5 Fragen zu Graffiti-Kunst an Philipp Schwingeler

Form-schlüssig: Philipp Schwingeler ist Tischler und Graffiti-Künstler. Anfang 2012 hat er sein eigenes Unternehmen gegründet, und in diesem Unternehmen kombiniert er beide Bereiche: Graffiti-Kunst und Holz. Was genau ist Graffiti? Und woran erkennt man gute Graffiti-Künstler? Was ist das Besondere an dieser „Buchstabenkunst“? Das und noch mehr beantwortet Philipp im folgenden Interview.

SteadyNews: Du bist seit über 15 Jahren mit Graffiti-Kunst verbunden – zunächst mit „nächtlichen Aktionen“ – zwischenzeitlich mit einem Unternehmen, das Graffiti nicht nur sprüht – sondern auch in Holz umsetzt – warum? Was fasziniert Dich an Tags und Style-Writing?

Philipp: Begonnen hat alles damit, dass mich als Heranwachsender das Illegale an der GraffitiKunst gereizt hat. Der Reiz war sehr hoch etwas zu tun was nicht erlaubt war. Mit der Zeit verschwand die Lust am Illegalen, weil mir nach einigen Kontakten mit den Ordnungshütern bewusst wurde, dass es das nicht wert war, sich sein Leben damit zu verbauen.

Ich verbrachte somit viel Zeit an legalen Wänden und merkte schnell, dass man mit Graffiti auch Geld verdienen kann, da mich immer mal wieder Leute ansprachen, ob ich ihre Garage etc. verschönern könnte. Ich hatte also gemerkt, dass man mit Graffiti besser Geld verdienen sollte, als dafür Unsummen bezahlen zu müssen. Ich wollte immer besser werden und versuchte meinen Style immer mehr zu verfeinern. Für mich war es immer wichtig so viele Farben wie möglich in einem Bild zu verbinden. Ich verbrachte einen Grossteil meiner Freizeit mit Graffiti.

Graffiti begleitet mich seit dem stets. Auch neben der Ausbildung und neben dem Studium versuchte ich immer Zeit zu finden mein Hobby nicht einschlafen zu lassen und es ergaben sich auch immer wieder Aufträge. Bekannte und Freunde fragten mich häufig, warum ich mein Hobby nicht zum Beruf machen würde, aber das war mir zu diesem Zeitpunkt noch zu unsicher, da es mittlerweile viele Künstler gab, die sich ihren Lebensunterhalt mit Graffiti-Aufträgen verdienten.

Mit dem Beginn des Studiums musste ich aus finanziellen Gründen wieder ins elterliche Haus ziehen, da ich keinen Anspruch auf Bafög hatte.  In diesem Zusammenhang baute ich mein Bett selbst. Bei diesem Projekt fiel Restholz an, welches ich in einen Graffiti-Schriftzug umsetzte und an mein soeben montiertes Bett anbrachte. Zu diesem Zeitpunkt entstand der Grundgedanke meiner jetzigen Arbeiten. Ich hatte das Graffiti aus der Wand „geholt“ und an mein Bett montiert. Mir wurde klar, dass Graffiti nicht nur aus der Sprühdose entstehen muss.

Ich wollte aus der Zweidimensionalität an der Wand in die „fassbare Dreidimensionalität“.

Nun hatte ich für mich eine weitere Möglichkeit gefunden Graffiti-Kunst entstehen zu lassen. Der Gedanke ließ mich während der gesamten Studienzeit nicht mehr los und ich absolvierte nach beenden des Studiums eine Tischlerlehre, um einen genaueren Blick in die Arbeit mit Holz zu bekommen.

Ich hatte etwas gefunden, was die Leute noch nicht kennen und was eine neue Art der Darstellung von Graffiti-Kunst bedeutet. Es wird die Möglichkeit eröffnet die Graffiti-Kunst „begreifbar zu machen“.
Und diese Sache war immer schon das, was mich an der Graffiti-Kunst faszinierte. Die Menschen sehen Dreidimensionale Schriftzüge auf Zweidimensionalem Untergrund.
Ich gebe ihnen nun die Möglichkeit das Zweidimensionale zu verlassen um den Schriftzug von allen Seiten begutachten und betrachten zu können. Ich kann mich nun unter anderem weiter mit der Entwicklung meines Styles befassen.

