Social Media for Beginners Teil 5: Social Media und Privatsphäre

Der Schritt in die Selbstständigkeit ist unweigerlich verbunden mit dem Schritt in die Öffentlichkeit. Denn ohne Sichtbarkeit und Findbarkeit lässt sich kein Business aufbauen. Doch während es für Selbstständige eine Selbstverständlichkeit ist, Kontaktdaten und Geschäftsimpressum zugänglich zu machen, ist die (verständliche) Sorge, Privates über Social Media mit dem Geschäftlichen zu vermischen, sehr verständlich. In dem folgenden Kapitel will ich versuchen einige Tipps zu geben, wie man trotz Social Media die eigene Privatsphäre abgrenzen kann.

Was ist eigentlich „Privatsphäre“?

Privatsphäre sind alle Bereiche des eigenen Lebens, die man vor öffentlichem Zugriff schützen will. Mag es der Freundeskreis sein, die Hobbys, persönliche Erlebnisse, Schwächen, Geheimnisse, Glaube, Politik, Vorlieben… Es muss nun wirklich nicht jeder Kunde wissen, welchen Musikgeschmack ich habe und ob ich schon einmal eine psychische Erkrankung hatte!

Tatsächlich ist vor Allem Facebook riskant, wenn man die Privatsphäre schützen will. Warum? Immer wieder versucht das Netzwerk uns zu überreden, unsere Film-, Musik- und Interessen einzutragen. Das ist in keinem anderem sozialen Netzwerk so dominant. Für Facebook ist das wichtig um den Werbekunden zu erleichtern, die Zielgruppen für ihre Werbeanzeigen besser zu fokussieren. Für geschäftlich Tätige, die ihr Facebook Profil bewusst öffentlich halten, ist diese Transparenz eher schädlich, da diese Angaben polarisieren können. Wenn ich weiß, dass mein Buchhändler Shades of Grey liebt, kann ich das als Kundin durchaus abschreckend finden – oder gerade sehr sympathisch, je nachdem. Bei Fußballfans geht ja die Aversion gegen andere Vereine manchmal so weit, dass man sogar tätliche Angriffe fürchten muss! Sollte ich als Leiter einer Online-Marketing Agentur also bei Facebook verkünden, dass ich BVB Fan? Oder dass ich Bayern München liebe? Besser nicht!

Natürlich kann ich meine Privatsphäre in der heutigen Zeit kaum noch vor Geheimdiensten und Behörden schützen – es sei denn, ich bin komplett offline – doch zumindest vor Kunden, Geschäftspartnern, Freunden und Bekannten kann ich das sehr gut! Denn was ich poste, like, kommentiere, teile, bestimme immer noch ich. Und wen ich in meine Kontaktliste bei Facebook, Xing, Twitter und Co aufnehme ebenfalls – also keine Sorge, so unkontrollierbar sind soziale Netzwerke gar nicht.

Wie kann ich in sozialen Netzwerken meine Privatsphäre schützen?

Ehrlich gesagt macht gerade hier die ständige Übung den Meister. Gerade am Anfang macht man sicher noch Fehler, die man später bereut. Ich persönlich habe vor allem mit der Facebook Freundesliste unangenehme Erfahrungen gemacht. Da ich als seriöse Geschäftsfrau auftrete, ist es nicht tragbar, wenn sich unter meinen Kommentaren primitive vulgäre Einträge finden oder andere Leute versuchen, über meinen persönlichen Account Kunden zu fangen. Anfangs hat mich so etwas tief beschäftigt – heute entferne ich kommentarlos „Freunde“, die mir und meinem Ruf nicht gut tun und fertig.

