenig wie 20 Cent…

Wem will ich nun 50 Cent geben auf meinen Wegen?

Ich will nur Menschen 50 Cent geben, die mich aktiv angesprochen haben. Man schaut sich in die Augen und nimmt echten Kontakt auf. Für ein paar nette Worte reicht die Zeit. Es findet eine Begegnung statt. Auch wären es mir ohne  diesen Filter einfach zu viele Bedürftige. Gerade in Dortmund ist die Situation extrem. Flaschensammler, in Schlafsäcken Campierende, Straßenzeitungs-Verkäufer, Menschen mit Behinderungen, alte Frauen die an Straßenbanden erinnern, Süchtige, Straßenmusiker… nee, ansprechen muss man mich schon, sonst gehe ich weiter. Isso.

Falls mir Jemand meine Lösung nachmachen will: Die Lederbeutel mit Kette und Schlüsselring gibt es in Kaufhäusern da, wo Portemonnaies sind. Keine Ahnung, wofür sie ursprünglich gedacht sind. Für Schlüssel sind sie definitiv zu klein. Übrigens: Auch für Parkmünzen kann so ein Beutel praktisch sein – jaja, ich weiß, ich bin voll der Egoist. Isso.

Möge dieses reiche Land irgendwann soweit sein, dass auch die Ärmsten unserer Gesellschaft nicht mehr auf Flaschensammeln angewiesen sind (ach ja, leere Flaschen und Dosen nach Möglichkeit AUF den Abfalleimer stellen, damit die Flaschensammler sie bequem einstecken können.)

Love an Peace
Eva

 

Über Eva Ihnenfeldt

Als Expertin für Social Media Marketing berät und begleitet Eva Ihnenfeldt Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien - und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Eva Ihnenfeldt - Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: e.ihnenfeldt@gmail.com

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