Braucht ein Social Media Manager unbedingt Twitter? Und auch Klout?

Eva Ihnenfeldt: Die letzten Tage diskutierten unsere „frischen“ Alumnis (Social Media Manager Absolventen der Business Academy Ruhr), ob man wirklich unbedingt twittern muss, wenn man Social Media Manager ist. Vor allem im Hinblick darauf, dass ja die Kunden sehr selten bei Twitter sind – also warum überhaupt? Ich versuche mal, diese Diskussion mit ein paar Argumenten zu bereichern:

Meine Meinung ist klar: Es ist unabdingbar bei Twitter zu sein, wenn man Social Media Manager ist – aber warum?

Twitter-Telegramm…

Es gibt wohl nur wenige Berufe, bei denen die tägliche Weiterbildung so wichtig ist wie im Bereich Social Media. Täglich gibt es

Twittwoch im November 2012 im UPH in Essen

etwas Neues – und was gestern noch stimmte, stimmt morgen schon lange nicht mehr. Doch wo erfahre ich täglich, wenn es bei Xing eine neue Funktion gibt? Bei Facebook sich die AGB mal wieder geändert haben? Google+ eine neue Möglichkeit startet? Eine neue Abmahnwelle startet? Oder eine neue mobile App die Social Media Welt verändert?

1. Argument: Twitter als tägliches Weiterbildungstool

Die tägliche Social Media Newspaper ist für den Social Media Manager das, was für den Politiker die FAZ und die BILD ist – lebensnotwendig. Und diese Newspaper stellt man sich zusammen über Twitter oder über RSS-Feeds. Dafür kann man bei Twitter gezielt den Accounts folgen, die nicht „zwitschern“ sondern sich wirklich darauf fokussieren, täglich die wichtigsten News weiterzugeben oder zu retweeten. Ich folge fast ausschließlich Twitteranern, die genau das tun – und auch die @steadynews sind nicht weiter als eine Tageszeitung für Social Media News. Ich twitter jeden Morgen beim Frühstück die Essenz aus meinen RSS Feeds.

Netzwerke…

Was kennzeichnet einen Social Media Manager? Er ist im Web ausgezeichnet vernetzt, kennt viele Menschen und geht viel auf Events, Konferenzen, Netzwerktreffen von Web 2.0 Experten. Das ist wichtig, da nur ein gutes Netzwerk die nötige Sicherheit verleiht, um im riskanten Web aktiv zu sein. Es kann immer passieren, dass technisch etwas Unvorhergesehenes passiert, dass man Opfer eines Shitstorms wird, dass man Unterstützung braucht bei App Entwicklungen oder Blog Erweiterungen oder oder oder. Wer da nicht Freundschaften pflegt, bekommt rasch Probleme. Social Media Manager sind auch „Diplomaten“, und Diplomaten ohne funktionierende Netzwerke scheitern.

2. Argument: Sich mit Social Media Experten vernetzen

Doch wo verbindet sich die Social Media Szene? Bei Facebook höchstens privat, aber auch das nur verhalten. Auch bei Social Media Experten hat Facebook keinen guten Ruf, vor allem wegen der undurchsichtigen Geschäftspolitik. Social Media Experten sind meist eher „links“ als „rechts“ und sie stehen den Piraten und Wikileaks näher als Verfechtern des Leistungsschutzrrechts. Auch bei Xing ist wenig los. Xing ist schwerfällig und konservativ – Social Media Manager sind meistens jung und undogmatisch.

Vor allem sind Social Media Manager blitzschnell und leben gern in Echtzeit. Darum vernetzen sie sich vor allem über Twitter und kommunizieren dort sehr einfach mit dem Smartphone oder auch mit einem zweiten Monitor am Laptop. Sie twittern, retweeten, antworten und schreiben Direct Messages. Sie warnen sich vor Trojanern, geben sich Tipps und beantworten Fragen. Sie verabreden sich oder erkennen sich über Twitter, wenn sie gemeinsame Events besuchen. Sie arrangieren gemeinsame Twittagessen oder Instrawalks – häufig lernt man bei Twitter einen andern Experten erst ganz unverbindlich kennen – und nach einiger Zeit sitzt man im „Real Life“ zusammen und macht gemeinsame Projekte.

