Zwischen Wunschbild und Wirklichkeit: 1. Generation Social Media Manager

Christian Spließ, Social Media Storyteller: Händeringend suchen Unternehmen zur Zeit Social Media Manager. Schaut man sich aber die Stellenausschreibungen an so lässt sich fragen: Wissen die Unternehmen wirklich genau, was sie da suchen?

Tippt man den Begriff Social Media Manager in die gängigen Jobbörsen ein, so wird man von der Vielzahl der Stellenausschreibungen fast erschlagen. Ebenso von der Vielzahl der Variationen der Berufsbezeichnung – von Content Manager über Social Community Organiser bis zu Head of Social Media ist alles dabei was irgendwie nur mit der Bezeichnung SOCIAL zu tun hat. Die Chancen eine Stelle zu finden stehen also momentan nicht schlecht bis gut dar. Nur: Unternehmen haben so ihre Probleme damit ihre Anforderungen an den Social Media Manager so zu benennen, dass eine Bewerbung möglich ist.

Diejenigen, die momentan Vorreiter sind, bezeichne ich stets als Sandwich-Generation. Auf der einen Seite haben diese Vorreiter, die erste Generation derjenigen, die das Social Web für sich beruflich entdeckt haben durch das praktische Tun viel Erfahrung, kennen sich gut aus mit allen Tools, finden selbst Pinterest akzeptabel – einigermaßen – sind am Puls der Zeit und könnten ohne Probleme sofort in einer Firma anfangen. Andererseits haben jene, die den Beruf miterfunden haben, nicht die Voraussetzungen die in Stellenausschreibungen gefordert werden und scheitern immer wieder bei dem Versuch, eine Festanstellung im Bereich Social Media Manager zu bekommen.  Sie sind zur Selbstständigkeit gezwungen weil es sonst keine andere Möglichkeit gibt in diesem Bereich Geld verdienen zu können.

Es ist aber auch verdammt schwierig die Erfordernisse eines Unternehmens zu erfüllen: Ausschreibungen für den Social Media Manager klingen häufig nach einem Idealbild, welches überhaupt niemand ausfüllen kann. Da soll man natürlich jung, frisch und dynamisch sein – schließlich können Social Media ja nur die Digital Natives und die sind ja deutlich unter 20. Wer sich, wie ich, an der Universität herumtreibt als Gasthörer wird aber wissen, dass Digital Natives so native gar nicht sind. Facebook ist das höchste der Gefühle wenn überhaupt.

Während wohl Bestrebungen einen richtigen Ausbildungsberuf aus dem Social Media Manager zu machen scheiterten, gibt es Fortbildungen in diesem Bereich aller Orten und Unternehmen, die händeringend Bewerber brauchen. Doch die Anforderungen der einen Seite sind nicht identisch mit dem Können der anderen. Ich lege mal den Hasen in den Pfeffer und behaupte: Die meisten Unternehmen haben immer noch keine Ahnung davon, was sie eigentlich suchen – Hauptsache, es steht in der Stellenausschreibung irgendwas schickes drin, wenn der Platz nicht besetzt wird, ja mei, da kann bestimmt jemand aus der eigenen Firma was machen und Social Media ist eh so eine Mode, brauchen wir uns nicht ernsthaft im Unternehmen mit beschäftigen – aber eigene Facebook-Seite wäre schon schön, macht dann die Praktikantin, die gerade frisch von der Uni kommt, die jungen Leute können das bestimmt.

In Zeiten, in denen Unternehmen Festangestellten kündigen um sie dann – falls sie sich selbstständig gemacht haben – zu einem anderem Satz wieder einzustellen sollte man von der Vorstellung eine Festanstellung zu bekommen sich grundlegend verabschieden. Ab und an gibt es noch das Modell, dass feste Freie übernommen werden – aber das ist realtiv selten im Social Media Manager Bereich. So bleibt also nur das Arbeiten im freien Raum. Vielleicht wäre es endlich an der Zeit mal darüber nachzudenken – auf beiden Seiten – ob das, was man fordert erfüllbar ist…

One thought on “Zwischen Wunschbild und Wirklichkeit: 1. Generation Social Media Manager

  • Reply Siegfried Brzoska 2. Mai 2012 at 12:14

    „Vielleicht wäre es endlich an der Zeit mal darüber nachzudenken – auf beiden Seiten – ob das, was man fordert erfüllbar ist…“
    Alles Neue braucht Zeit, bis sich der praktische Nutzen herausbildet. Gemeinsames Nachdenken kann nicht schaden und gute Beispiele sind hilfreich beim Transport von neuen Erungenschaften.
    In diesem Sinne: Denken, Handeln und Gestalten – ich bin dabei 🙂

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