Home / Management / Spirituelle Unternehmensführung Teil 4: Vom Konsumenten zum Unternehmenden

Spirituelle Unternehmensführung Teil 4: Vom Konsumenten zum Unternehmenden 1

Es gab mal eine Zeit, da war Sparen DAS Ideal des „kleinen Mannes“. Ist noch gar nicht so lange her. Häuschen bauen, eine größere Anschaffung planen, für Alter und Schicksalsschläge Vorsorge treffen. Spätestens nach der Finanzkrise 2008 fiel dieses Ideal in sich zusammen. Wozu sparen, wenn kein Vertrauen mehr in das eigene kleine Vermögen besteht? Wenn es keine Zinsen mehr gibt als Belohnung für Disziplin und Verzicht? Wenn Ratenkäufe so günstig sind, dass es unwirtschaftlich wird, über Jahre Groschen auf Groschen zu legen? Wenn die berufliche Zukunft dermaßen unsicher ist, dass nur Beamte und beamtenähnlich Angestellte ihre derzeitige Heimat als verlässlich empfinden?

Vom Spießbürger zum Konsumenten

Der konservative Spießbürger ist out. Junge Menschen schmunzeln über die älteren Generationen, die mit ihren Einfamilienhäuschen, der Familienverbundenheit und der traditionellen Urlaubsplanung der Gegenwart die Stirn bieten. Viele dieser Jungen trauern dem Lebensentwurf ihrer Eltern hinterher. Gibt es noch Geborgenheit und Sicherheit in einer digitalen Welt, die Flexibilität, ständiges Wachstum und Selbstoptimierung von jedem Einzelnen fordert?

Trost der „High Performer“: Droge Konsum!

Wie gut, dass es Konsum gibt, der über Unsicherheit und Flüchtigkeit hinwegtröstet. Stress auf der Arbeit und Zukunftsangst können doch durch Shoppen abgebaut werden. In der Woche abends einkaufen im analogen Shoppingcenter – Sonntags am Computer. Der kurzfristige Hormon-Kick wirkt gleich einer Droge. Aus der Ferne betrachtet ist dieses Massenphänomen eindeutig gestört (wie man auch an den unfassbaren Müllbergen der Überflussgesellschaften erkennt) doch aus der Nähe betrachtet verständlich: Irgendetwas muss der Mensch ja tun, wenn er unglücklich ist. Nachhaltig die Verhältnisse zu ändern ist schwer – sich rasch einen Kick versetzen mit einer neuen Tasche oder einem Computerspiel ist leicht.

Die vier Glückshormone: Dopamin, Serotonin, Noradrenalin, Endorphin

  • Dopamin: Steigert unseren Antrieb, unseren Tatendrang, unsere impulsiven Lustentscheidungen
  • Serotonin: Stabilisiert die Psyche. Führt zu Gelassenheit, Zufriedenheit, innerer Ruhe
  • Noradrenalin: Fördert unsere Wachheit und fokussierte Aufmerksamkeit in „Kampf oder Flucht“-Stresssituationen
  • Endorphin: wirkt schmerzdämpfend und wird in Extremsituationen als „Glückshormon“ freigesetzt

Vom Konsumenten zur spirituellen Unternehmensführung?

Vor rund 15 Jahren machten sich sehr viele Menschen in Deutschland selbstständig, weil sie keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt hatten. Heute sind die Zahlen der Gründer enorm zurückgegangen, da wir nahezu Vollbeschäftigung haben in Deutschland. Doch in immer mehr Menschen reift der Wunsch, sich nicht nur als drogensüchtige Konsumenten von ihrem Job zu erholen (immerhin hassen zwei Drittel der abhängig Beschäftigten ihren Job) sondern nachhaltig und mit ganzer Entschlossenheit ihre berufliche und finanziell unabhängige Existenz in die eigenen Hände zu legen.

Ja, es ist schwer und es ist gefährlich, sich selbstständig zu machen und Unternehmer zu werden. Ja, es ist ein ständiger Lernprozess, sich kongruent und mit viel Fleiß und Feingespür durch das „Haifischbecken Wirtschaft“ zu bewegen. Es ist aufregend, Rückschläge zu erfahren und sich aus nahezu unlösbaren Situationen immer wieder zu befreien.

Jeder Mensch hat besondere Talente und besondere Fähigkeiten, davon bin ich felsenfest überzeugt, nachdem ich mit unzählig vielen Menschen gearbeitet habe. Nie werde ich die frisch gekündigte Opel-Arbeiterin vergessen, die sich 2004 als Flyer-Verteilerin selbstständig machte, um nach der Arbeitsmarktreform einem Schicksal als Leiharbeiterin bei Opel zu entgehen. Wer so entschlossen und stolz das eigene Leben in die Hand nimmt, wird belohnt.

