„Ethisch Wirtschaften“ Warum Wirtschaftsethik an Bedeutung gewinnt – und was das mit Web 2.0 zu tun hat

Wettbewerbe, die sich mit dem Thema Ethik und Wirtschaft beschäftigen, mehren sich. Gerade erst ist das Nürnberger Netzwerk „Zeit für Ethik“ von der Europäischen Kommission beim European Enterprise Awards ausgezeichnet worden – der dm-drogeriemarkt hat den Wettbewerb „Ideen Initiative Zukunft“ gemeinsam mit der Deutschen UNESCO-Kommission gestartet. Brauchen wir eine Förderung von ganzheitlichen Ethik-Projekten? Oder ist es einfch eine Modeeerscheinung und wird sang- und klanglos wieder verschwinden?

Was bedeutet „Ethisch Wirtschaften“?

Beim ethischen Wirtschaften steht der Mensch (bzw. das fühlende Wesen überhaupt) im Mittelpunkt des Konzepts. Ob Mitarbeiter, Kunde, Lieferant, Nutztier, Natur oder Geschäftspartner – entscheidend für ein ethisches Wirtschaften ist die Ermittlung der Bedüfnisse, der Aufbau einer größtmöglichen Unternehmenstransparenz und das Ziel eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten zu schaffen – auch für die Natur…

Ethisches Wirtschaften geht davon aus, dass demokratische Entscheidungsprozesse dem hierarchisch gegliederten Unternehmensaufbau überlegen sind. Ethisches Wirtschaften bemüht sich um Strukturen, die die „Intelligenz der Masse“ konstruktiv nutzen.

Ethisch Wirtschaften heißt, jeden Mitarbeiter mit einzubeziehen in Entscheidungsprozesse, den Kunden mit einbeziehen in die Produktentwicklung, die gesamte Liefer- und Produktionskette ganzheitlich gestalten, um die schwächeren Glieder zu schützen vor Zahlungsausfall und Liquiditätsengpass.

Ethisch Wirtschaften geht davon aus, dass Vertrauen besser ist als Kontrolle, dass Identifikation dem Unternehmen mehr nutzt als Druckanwendung, dass Kunden Respekt und Service schätzen – und dass Kreativität und Freiraum für Ideen Schatzkammern einer gesunden Zukunft bedeuten. Ethisches Wirtschaften heißt, den Menschen nicht „mit Gold aufzuwiegen“ – sondern seinen Bedürfnissen nach Sicherheit, Anerkennung und partnerschaftlichem Miteinander gerecht zu werden.

Was hat Ethisch Wirtschaften mit Web 2.0 zu tun?

Web 2.0 ermöglicht erstmalig in der Menschheitsgeschichte, über das Internet Transparenz und breit gefächerte interaktive Kommunikation zu realisieren. Einige Unternehmen haben diese Chance schon ergriffen – allen voran Google, die ganz selbstverständlich bei jeder Neuerung ihre Kunden und Mitarbeiter mit entwickeln, mitbestimmen und testen lassen, bevor ein Produkt an den Start geht.

Zahlreiche Open Source Programme, Tools und Plattformen sind von einer „ehrenamtlichen“ Community entwickelt worden, um Menschen die Möglichkeit zu geben, Wissen zu geben, Informationen zu erhalten – und sich intensiv und mühelos in Echtzeit Tag und Nacht austauschen zu können.

Gemeinsam werden über die „Cloud“ – also über das Internet, Projekte erarbeitet, weiterentwickelt, optimiert. Jeder gibt freiwillig und ohne finanziellen Vorteil sein Eigenes hinzu, jeder kann mit dem, was er/sie besonders gut kann, an Gemeinschaftsprojekten teilnehmen und so Großartiges schaffen – ohne Druck, ohne Verträge.

Ob Wikipedia, Twitter oder die Blog-Software WordPress – die Welt nimmt es hin und macht sich wenig Gedanken darüber – doch in Wirklichkeit geht hier eine stille internationale Revolution des „Ethischen Wirtschaftens“ vor sich. Geld muss neu definiert werden, Motivation muss neu definiert werden, Demokratie, Transparenz, Respekt und Vertrauen sind Grundvoraussetzungen für diese Wunder, von dem wir alle so selbstverständlich profitieren.

In einer Zeit, in dem „Billionen Dollar“ ganz normale Transaktionszahlen werden und täglich acht Millionen Tonnen Öl ins Meer fließen, in denen niemand mehr versteht, wie unsere Geldwirtschaft und unser Ökosystem überhaupt noch funktionieren können – wächst ein neues Pflänzchen hervor, und viele neue Unternehmen und Unternehmungen entstehen, die ähnlich aufgebaut sind wie virtuelle Web 2.0-Projekte: freilassend, organisch wachsend, in einem demokratischen eigenverantwortlichen selbstbewussten Miteinander.

Der Wettbewerb EEA 2010 (Europäischer Unternehmenspreis)

Alles über die Nürnberger Initiative „Zeit für Ethik“

Alles über den Wettbewerb: „Ideen Initiative Zukunft“

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

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4 thoughts on “„Ethisch Wirtschaften“ Warum Wirtschaftsethik an Bedeutung gewinnt – und was das mit Web 2.0 zu tun hat

  • Reply Harald Bolsinger 13. Juni 2010 at 23:43

    Eine gute Unternehmensethik auf Basis guter Werte ist das Fundament nachhaltigen wirtschaftlichen Handelns. Zukunft braucht Werte – nur so wird sie gestaltbar und bleibt nicht Produkt eines anonymen Marktprozesses.

  • Reply Dorothea Linnenbrink 15. Juni 2010 at 17:25

    Gut, dass man sich wieder Zeit für Ethik nimmt. Das lässt hoffen. Ich freue mich aufs web 2.0 und seine unendlichen Möglichkeiten. Mit jedem Ihrer Newsletter verstehe ich ein wenig mehr darüber. Freue mich auf nächsten Freitag.

    • Reply Eva Ihnenfeldt 15. Juni 2010 at 17:36

      … und Sie werden garantiert eine Unternehmerin sein, die die Prinzipien und ethischen“ Grundsätze des Web 2.0-Zeitalters spielerisch schnell verstehen und umsetzen wird – ich freue mich auch auf nächsten Freitag!

  • Reply Jan Thomas Otte 25. Februar 2011 at 14:01

    Schöne Zusammenstellung! Das man im Web 2.0 Geld verdienen kann und dabei trotzdem noch wahrer Mensch bleiben kann, habe ich auch bei meinen Recherchen erlebt: http://bit.ly/i9FTxT

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