Tipps für den Schutz der Privatsphäre – vor allem beim Gebrauch von Facebook

  • Facebook Profil oder Facebook Fanpage? Viele Selbstständige trennen klar zwischen ihrem persönlichen Account (privat, abgeschlossen, nur für wirkliche Freunde sichtbar) und ihrer Fanpage. Das ist die einfachste Möglichkeit, um die eigene Privatsphäre vor dem öffentlichen Blick zu schützen. Nachteil: Die Reichweite von Fanpages geht immer weiter zurück, so dass der gewinnbringende Aspekt nur dann geschieht, wenn man auch ab und zu Werbung schaltet.
  • Der erste Eindruck vom öffentlichen Facebook Profil: Der Selbstständige hat sich dafür entschieden, sein Profil für gewinnbringende Zwecke zu nutzen. Es wird begrüßt, möglichst viele Facebook-Freunde zu sammeln, man wird freiwillig zur „öffentlichen Person“. Das kann immer dann sehr sinnvoll sein, wenn man durch die eigene Persönlichkeit Kunden gewinnt und bindet (und bei wem überhaupt ist das nicht der Fall 😉 ) . Doch man sollte ab und zu überprüfen, wie das eigene Profil für Fremde sichtbar ist. Wie sehen es Facebook-Abstinenzler? Wie Facebook User, die keine Freunde sind? Und wie die Facebook Freunde? Ich kann das nur sehr empfehlen, da Einem erst so klar wird, welch ersten Eindruck man hinterlässt mit dem eigenen Profil!
  • Welche Inhalte will ich öffentlich sichtbar machen? Facebook erlaubt schon lange, mit Listen zu arbeiten. Man kann also bei jedem einzelnen Post bestimmen, ob alle Freunde diesen sehen können – oder nur bestimmte Leute. Das kann sehr sinnvoll sein. Nicht nur um über Fußball, Politik oder Religion  zu diskutieren, sondern auch um gewisse Zielgruppen nicht mit Posts zu langweilen! Wenn man das konsequent nutzt macht Facebook natürlich schon etwas mehr Arbeit – doch als Marketinginstrument erlangt es nun wirklich einen professionellen Status.
  • Was über meine Privatsphäre möchte ich gern meinen Facebook-Freunden weitergeben? Da Facebook für viele von uns tatsächlich privat einen hohen Stellenwert hat, sollte man schon einmal darüber nachdenken, was privat denn vermittelt werden will! Kochrezepte mit Bildern, Erlebnisse mit Hund, Katze Pferd, Urlaubsfotos, erbauliche Sprüche, Feiern, Selfies und Events… Was sollen meine Kinder, Freunde, Nachbarn und Bekannten im Newsstream von mir sehen? Möchte ich dass sie wissen dass es mir gutgeht? Viele Menschen gehen dazu über, diese rein privaten Posts auf WhatsApp-Gruppen oder ähnliche Dienste zu verlagern – und den Newsstream von Facebook wirklich nur  noch als das zu nutzen was er ist: Eine Litfaßsäule!
  • Die Personality des privaten Menschen hinter dem Geschäft sichtbar machen: Wir wissen dass Geschäfte zu 70 Prozent über Vertrauen und Sympathie erfolgen – machen wir uns das doch mit der „Privatsphäre“ zu Nutze! Denken Sie weniger an Ihre Familie, wenn Sie öffentlich posten, denken Sie lieber an einige aus Ihrer Freundesliste, die geschäftlich interessant sind! Visualisieren Sie einige Meinungsführer und potentielle Kunden aus Ihren Kontakten und schreiben Sie genau für diese Zielgruppe! Ihre Freunde wird es nicht stören, da man ja auch auf privateren Kanälen schreiben kann – und nur so ist der Werbeeffekt wirkungsvoll. Nicht vergessen: SIE bestimmen den Grad Ihrer Privatsphäre!
  • Ein paar Tipps – Posts für Geschäfts-Freunde bei Facebook: Was immer geht sind tatsächlich Tierbilder. Wenn Sie Haustiere haben zücken Sie häufiger mal Ihr Smartphone und posten spontane Schnappschüsse – das macht Sie zusammen mit Ihrem vierbeinigen Freund gleich mit sympathisch. Sie finden interessante Artikel? Es ist schon sinnvoll, diese verlinkt zu posten, doch denken Sie daran, wie schnell man durch den Newsstream huscht. Lange Zeitungsartikel werden selten angeklickt, Fotogalerien, kurze Studien, emotionale Story’s schon eher. Nehmen Sie Rücksicht darauf, dass Ihre „Freunde“ keine Zeit haben und viele viele Posts studieren müssen.
    Urlaubsfotos sind prima, könnten allerdings den Eindruck hinterlassen, dass Sie wenig Energie in Ihr Geschäft stecken – nicht übertreiben! Vorsicht mit Themen wie Fußball, Religion, Politik – es kann Kunden binden, aber auch polarisieren und ausufern. Schön ist hingegen, wenn Sie Fotos posten von Erlebnissen aus Ihrem Geschäftsleben. All das was Ihre Reputation hebt und den Eindruck vermittelt, dass Sie unentwegt und im Interesse Ihrer Kunden unterwegs sind, kommt super an! Die Menschen wünschen sich, dass man sich für sie engagiert. Kunden die erleben, wie Sie auf einer Messe nach Produkten fahnden, die verfolgen wie Sie sich mit Geschäftsfreunden treffen, die mitbekommen, wie Sie als Speaker oder Verbandsmitglied unterwegs sind – die wissen, dass Sie ein guter Geschäftsmensch sind – immer unterwegs im Auftrag der Sache 😉
  • Und wie immer – die Besten zum Vorbild nehmen! Schauen Sie sich öffentliche Profile von Mitbewerbern an, die Sie klasse finden. Adden Sie Vorbilder bei Facebook und sprechen Sie Ihre Anerkennung aus. Kommentieren Sie bei Freunden und seien Sie selbst überhaupt ein aufmerksamer Facebook-Freund. Denn nur wer selbst gibt, dem wird auch gegeben werden. Wer nur über sich selbst spricht kann schnell erleben, dass man sich stirnrunzelnd abwendet – gerade in sozialen Netzwerken gilt der Spruch: „Geben ist seliger denn Nehmen“.

Falls Sie den Entschluss fassen, eine Social Media Strategie zu entwickeln, können wir Ihnen gern helfen. In unseren Social Media Manager IHK-Zertifikatslehrgängen haben schon weit über 300 Menschen konkrete Social Media Marketing Strategien erarbeitet und umgesetzt – die Erfolge sind beeindruckend. Ob deutschlandweit im eLearning oder in Präsenz im Ruhrgebiet, in ihrer Klassengemeinschaft unterstützen sich die Teilnehmer gegenseitig und werden von der Lehrgangsleitung gecoacht. Viele Dozenten und Experten begleiten beim Weg ins Social Media Zeitalter.
Hier finden Sie unsere Weiterbildungen in der Übersicht.
Falls Sie Fragen haben, einfach melden – wir freuen uns!

Social Media for Beginners – in 10 Kapiteln:

  1. Wie fang ich an – Xing?
  2. Wie fang ich an – Facebook?
  3. Wie fang ich an – Bloggen?
  4. Das Kapitel für die Social Media Verweigerer
  5. Social Media und Privatsphäre
  6. Zielsetzungen für Social Media
  7. Die Social Media Strategie
  8. Struktur und Ordnung für Social Media Marketing
  9. Dos and Don’ts im Social Media
  10. Erfolgsmessung und ständige Verbesserung

 

 

 

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

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