Echtzeitleben… wenn Fotografieren unser Erinnerungsvermögen ersetzt

Essen lieber fotografieren - statt sich daran erinnern...

Sicher kennen Sie den Witz, in dem ein Mann ruhig im Touristenbus sitzen bleibt während alle anderen Mitfahrer zum Fenster eilen um eine Sehenswürdigkeit zu fotografieren? Auf die Frage warum er denn keine Fotos mache antwortet er „Ach ich gucke es mir lieber gleich hier an“. Und tatsächlich scheint unsere Fotografierwut einen dummen Nachteil zu haben: Wir können uns schlechter an das Gesehene erinnern!

Wie die Süddeutsche Zeitung im Dezember 2013 berichtet hat die Psychologin Linda Henkel von der Fairfield University in Connecticut in einem

Essen lieber fotografieren - statt sich daran erinnern...

Essen lieber fotografieren – statt sich daran mühsam erinnern…

Experiment getestet wie Fotografieren und Gedächtnis miteinander zusammenhängen. Sie ließ eine Gruppe von Studenten durch ein Kunstmuseum führen. Die jungen Leute wurden auf einige Ausstellungsstücke ganz besonders hingewiesen. Die eine Hälfte der Studenten wurde gebeten Fotos von den Exponaten zu machen – die andere sollte einfach nur so der Führung folgen.

Am nächsten Tag wurden Gedächtnisfragen gestellt – und tatsächlich konnten sich die Probanden die fotografiert hatten an weniger Ausstellungsstücke erinnern – und auch an weniger Fakten zu den einzelnen Kunstwerken. Statt die Führung bewusst und aufmerksam zu erleben hatten sie sich anscheinend durch das Fotografieren ablenken lassen.

Ich kenne das sehr gut von mir selbst. Häufig bin ich schon während eines Erlebnisses oder eines schönen Ausblicks mit der Überlegung beschäftigt, ob ich es nicht fotografieren könnte für Instagram, Foursquare oder Facebook… Und kaum sitze ich mal irgendwo und habe ein paar Minuten Zeit, zücke ich das Smartphone und checke Mails, Facebook und Twitter.

Fühlt sich fast an wie eine krude Art der Demenz, wenn ich das „Real Life“ gedankenverloren teile mit meinem elektronischen „Haustier“, dem ja immer etwas einfällt um mich abzulenken von der Langeweile der Welt da draußen…Spricht mich dann jemand überraschend an, sehe ich wahrscheinlich hoch wie ein Träumer der sich zunächst mühsam wieder in die Realität einfinden muss…

Ich bin wirklich gespannt wohin uns diese Entwicklung führen wird. Eltern die beim Kinderwagen Schieben mit einer Hand ihr Handy bedienen, Partygäste die in der Gruppe jeder für sich ins Smartphone starren, Studenten die während der Vorlesung im Smartphone, Tablet oder Laptop surfen… Muss lustig aussehen aus einer externen Perspektive – oder beängstigend.

Ich hüte mich vor Bewertungen über die „Jugend von heute“ (in meiner Jugend kam der Niedergang der Gesellschaft angeblich durch Comics…) aber Auswirkung hat es ganz sicher, dass die Realität immer durchscheinender, unwirklicher und unwichtiger wird und das elektronische Leben immer mehr Zeit und Aufmerksamkeit verschlingt.

Was meint Ihr? Werden wir immer mehr vereinsamen? Werden wir zu Psycho-Coaches gehen müssen da uns Niemand mehr wirklich zuhört? Werden unsere Kinder vor allem in Einrichtungen geprägt und erzogen da zu Hause die Eltern mehr körperlich anwesend als wirklich konzentriert „da“ sind? Werden wir zu lauter kleinen Inseln die sich vorwiegend nur noch im geschützten Raum des „Second Life“ begegnen und die die Realität um sich vergessen so wie man vergessen hat woher die Milch kommt und wie man Reifen wechselt?

 

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

steadynews.de

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