Überzeugungstäter – Für was würdest Du Dein Leben geben?

Was für eine tiefgründige, philosophische Frage: Für welches Ideal wäre ich bereit, mein Leben zu geben? Welche tief in mir verankerte sittliche oder ethische Norm würde übermenschliche Kräfte in mir wecken? In der Justiz ist der Begriff „Überzeugungstäter“ Anfang des 20. Jahrhunderts geprägt worden für Straftäter, die aufgrund ihrer Ideale zu solchen werden – von Sophie Scholz im Widerstand gegen den Nationalsozialismus bis zu Ulrike Meinhof als Mitgründerin der RAF reicht die Bandbreite, bei der Richter in ihre Urteile einfließen lassen, ob eine Straftat aufgrund von Überzeugungen und Idealen ausgeführt wird: religiös, politisch oder sittlich/ethisch. In Autokratien werden Überzeugungstäter so früh wie möglich unschädlich gemacht (siehe China und das Massaker 1989 auf dem Platz des himmlischen Friedens), in Demokratien berücksichtigen Gerichte häufig die ideellen Überzeugungen strafmildernd.

Für wen oder was würde ich mein Leben geben?

In der Regel antworten Menschen auf diese Frage „Für meine Familie“, oder spezifischer „Für meine Kinder und Enkelkinder“. Hätten wir diese Urinstinkte nicht, wäre die Menschheit sicher schon lange ausgestorben. Auch viele Tierarten haben den Instinkt, sich für ihren Nachwuchs oder auch für ihren Partner zu opfern.

Doch gibt es in Dir oder mir auch Ideale, für die wir unser Leben geben würden? Ich selbst muss zugeben, dass ich kein opferbereiter Idealist bin. Ich passe selbst religiöse Überzeugung durchaus meinen Interessen an, spätestens, seit ich erwachsen bin.

Politische Überzeugungen hatte ich bis in die Achtzigerjahre (rot/grün), doch diese ließen mit der Zeit nach. Mir wurde klar, dass meine politischen Überzeugungen davon abhängig sind, in welchen Positionen ich mich befinde: Angestellte, alleinerziehende Mutter, Unternehmensgründerin, Freelancer, Großstädterin im Ruhrgebiet, Rentnerin, Menschenbegleiterin…

Jeder Mensch versucht, seine eigenen Interessen mit einer rahmengebenden Zukunft zusammenzubringen, die ein glückliches, gesichertes Leben ermöglicht. Und doch sind „Überzeugungstäter“ in ihrer opferbereiten Leidenschaft entweder politisch, religiös oder moralisch/sittlich geführt. Verrückt, oder?

Opferbereit aufgrund ethischer Ideale?

Überzeugungstätern geht es nicht um den Profit, und auch nicht um die „Erhaltung des Familienclans“ – sondern um Religion, Politik oder Sitte/Moral. Bei den Idealisten und ethisch Motivierten unterscheiden wir zwei Gruppen: die Überzeugungstäter und die Fanatiker.

Überzeugungstäter: Sind bereit, aufgrund ihrer inneren Überzeugung Handlungen zu begehen, die ihnen persönlichen Schaden zufügen können. (beruflicher Ruin, finanzieller Schaden, Gefängnis, Ächtung …) Sie sind aufgrund ihrer Überzeugung fähig, gegen Vorschriften zu verstoßen und womöglich sogar Straftaten zu begehen. Überzeugungstäter bleiben jedoch dialogfähig. Sie sind Gegenargumenten zugänglich und haben keinen Wunsch, gegenüber Andersdenkenden bzw. anders Gearteten gewalttätig zu werden.

Fanatiker sind in ihrer tiefen, festen, inneren Überzeugung getrieben von einem leidenschaftlichen Enthusiasmus, der auch gewalttätige Aktionen gegen Andersdenkende (oder anders Geartete) positiv gegenübersteht. Fanatiker können Gewalt unterstützen oder womöglich selbst ausführen. Fanatiker sind unfähig zur Verständigung im Diskurs.

Gesellschaften spalten sich

Wir leben in einer Zeit, in der sich überall auf der Welt Gesellschaften aufspalten. In den USA wie hier in Europa gibt es harte Kontroversen zwischen den unterschiedlichen politischen und sittlich/moralischen Lagern. Religiös motivierte Überzeugte und Fanatiker kommen hinzu.

Ich selbst lerne gerade, durch tägliche Übung Gleichmut und Verständigung zu entwickeln, auch gegenüber Mitmenschen, die zu „anderen Lagern“ gehören. Und siehe da, es geht!

Meine Empfehlung: Jeder möge sich bemühen, darauf zu achten, ob er den politisch/ethisch/sittlich Andersartigen Respekt und Freundlichkeit entgegenbringen kann.

Gerade wir Deutschen haben im Nationalsozialismus erfahren, was es bedeutet, wenn ein ganzes Volk sich leidenschaftlich hinter seine Obrigkeit stellt und mit Gewaltfantasien und aktiven Handlungen Feindbildern glaubt. Ich wünsche mir eine Zukunft ohne Fanatiker.

Überzeugungstäter – OK (vielleicht werde ich ja auch mal einer, 2020/21 war ich knapp dran, zu Montagsdemos gehen zu wollen), doch es war mir nicht wichtig genug, um persönliche Nachteile in Kauf zu nehmen. Stattdessen habe ich mich sogar viermal  impfen lassen – Hauptsache, ich konnte shoppen, essen gehen und arbeiten …

Also noch mal die Frage: Für welchen Glauben, ob religiös, moralisch oder politisch ideologisch, könntest Du zum Straftäter oder Lynchfreund werden? Wem würdest Du Bestrafung bis zu einem möglichst schrecklichen Tod gönnen? Oder bist Du frei von Ideologien? Helmut Schmidt soll gesagt haben „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen“. Langsam glaube ich, der Mann hat recht.

Quelle Deutschlandfunk: Für was würden Sie Ihr Leben geben?

Eva Ihnenfeldt: Superhelden-Coaching – Deine Traumwelt, Deine Kraft Was wäre, wenn wir frei und selbstbestimmt unsere eigenen Interpretationswelten bauen? Abseits von Religionen und Ideologien als Regisseure unserer Realität? Das ist mein Job: Gemeinsam mit meinen Klienten gestalten wir Visionen und Realität neu. [email protected]

steadynews.de

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