Datenschutz und Social Media: Zwei Königskinder?

Christian Spließ, Social Media Storyteller: Während sich bei Twitter die Frage nach dem Datenschutz eher nicht stellt – allenfalls das Urheberrecht bei der Frage nach Verwendung von Avatarbildern oder beim Registrieren einer Domain das UWG spielt hier eine Rolle – ist das Thema Datenschutz und Social Media immer wieder in den Medien. Das ist auch gut so, denn Datenschutz ist wichtig. Social Media ebenfalls. Wie passt das allerdings zusammen?

Der Themenabend „Social Media und IT Security“ bei der LVQ, eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Bundesverband mittelständische Wirtschaft, Unternehmerverband Deutschlands e.V. gab die Antwort: Ja, Social Media und IT-Security bzw. Datenschutz passen zusammen. Thomas Eckert vom Verband der Networker NRW stellte klar, dass man Richtlinien braucht – ebenso wie für den privaten Umgang mit sozialen Medien, denn schließlich gehört nicht jedes private Photo ins Internet, so auch für Unternehmen. Ich stimme dem ausdrücklich zu wobei beim Erstellen einer Datenschutzakte ja generell schon Richtlinien fürs Unternehmen festgelegt werden sollten – ob das nun die Verwendung von mobilen Geräten betrifft oder den Umgang mit Email, auch für Social Media Netzwerke sollten Richtlinien vorhanden sein. Es ist natürlich schön, wenn die Mitarbeiter so umsichtsvoll sind und so eigenverantwortlich, dass sie nur als Vorgabe die Maxime „Machen Sie Nichts Dummes“ benötigen. Falls dennoch was schiefgehen sollte, sollte dies allerdings ebenfalls in Regeln verankert werden.

Dass Facebook in der Vergangenheit desöfteren die AGBs hinter den Rücken der Benutzer veränderte und auch neue Features einführte ohne besonders zu fragen hat natürlich die Debatte um das Thema Datenschutz besonders betroffen. Ebenfalls die Einlassungen des ULDs zum Thema des „Facebook-Like“-Buttons und das Einbinden desselben in Webseiten bzw. die Abschaltung von Facebook-Fanseiten. Momentan allerdings stimmen die Nutzer von Webseiten mit den Füßen ab – die Ermahnungen und Abmahnungen des ULDs scheinen selbst große Behörden in Schleswig-Holstein nicht zu interessieren. Mit der Einführung der Pages bei GooglePlus und den dazugehörigen Badges – mit denen Inhalte auf der eigenen Webseite eingebettet werden können – sowie der Frage nach dem +1-Button hat sich das ULD bisher auffallend nicht beschäftigt. Nun sind die Pages auch erst seit einiger Zeit verfügbar, dennoch scheint das ULD sich auf Facebook eingeschossen zu haben anstatt generell die Frage zu klären wie das mit der Übermittlung von Daten beim Klicken von Like-Buttons aussieht. Fragen, die Unternehmen durchaus auf den Nägeln brennen.

Sicherlich ist Datenschutz und Social Media eine Frage des Ausbalancierens – Soziale Netzwerke leben von Daten, die in sie hineingestellt werden und je mehr, desto besser für das Verkaufen von Werbung und die Auswertung von Nutzerprofilen. Doch schon bei der Anmeldung sollte man sich überlegen, ob man tatsächlich jede Kategorie ausfüllen muss, die Facebook oder StudiVZ von einem verlangt. Dass interne Daten auch in geheimen Gruppen, die zur Zusammenarbeit gegründet werden anstatt von Mailinglisten, nichts zu suchen haben sollte auch von vornherein klar sein. Ebensowenig wie man seine Passwörter in eine Dropbox in die Cloud packen sollte. Wenn man sich bewußt ist, dass Facebook von Daten lebt und wenn man vorsichtig ist, sich eine Strategie erarbeitet und Regeln erstellt kann man – und ich stimme das Herrn Eckert zu – durchaus auch verantwortungsvoll mit seinen Daten in sozialen Netzwerken umgehen.

Allerdings: Regeln sind schön und gut. Allerdings sollte es nicht dazu führen, dass man dem Social Media Manager im eigenen Unternehmen keinen Freiraum lässt den er notwendigerweise braucht um seine Aufgabe zu erfüllen. Auch hier ist es die Frage der Balance, des Austangierens von dem was Kür und was Pflicht ist. Bei einer Krise, die dann erfolgt wenn die Geschäftsleitung gerade im Feierabend ist oder im Urlaub ist es vielleicht nicht immer machbar strikt nach dem Handbuch vorzugehen. Dann ist Gespür, gute Reaktion und auch Kreativität gefragt. Ichwünsche Ihnen, dass Sie in einer Krise genau den richtigen Mann an der richtigen Stelle sitzen haben.

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