Konferenzen…

Social Media Manager sind zwar gern am Rechner – aber ebenso gern sind sie unter Gleichgesinnten. Sie nutzen jede Gelegenheit, um sich mit anderen Experten zu treffen, häufig reisen sie für ein BARcamp oder eine andere Web 2.0 Konferenz durch ganz Deutschland, opfern ihre Wochenenden, um andere Blogger, Nerds und Experten zu treffen, voneinander zu lernen und sich intensiver zu vernetzen. Diese Konferenzen sind sehr wichtig, denn man braucht immer Freunde und Unterstützer gerade in der Entwickler-Szene. Software Entwickler sind heiß begehrt in der Social Media Welt – ohne sie läuft gar nichts. Und wenn man sich persönlich kennt kann man gemeinsame Projekte starten – und überhaupt ist es auch einfach für die Seele wichtig, Erfahrungen auszutauschen und sich gegenseitig den Rücken zu stärken.
Twittwoch Ruhr

3. Argument: Von Konferenzen und Sessions erfahren und Tickets ergattern

Gerade BARcamps sind so wichtig, dass Tickets hierfür immer unglaublich schnell vergriffen sind. BARcamps finden verteilt in ganz Deutschland statt, meist an Wochenenden. Sie sind sehr preiswert da sie von großen Unternehmen wie der Telekom oder OTTO gesponsert werden. In Sessions wird Wissen vermittelt und Wissen ausgetauscht. Wenn der Vorverkauf eines BARcamps startet, erfährt man das – bei Twitter! Dann muss man um eine ganz bestimmte Uhrzeit am Rechner sitzen und auf die Sekundenzeiger starren. Sobald der Ticketverkauf eröffnet ist, schnell zuschlagen – meist sind die 100, 200 Tickets nach etwa 10 Minuten schon vergriffen.
BARcamp Ruhr

Auch andere Events erfährt man am zuverlässigsten über Twitter. Twittwochs ergänzen die BARcamps durch regelmäßig stattfindende Abende, auf denen Fachvorträge gehalten werden und über Neuerungen und Erfahrungen diskutiert. Zwar laufen die Einladungen auch gern über Xing wegen des kostenlosen Amiando Ticketservice – doch erst mal herausfinden, wo was wann ist tut man am besten über Twitter.

Virales Marketing…

Natürlich denkt ein Social Media Manager nicht nur an seine Mitstreiter sondern auch an seine Kunden bzw. an sein Unternehmen und Business. Virales Marketing ist da ein wichtiger Schlüsselbegriff – man nutzt alle Kanäle, um Botschaften und Kampagnen zu verbreiten.

4. Argument: Twitter als Schleuder für virales Marketing

Zwar ist mehr oder weniger nur die Social Media „Elite“ bei Twitter aktiv, und doch funktioniert virales Marketing über Twitter sehr gut. Man erreicht zwar nicht die Endkunden, aber man erreicht Journalisten, Influencer, Stakeholder – und die so wichtigen Blogger! Über Twitter kann ich von einer neuen innovativen Social Media Kampagne erzählen, ich kann Interviews über Social Media Aktionen machen, kann aufmerksam machen auf Erfolge und Hintergründe. Ich kann transparent machen, wie Social Media in Unternehmen die Kultur verändert und Anekdoten weitergeben, die vielleicht die Presse interessiert. ich kann mich mit wichtigen Social Media Managern und Experten unterhalten, an die ich sonst nie heran käme – aber bei Twitter.

So, das sind für mich die wichtigsten Gründe unbedingt bei Twitter aktiv zu sein – und nun noch eine kleine Ergänzung:

Und da war ja auch noch Klout

Ich weiß, Klout ist ein merkwürdiges US-Tool, das behauptet die Reputation von Social Media Aktiven messen zu können. Mit komplizierten Algorithmen wird gemessen, wer was wann macht, wer wann wie darauf reagiert hat und wie wichtig die Menschen sind, die mit mir kommunizieren bei Twitter, Facebook, Google+, Foursqare und Co. Aber gleichgültig wie sinnig oder unsinnig da ist – tatsächlich googlen Personaler sehr wohl wie hoch der Kloutwert ist, wenn sich jemand auf eine Stelle als Social Media Manager bewirbt. Oder man googlet den Klout Wert, wenn eine Agentur behauptet, professionell Social Media Marketing zu betreiben.
Die SteadyNews bei Klout

5. Argument: Twitter ist wichtig für den Klout Wert

Für einen Social Media Experten sieht es ganz dumm aus, wenn er/ sie einen Klout Wert von 20 oder auch 30 hat. Die Professionalität beginnt bei etwa 45, alles darunter sieht nach „Social Web Leiche“ aus – das geht definitiv nicht, es schadet der Glaubwürdigkeit. Facebook ist da weniger relevant, da es ein privates Tool ist – der Einfluss bei Twitter zählt viel viel mehr. Darum sollten sich Social Media Manager über Twitter ein eigenes Klout Profil anlegen und immer mal wieder bei Twitter andere gute Twitter Freunde über Klout „plussen“. Was genau Klout ist und wie es funktioniert steht hier in den SteadyNews.

Tja, Social Media Manager werden ist nicht schwer… doch es ist eine permanente Herausforderung, einer zu bleiben!

