BVDW-Studie: Marketing sucht händeringend Nachwuchs

Die digitale Wirtschaft in Deutschland verzeichnet aktuell eine große Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften. Vor allem Berufseinsteiger mit einem Hochschulabschluss können auf dem Arbeitsmarkt der Online-Branche profitieren.

Die drei Fachbereiche Projektmanagement, Informationstechnologie und Marketing/Vertrieb verzeichnen den größten Bedarf an qualifizierten Berufsanfängern. Die Suche nach den geeigneten Kandidaten gestaltet sich für rund drei Viertel der 240 befragten Unternehmen aufgrund des Fachkräftemangels als schwierig. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie vom Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. in Kooperation mit der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation (MHMK).

Tanja Feller, BVDW-Geschäftsführerin: „In der digitalen Wirtschaft zählen neben Fachkenntnissen vor allem auch Soft Skills zu den wichtigsten Kriterien für die Einstellung von Berufsanfängern. Der Bedarf seitens der Unternehmen der digitalen Wirtschaft an Fachkräften ist hoch, so dass qualifizierte Berufsanfänger insgeheim als Gewinner auf dem Arbeitsmarkt gelten. Die Studienergebnisse verdeutlichen, dass der beklagte Fachkräftemangel für das weitere Wachstum der digitalen Wirtschaft überwunden werden muss. Diese Fußfessel der gesamten Branche kann mit qualifizierten Angeboten in Aus- und Weiterbildung abgelegt werden.“

Prof. Dr. Philipp Riehm, Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation, Hamburg: „Wir erleben immer noch eine rasche Entwicklung der Geschäftsmodelle, die miteinander kombiniert und damit auch immer komplexer werden. Ein klassisches Wirtschaftsstudium kann Berufseinsteiger für diese Branche kaum noch angemessen qualifizieren. Benötigt werden stattdessen spezifisch ausgebildete Wirtschaftswissenschaftler, die sich bereits im Studium in der nötigen Tiefe mit den Besonderheiten digitaler Geschäftsmodelle beschäftigt haben. Wir müssen es schaffen, Jugendliche hierfür zu begeistern.“

Vor allem Berufseinsteiger mit einem Hochschulabschluss können auf dem Arbeitsmarkt der digitalen Wirtschaft profitieren. 76 Prozent der befragten Unternehmen der digitalen Wirtschaft fragen verstärkt Hochschulabsolventen nach. Hingegen liegt der Bedarf an Auszubildenden mit einem fertigen Abschluss bei nur 41 Prozent der Unternehmen deutlich niedriger.
Die Unternehmen der digitalen Wirtschaft spüren bei der Suche nach geeigneten Kandidaten die Folgen des allgegenwärtigen Fachkräftemangels. Über 71 Prozent der befragten Unternehmen nennen das Fehlen erforderlicher Kompetenzen als häufigsten Grund für den Mangel qualifizierter Berufseinsteiger. Für rund 65 Prozent liegt ein weiterer Grund in der zu geringen Ausbildungszahl an Berufsanfängern.

Für Hochschulabsolventen, die in der digitalen Wirtschaft ins Berufsleben starten, ist es weitgehend unerheblich, ob es sich bei dem letzten Studienabschluss um einen Abschluss mit Bachelor, Master oder Diplom handelt. Wirtschaftswissenschaftler werden am meisten von den Unternehmen gesucht (82 Prozent), gefolgt von Absolventen aus Informatik- bzw. Technikstudiengängen (74 Prozent). Über die Hälfte der Befragten (51 Prozent) hat zudem einen mittleren bis hohen Bedarf an Sozialwissenschaftlern. Im direkten Vergleich ist der Bedarf an Grafikern/Designern mit 38 Prozent der befragten Unternehmen insgesamt geringer.

Der höchste Bedarf an Berufseinsteigern herrscht in den Bereichen Projektmanagement (68 Prozent), Informationstechnologie (66 Prozent) und Marketing/Vertrieb (65 Prozent). Über jedes zweite befragte Unternehmen sucht zudem verstärkt Berufsanfänger für die Bereiche Beratung / CRM (56 Prozent) und Strategie / Business Development (52 Prozent). Der Bedarf in den Bereichen PR / Kommunikation (22 Prozent) und Controlling / Finanzen (19 Prozent) wird im Vergleich als weniger dringend angesehen.

Als bedeutendste Anforderungen an Berufsanfänger identifizieren die Unternehmen der digitalen Wirtschaft eindeutig klassische Soft Skills: Soziale Kompetenz (96 Prozent), Umsetzungskompetenz (95 Prozent) sowie mentale Kompetenz (94 Prozent) zählen für die befragten Unternehmen zu den zentralen Schlüsselqualifikationen von Berufsanfängern. Auf der Anwendungsebene bemessen die Unternehmen Kenntnissen von Mobile Marketing (61 Prozent), Social Media (61 Prozent) und E-Commerce (59 Prozent) eine hohe bis sehr hohe Bedeutung zu. Ebenfalls hoch im Kurs stehen Kenntnisse in der Online-Vermarktung und in der Mediaplanung für über die Hälfte der befragten Unternehmen.

Bevorzugt suchen über 80 Prozent der Unternehmen der digitalen Wirtschaft diejenigen Berufseinsteiger, die bereits Praxis- bzw. Berufserfahrung anhand von Praktika oder Studentenjobs vorweisen können. Mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent) sehen in Sprachkenntnissen eine hohe bis sehr hohe Bedeutung, für rund 45 Prozent zählt die Reisebereitschaft und Mobilität zu den wichtigen Anforderungen. Auslandserfahrung wird dagegen nur von einem Viertel der Unternehmen als bedeutsam befunden (24 Prozent).

Für die Untersuchung von BVDW und MHMK wurden insgesamt 240 Unternehmen der digitalen Wirtschaft im Zeitraum vom 26. März bis – 25. April 2012 befragt. Die Unternehmen stammen aus verschiedensten Geschäftsfeldern, darunter Internet-Agenturen, Online-Vermarkter, Performance-Marketing-Anbieter, Online-Mediaagenturen, Mobile-Dienstleister, E-Commerce-Dienstleister oder Portalbetreiber. Ziel der Befragung ist es, die digitale Branche zu unterstützen, den aktuellen und kommenden Qualifizierungsbedarf besser zu verstehen und gezielt Maßnahmen ins Leben zu rufen, um den Fachkräftemarkt auch langfristig besser zu qualifizieren. Die vollständigen Studienergebnisse von BVDW und MHMK stehen auf der BVDW-Website unter www.bvdw.org als PDF-Dokument kostenfrei zur Verfügung.

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