Kongruenz und spirituelle Unternehmensführung

Diese kleine, fleißige, einfache Fließband-Arbeiterin wusste, was Kongruenz war, auch wenn sie wahrscheinlich noch nie von diesem Begriff gehört hatte. „Alles könnt Ihr mir nehmen, doch meinen Stolz nehmt Ihr mir nicht“ hätte sie diese Übereinstimmung von Fühlen, Denken, Sprechen und Handeln wohl umschrieben. Sie ahnte, dass ein Leben als Leiharbeiterin oder gar als Hartz-Iv-Empfängerin ihren Stolz zerstört hätte. Und sie resignierte nicht vor der Reform – sie handelte.

Spirituelle Unternehmensführung bedeutet, die Würde des eigenen Seins zu leben, ohne Schwächere auszubeuten oder sich Stärkeren auszuliefern. Tüchtigkeit muss nicht heißen, unablässig bis zur Erschöpfung zu arbeiten. Doch die Prioritäten so zu setzen, dass man sich nicht durch Bequemlichkeit und Konsum knechten lässt, ist eine der Haupteigenschaften der „Unternehmenden“.

Sicher werden jetzt viele einwenden, dass persönliche Verpflichtungen und Verbindlichkeiten diesem kongruenten Leben entgegenstehen, und das ist natürlich wahr. Eine Familie zu ernähren als Selbstständiger ist so risikoreich, dass es in den ersten Jahren nach Gründung manchmal nicht möglich erscheint, den Traum zu verwirklichen. Doch wo ein Wille ist, findet sich ein Weg. Und für Kinder ist es sicher auch ein emotionaler Gewinn, stolz auf ihre Eltern zu sein, die kongruent leben und voller Tatendrang ihre Herausforderungen annehmen.

Jeder Mensch ein Unternehmer?

Es gibt durchaus Unternehmen, bei denen man auch als abhängig Beschäftigter kongruent arbeiten kann. Vor allem kleinere Betriebe haben teilweise eine Unternehmenskultur, die für alle Mitarbeitenden ein Segen ist. Zwar haben die Unternehmensinhaber höhere Gewinne als ihre Angestellten – doch sie tragen ja auch das komplette Risiko! Gibt es Transparenz, Kommunikation und Offenheit, können viele Mitarbeiter stolz damit leben und sagen „Danke, dass Du für uns dieses Risiko übernimmst – so kann ich in Geborgenheit und Verlässlichkeit mein Leben planen. Ich gebe gern mein Bestes dafür“. Sie fühlen sich verantwortlich für den wirtschaftlichen Erfolg ihres Unternehmens und agieren gemeinsam mit der Führung unternehmerisch.

Auch in Konzernen ist ein Umdenken da. Abteilungsübergreifende Teams zeigen sich verantwortlich für ein Produkt bzw. eine Aufgabe des Unternehmens und können eigenständig unternehmerische Entscheidungen gemeinsam treffen und umsetzen. Ein schwerer Weg – aber es gibt bereits viele mutmachende Erfolgsbeispiele. „Jeder Mensch ein Unternehmer“ ist wohl in unserer agilen Zeit unumgänglich.

Konsument oder Unternehmer?

Kaufen macht Spaß, keine Frage. Sich selbst zu belohnen mit materiellen Dingen und Kick-Erlebnissen ist so verführerisch, dass nur wenige gegen diese Droge immun sind. Sparen erscheint sinnlos, und irgendetwas muss man ja mit dem Geld tun…

Sich selbst zu reflektieren und die vielen unbewussten Handlungen ins Bewusstsein zu bringen ist ein wichtiger Schritt, um sich aus Abhängigkeiten zu befreien. Konsumieren, investieren, sparen… einfach mal ab und zu die finanzielle Intelligenz stärken (zum Beispiel mit Video-Tutorials und Büchern) kann schon helfen, sich aus der Konsum-Sucht zu befreien. Und dann macht Geld ganz anders Spaß! Es wird zum Fahrzeug, dass sein Herrchen/ Frauchen zum gewünschten Ort bringt. Viel Erfolg dabei, liebe spirituelle Unternehmende 🙂

 

 

 

 

 

 

Über Eva Ihnenfeldt

Als Expertin für Social Media Marketing berät und begleitet Eva Ihnenfeldt Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien - und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Eva Ihnenfeldt - Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: e.ihnenfeldt@gmail.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Theme developed by TouchSize - Premium WordPress Themes and Websites