Unterschied „Ego“ und Selbstliebe – endlich verstanden!

Wer mich kennt weiß, dass ich mich bei jeder Gelegenheit – oft genug wie ein Prahlhans – als überzeugten Egoisten bezeichne. Ich konnte nie verstehen, warum „Ego“ als etwas Negatives bewertet wird. Ist es nicht gut, sich selbst zu lieben? Bedeutet es nicht Freiheit, Ehrlichkeit und Handlunsautonomie, die eigenen Bedürfnisse an erste Stelle zu setzen? Nun endlich habe ich begriffen, was das Falsche am „Ego“ ist: unser Ego ist fremdbestimmt, anerzogen, entspricht Rollenmustern, die wir erfüllen wollen um geliebt und anerkannt zu werden.

Selbstliebe ist frei von solchen Rollenerwartungen und Fremdbestimmungen. Selbstliebe ist bewertungsfrei und nichtmoralisch. Darum hat Jesus gesagt „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“.

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay 

Jahrzehntelang bildete ich mir ein, ich würde mich selbst bedingungslos lieben. Doch da schwang viel Trotz und Traurigkeit mit. So nach dem Motto „Dann bin ich eben eine egoistische Täterin. Mir doch egal. Täter und Verbrecher muss es auch geben. Ich steh dazu. Verurteilt mich, werft mich auf den Scheiterhaufen – ich füge mich nicht: Ich bin ich“.

Erst vor Kurzem habe ich anfangen können, diesen Selbstbetrug zu erkennen. Meine Selbstliebe war durchdrungen von den Schuldgefühlen meines Egos. Mein Ego wollte ein guter Mensch sein, altruistisch und aufopfernd, wollte retten und glücklich machen. Mein Ego hat mich selbst verurteilt, weil ich kein guter Retter bin. Immer wieder habe ich Menschen im Stich gelassen, wenn ich unglücklich wurde in meiner Retterrolle, wenn ich mich selbst verlor als Tochter, Mutter, Freundin, Mitstreiterin oder Geliebte.

Ich will weiterhin als Unkalkulierbare durch die Welt ziehen, weil ich so bin. Die Einen sind Heiler, die Anderen Krieger, die Dritten Richter oder Könige, Bauern, Dienende oder Priester, Umstürzler oder Bewahrer. Jede Seele hat ihre Berufung, und die meine ist Wanderin zwischen den Welten. Ich schlüpfe rein in eine Rolle – und ich schlüpfe hinaus. Bin eben Fisch. Manchmal mag ich retten, und manchmal mag ich vor den Kopf stoßen, manchmal mag ich Heimat geben, manchmal mag ich verlassen.

Mein Ego hab ich lieb, weil es sich so tapfer bemüht, mich mit diesen wirksamen Schuldgefühlen zu erziehen. Aber ich werde nicht länger akzeptieren, mir ein schlechtes Gewissen einreden zu lassen wegen meiner Untreue. „Gönnen können“ ist mein Schlüssel, und so wie ich mir selbst meine Unverschämtheiten gönne, gönne ich sie als meinen Mitmenschen.

Nur wenn ich mich selbst frei von Bewertungen liebe, liebe ich auch den Rest der Menschheit frei von Bewertungen. Und mein Ziel ist es, in meinen Mitmenschen ihren Persönlichkeitskern erkennen zu können. Frei von Bewertungen ihre Seele schillern und leuchten zu sehen. Abenteuer zu haben mit ihnen, mutig zu sein und entschlossen im geschwisterlichen Miteinander. Weil das noch viel mehr Spaß macht als Netflix gucken. Und weil ich nicht mehr so lange habe auf diesem Planeten. Ich will nichts mehr verpassen. Keine Minute soll umsonst sein.

Liebes Ego, ich danke Dir für all Deine Bemühungen, aus mir ein gutes Werkstück zu machen. Ich war immer und immer wieder eine Enttäuschung für Dich mit meiner Widerspenstigkeit. Drum gehe nun einfach in den Ruhestand und vertrau mir ein bisschen. Auch ohne Schuldgefühle und Verträge bin ich ganz ok, wirst schon sehen….

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

steadynews.de

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