Vom Streben nach Macht: Warum Menschen für Macht alles tun würden

Eva Ihnenfeldt: In den letzten Tagen habe ich einen spannenden Mystery-Thriller gelesen über die „Heilige Lanze“. Sie ist so etwas wie das männliche Pendant zum „Heiligen Gral“ und man sagt ihr nach, wer sie besitzt, hätte alle Macht. In dem Buch waren Menschen bereit, für den Besitz dieser Lanze, mit der Jesus nach seinem Tod in die Seite gestochen wurde, alles zu riskieren, zu leiden, zu morden und sich von Allem und Jedem zu trennen. Doch was macht man mit Macht? Was ist „Macht“, wenn sie zu einem Schlüssel wird wie ein „Sesam Öffne Dich“?

Zunächst googlete ich bei Wikipedia, denn mit meiner bisherigen Definition: „Einfluss nehmen können, Verantwortung, Leitung und Führung ausüben“ kam ich ja nicht weiter bei der „Heiligen Lanze“ – das wäre kein Zauber-Schlüssel gewesen, das wäre ein Job. Bei Wikipedia fand ich eine Definition von Max Weber: „Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Gruppe den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht.“

Beim Frühstück fragte ich meinen neunzehnjährigen Sohn: „Sag mal, was ist Macht?“
„Wenn Andere tun müssen, was ich will – auch gegen ihren eigenen Willen“
„Ja, aber das ist doch gar nicht schön – wer will denn sowas!“

Gerade schlufte unser kleiner Hund durch die Küche. Mein Sohn mit strenger Stimme:
„Luzi, SITZ!“ Mit hängenden Ohren setzte sich Luzi hin. Ich war natürlich empört – aber er meinte nur trocken: „Siehst Du, das ist Macht.“

„Ja, aber… was würdest Du denn nun tun, wenn Du nun den Schlüssel zur Macht hättest?“ Er (natürlich ironisch): „Zuerst Österreich annektieren“ „Und dann?“ „Polen überfallen“. „Und dann?“ „Ein Land nach dem anderen erobern“ „Und dann?“ „Dann hätte ich die Weltherrschaft“ „Und dann?“ „Dann wäre ich unsterblich“. „Wieso ist man dann denn unsterblich – das stimmt doch gar nicht!“ „Ja, aber man wäre Thema in allen Geschichtsbüchern.“ „Ja, aber dann liebt einen doch keiner – dann verstellen sich doch alle vor Angst!“ „Wieso das denn, Eva Braun hat Hitler doch vergöttert.“

Es klingelt. Der Freund meines Sohnes kommt. Ich frage erneut: „Alex, was ist Macht?“ „Macht ist, wenn alle tun müssen, was ich will.“ Später, als die Beiden auf dem Balkon sitzen, ruft er mir noch zu: „Pablo Emilio Escobar Gaviria, der kolumbianische Drogenboss, der hatte Macht. Für den haben sie ein eigenes Gefängnis gebaut – und aus dem ist er auch ausgebrochen. Der war so mächtig, den konnte man nicht einsperren. Geld ist Macht“

Puh, da haben es mir die Beiden ja ganz schön gegeben – und ich staune, wie treffsicher junge Männer dem Macht-Begriff auf die Spur kommen. Wo ich tagelang grüble und forsche, wo mir in den letzten Tagen viele „Erwachsene“ schwammige Definitionen bei meiner Suche nach der „Macht“ geliefert haben, demokratisch verwässerte Umschreibungen, freundliche Übersetzungen – da konfrontieren mich diese Jungen so nebenbei mit der brutalen Wahrheit. Es stimmt,  so sind „Jäger nach dem Schlüssel zur Macht“ gestrickt: skrupellos, rücksichtslos, mit viel Lust an Unterwerfung und Herrschaft.

Was tun, wenn man mit Machtmenschen zu tun hat?