Bei uns beginnt die nächste Weiterbildung am 18. Januar 2013 – zum Social Media Manager (IHK) als Kompaktkurs in nur zwei Wochen. Anmeldungen bitte über die IHK Bochum bei Marc Hüffmann. Der Kurs kostet 1.290 Euro.
Alles über die nächste Weiterbildung zum Social Media Manager IHK hier

 

13 thoughts on “Braucht ein Social Media Manager unbedingt Twitter? Und auch Klout?

    • Reply Eva Ihnenfeldt 2. Dezember 2012 at 19:51

      Danke lieber Lambert – der beim Keyword „Unternehmensberater“ ganz oben steht bei Google – Du bist klasse 🙂

  • Reply Thomas Dörmann 2. Dezember 2012 at 19:18

    Hallo Eva, Dein Artikel bringt es genau auf den Punkt und die Frage kann eigentlich nur mit ja beantwortet werden. Natürlich ist auch die Kombination der entsprechenden Kanäle wichtig. Einige Unternehmen, wissen das ihre jeweilige Zielgruppen auf verschiedene Kanäle aktiv sind und Twitter ist da eine gute Möglichkeit z.B. wie OTTO, Dell und jetzt auch die Deutsche Bank bieten einen Twitter Support an um ihre Serviceleistung zu verbessern. Ein Socialmedia Manager muss seine Augen und Ohren überall haben um für das Unternehmen und den Kunden den richtigen Kommunikationskanal mit aufzubauen. Es gilt nicht nur Facebook, ja Gewinnspiele und Adventskalendar sind ganz toll…aber das definiert nicht Socialmedia;) Mit Klout wird es sich zeigen, Fakt ist das es in einigen Bereichen eine Rolle spielt ob man will oder nicht. Vielen Dank für den Artikel und ab damit im Tweetstream:)
    Viele Grüße
    Thomas

    • Reply Eva Ihnenfeldt 2. Dezember 2012 at 19:50

      Danke lieber kluger Social Media Dozent Thomas 🙂

  • Reply Omar 3. Dezember 2012 at 06:52

    Hallo Eva
    Die Antwort auf die Frage hast du kurz und zutreffend in deinem ersten Satz erwähnt. Ich persönlich denke ein Social Media Manager, der auf Twitter nicht Unterwegs ist, hat eben Social Media nicht verstanden.

    • Reply Eva Ihnenfeldt 3. Dezember 2012 at 07:59

      Hi lieber Omar! Danke schön für den Zuspruch 🙂 Wie gut dass wir alle über Twitter so sicher vernetzt sind – bis spätestens zum 10.12.

  • Reply Birgit Schultz 4. Dezember 2012 at 10:25

    Oder wie ich immer sage: Ohne Twitter geht gar nicht! 🙂

    Sehr schöne Zusammenfassung der Argumente. 🙂

  • Reply Sascha Blank 4. Dezember 2012 at 11:38

    Super Artikel. Ich nutze Twitter meist als Nachrichten Kanal. Die SEO Branche ist ja Wissenstechnisch stark abhängig von den USA und UK. Und über Twitter kriegt man Top Infos aus aller Welt um immer am Puls der Zeit zu bleiben.

    Das spannende an unserer Online Branche ist ja eben, das sie ständig im Wandel ist und man einfach jeden Tag News lesen muss um Up to date zu bleiben. Und da ist Twitter einer der besten Kanäle überhaupt.

    lg

  • Reply Olivera Wahl 4. Dezember 2012 at 19:50

    Ein toller Artikel, liebe Eva, danke :0) Ich finde auch, dass ein Social Media Manager zumindest wichtige Social-Media-Plattformen aus eigener Erfahrung kennen muss, um Kunden das passende Werkzeug empfehlen zu können. Es reicht nicht aus, sich Wissen anzulesen. Nur wenn man selbst auch Social Media lebt, kann man überzeugen.

    Ich denke, dass ein angehender Social Media Manager, der Social-Media-Plattformen nicht nutzen möchte, noch nicht den für sich passenden Beruf gefunden hat. Einen Social Media Manager macht gerade seine Neugier auf neue Plattformen aus und dass er sie als einer der ersten ausprobieren möchte.

    • Reply Eva Ihnenfeldt 5. Dezember 2012 at 10:09

      Wie sanft Du Wahrheiten aussprechen kannst liebe @Olivera – gut dass wir Dich als Dozentin gewinnen konnten 🙂

  • Reply Olivera Wahl 7. Dezember 2012 at 15:03

    Dankeschön, liebe Eva

  • Reply Olivera Wahl 9. Dezember 2012 at 19:34

    Liebe Eva,

    kleines Feedback zwischendurch: seit deinem Artikel habe ich wieder richtig Spaß an Twitter und nutze es wieder täglich, wie am Anfang meiner Selbstständigkeit – warum? Weil du Recht hast: es gibt keine bessere Weiterbildungsmöglichkeit. Danke für die Erinnerung :0)

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