Wie verliert man die Angst vor Mangel und Tod?

Gestern kam meine erste Lieferung von Flaschenpost. Die vielen Getränke lösten bei mir regelrechte Glücksgefühle aus. Vergleichbar mit dem Glücksgefühl nach dem Tanken oder dem Glücksgefühl mit meinem Monatsticket. „Jetzt bist Du sicher, jetzt hast Du genügend Vorrat“. Auch kenne ich so einige Menschen, die gerade Grund- und Nahrungsmittel horten, um für Notzeiten gerüstet zu sein. Doch ist es wirklich so hilfreich, dem Urinstinkt des vorratssammelnden Tieres in uns zu folgen?

Bild von IvaCastro auf Pixabay 

Kann es nicht ein, dass die Empfehlung von Jesus, Sammeln und Geizen durch kindliches Vertrauen zu ersetzen, sinnvoll ist? Kann es sein, dass die Tendenz der jungen Generationen, auf Besitz zu verzichten, nicht nur ethisch wünschenswert ist, sondern auch im eigenen Interesse klug? Und wenn es so sein sollte, wie kann man Vertrauen lernen?

Junge Menschen sind unsterblich

Je jünger ein Mensch ist, desto leichter fällt es ihm, auf Besitz und Vorsorge zu verzichten. Ich kenne sehr gut die Überzeugung, unsterblich zu sein. Erst um meinen 50. Geburtstag herum habe ich begriffen, dass ich sterblich bin und dass ich sterben werde.

Junge Menschen träumen nicht selten von einem Leben als digitaler Nomade. Sie leben gerne in Wohngemeinschaften, teilen sich, was sie gerade brauchen und sind auf den nächsten Moment ausgerichtet. Für ihre Eltern ist es schwer, das zu akzeptieren. Vor Allem, wenn auch die berufliche Zukunft als unwichtig gesehen wird, steigern sich die Sorgen der Erwachsenen: „Was soll nur aus Dir werden!“

Alte Menschen werden sterblich

Ältere Menschen achten oft auf ihre Gesundheit. Sie gehen zu Vorsorgeuntersuchungen, nehmen Nahrungsergänzungsmittel, achten auf ihre gesunde Lebensführung. Gleichzeitig wächst der Wunsch, Vorräte anzulegen. Am liebsten hätten viele, ihr Vermögen und ihr Besitz würden bis zum Ende des Lebens reichen. Es sei denn, sie sehen ihre letzte Lebensphase in der Geborgenheit der Familie. Auch versuchen viele älter Werdende, sich durch „gute Taten“ und Geldzuwendungen bei ihren Kindern Dankbarkeit zu sichern.  Doch das gelingt immer seltener. Kinder ziehen in die weite Welt. Immer weniger nehmen ihre pflegebedürftigen Eltern zu sich.

Warum sorget Ihr Euch?

Gleichzeitig verändert sich die Welt immer rasanter. Besitz wird fragil, Geld wird fragil, Arbeitsplatz und soziale Sicherheiten werden fragil. Können wir von den jungen Menschen lernen, uns von der Absicherung der Zukunft zu verabschieden und sorglos zu leben wie die Vöglein unter dem Himmel und die Lilien auf dem Felde?
Matthaeus-Evangelium 6:26 – „Sehet die Vöglein…“

Und der liebe Gott ernährt sie doch

Ich selbst bin hin- und hergerissen zwischen Vertrauen und Vorratshaltung. Auf der einen Seite arbeite ich schon immer in der Überzeugung, dass ich eine berufliche Position verlasse, wenn mir ein Arbeitsverhältnis nicht mehr guttut. Und siehe da, der liebe Gott hat mich immer ernährt. Trotz meiner Unfähigkeit Leid zu ertragen, habe ich immer Arbeit gefunden, die mich ausreichend ernährt hat. Mit zunehmendem Alter und zunehmender Expertise habe ich mein Glücksgefühl im Berufsleben weiter steigern können – und auch mein Einkommen.

Auf der anderen Seite bin ich immer mehr zum sammelnden Eichhörnchen mutiert. In meinem Streben nach Unabhängigkeit versuche ich eine Menge, um für den Katastrophenfall gerüstet zu sein. Auf der Strecke bleiben dabei meine Hilfsbereitschaft und meine Fähigkeit, freizügig zu geben und zu teilen.

Besitz durch Vertrauen ersetzen

Ja ich denke, dass es möglich ist, Vertrauen in die Zukunft zu lernen, auch wenn man älter wird. Wir können von den Kindern und jungen Menschen lernen, unsere Unschuld zurückzugewinnen. Das Gute daran, sich sterblich zu wissen, ist schließlich die Erkenntnis, dass das Leben hier unten nicht mehr ewig dauert. Ein sehr tröstlicher Gedanke, wie ich finde. Ein Gedanke, der zu Übermut und Fröhlichkeit führen kann – zu Vertrauen eben.

Wir wissen von Menschen mit einer tödlichen Erkrankung, dass diese häufig gerade durch das Wissen um das nahende Ende ihren inneren Frieden finden. Dankbarkeit, Versöhnung, Vertrauen und Geborgenheit können im Angesicht des Todes reifen. „Lebe immer so, als wäre heute Dein letzter Tag“ ist eine Kunst, die es zu lernen lohnt.

Meine Empfehlung: Beschäftigt Euch mit Nahtoderfahrungen, lest Autobiografien und Blogs von Menschen, die wissen, was sterben bedeutet. Schaut Euch Videos an mit Menschen, die über ihre Nahtoderfahrungen berichten und darüber, wie sich ihr Leben seitdem verändert hat. Ihr werdet voller Staunen erkennen, dass im Angesicht des Todes viele Menschen erkennen, wie wundervoll das Leben ist und wie wundervoll es ist, einfach da sein zu dürfen. Menschen, die ihre Angst vor dem Tod überwunden haben, die ihren Tod akzeptieren können, sind häufig glückliche Menschen. Lasst uns von ihnen lernen, Vertrauen zu haben. Und wer Vertrauen hat, kann geben. Einfach so…

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

steadynews.de

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