Es gibt verschiedene Formen der Machtausübung. Man kann Macht ausüben durch Bedrohung – oder durch Belohnung. Meist arbeiten Machtmenschen mit beiden Schlüsseln. Bestrafen muss man, wenn die Macht der Bedrohung nicht stark genug war – Bestechen, wenn Belohnung nicht reicht.

Ein gutes Beispiel sind Lehrer. Einige Kinder (häufig Jungen) schwärmen vor allem für sehr strenge Lehrer, die die Schüler bedrohen und Angst erzeugen. Wenn diese Lehrer das betreffende Kind loben, bevorzugen, hervorheben – dann fühlt es sich geborgen – der Mächtige ist ihm wohl gesonnen. Das damit verbundene Gefühl der geborgenen Unterlegenheit fühlt sich an wie Liebe.

Eltern haben besonders viel Macht. Ständig stören sie die Wege des Kindes durch Befehle, Mahnungen, Ratschläge und Belohnungen. Das Kind kann seine Ziele (schnell die Straße herunterrennen; Pudding aus dem Kühlschrank essen; sich dem Kindergarten verweigern) nicht durchsetzen –  es muss gehorchen – gegen seinen Willen.

Menschen, die als Kind brutaler Macht ausgesetzt waren, sind häufig besonders anfällig bei der Suche nach dem Schlüssel zur Macht. Sie wünschen sich von Herzen, dass niemand mehr ihre Wege stören soll, sie haben gelernt, dass nur die Starken gewinnen, und sie empfinden Lust dabei, stärker zu sein und bei Anderen die Angst hervorzurufen, die sie selbst als Kind empfunden haben.

Wenn man mit Machtmenschen zu tun hat („Gib einem Menschen Macht, und Du erkennst seinen wahren Charakter“), sollte man nicht versuchen, dagegen anzukämpfen – man kann nur verlieren, denn Skrupellosigkeit ist im Kampf nicht zu besiegen. Ebensowenig sollte man versuchen, still und passiv auf bessere Zeiten zu warten. Es kommen nie von allein bessere Zeiten, da ja der Machthungrige es liebt, Macht auszuüben. Er hört nicht damit auf, nur weil man vor ihm kuscht.

Was kann man denn nun tun?

  • Liebe und Empathie, also Verständnis für den Aggressor, kann die Empfänglichkeit für Bedrohung und Belohnung schwächen. Das ist der erste Schritt.
  • Mutig und offen die Beobachtungen deutlich aussprechen, den wahren Kern benennen und auch die eigenen Ängste offenlegen – zunächst „zur Übung“ gegenüber anderen – später auch gegenüber dem Machthungrigen selbst – das ist der zweite Schritt.
  • Sich eine Alternative suchen und sich so früh wie möglich aus dem Bannkreis des Machtmenschen zu entfernen – das ist der dritte Schritt.

Doch ohne den ersten und den zweiten Schritt ist Flucht nur eine Flucht – und nach der nächsten Ecke kommt der Nächste mit seiner Macht – irgendwann muss man es lernen, sich zu wehren, sonst bleibt an ein Opfer –

…oder wird Täter – oder ist beides…. „Luzi – SITZ!“ 😉

Autorin des Essays über Das Streben nach Macht ist

Eva Ihnenfeldt
PR-Agentur und Social Media Agentur SteadyNews
Rheinlanddamm 201
44139 Dortmund
Tel.: 0231/ 77 64 150
E-Mail: [email protected]

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

steadynews.de

3 thoughts on “Vom Streben nach Macht: Warum Menschen für Macht alles tun würden

  • Reply Tizian C. 7. Juni 2013 at 21:59

    Hoch i teressant und sehr einleuchtend. Vielen dank dafür!

  • Reply Ruth Hanselmann 25. August 2013 at 14:48

    Ihr Artikel hat mir sehr gut geholfen werde ihre Schritte beherzigen und umsetzen vielen dank
    Mit sonnigen grüßen aus Freiburg
    Ruth Hanselmann

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.