SteadyNews: Was sind die Grundzüge des Style-Writings, das Du ja jetzt auch in Holz umsetzt?

Philipp: Der Unterschied zum „Bombing“, bei dem der Writer versucht so oft und so schnell wie möglich seinen Namen zu verbreiten, was auch eigentlich im Hauptfall illegal passiert, besteht beim Style-Writing darin, dass hier die Ästhetik des Buchstabens oder auch des Schriftzuges im Vordergrund steht. Beim Style-Writing entstehen häufig sehr aufwendige „Wandproduktionen“, bei denen aufwendige Hintergründe und Farbkompositionen mit einfließen, wobei der Style immer im Vordergrund steht. Der Writer versucht immer weiter seinen „Style“ auszuarbeiten und ihn zu verbessern. Dabei versucht er immer andere Varianten der Darstellung seines Graffiti-Pseudonyms (seines Styles). Hier wird etwas verändert, der Balken an dem Buchstaben wird verlängert etc.. Dem Writer sind keine Grenzen gesetzt seinen Style zu verbessern und zu bearbeiten. Das eigentliche Style-Writing befasst sich also gerade mit der Ästhetik der Buchstaben.

SteadyNews:  Warum hast Du Dich überhaupt für Holz entschieden und bist vom Sprayer zum bildenden Künstler geworden? Was fasziniert Dich an Holz und welche Holzarten verwendest Du?

Philipp: Ich wollte, wie schon kurz in Frage 1 angeschnitten, immer schon aus der Zweidimensionalität der Graffiti-Kunst weg und habe immer darüber nachgedacht wie man die Graffiti-Kunst mit anderen Medien darstellen kann und besser „begreifbar machen“ kann. Da bin ich auf den Werkstoff Holz gestoßen. Er lässt sich gut bearbeiten und vor allem ist es ein natürlicher Werkstoff. Holz ist sehr vielseitig und es lässt sich gut mit anderen Werkstoffen kombinieren, wie z.B. Glas, Metall oder Stein.

Außerdem ist Holz meiner Meinung nach ein sehr edler Werkstoff und er lässt sich dementsprechend auch sehr schön in Szene setzen. Ich kann Holz lackieren, ölen, oder auch unbehandelt lassen und es hat immer eine schöne und edle Wirkung.

Was mir wichtig ist, dass bei der Auswahl des Holzes auf die Herkunft des Holzes geachtet wird. Letztendlich ist es die Entscheidung des Kunden, nur bin ich der Meinung, dass Hölzer Europäischer Herkunft eine bessere und nachhaltigere Entscheidung sind. Bei meinen Arbeiten ist es in keinem Falle nötig z.B. Tropenholz zu verwenden. Es besteht immer eine Auswahlmöglichkeit und ich beschränke mich daher ausschließlich auf Hölzer europäischer Herkunft.

SteadyNews:  Für welche Bereiche eignet sich Graffiti im privaten Umfeld? Wo kommen die Buchstaben und Schriftzüge besonders gut zur Geltung? Was für Projekte hast Du schon in Holz umgesetzt?

Philipp: Im Prinzip lässt sich Graffiti-Kunst in allen Bereichen des privaten Umfeldes sehr schön einsetzen, um ein harmonisches Ambiente zu erzielen. Das Ganze ist immer nur eine Frage der Umsetzung. Das Einbeziehen des Wohnumfeldes ist eine wichtige Sache, um die Arbeit gut wirken zu lassen. Beim Graffiti in Lack sind die  Möglichkeiten sehr groß, weil fast alles mit Hilfe der Dose dargestellt werden kann. Wird das Ganze zu klein besteht immer noch die Möglichkeit auf Schablonen-Technik, Abklebe-Technik, oder Airbrush zurückzugreifen, um filigraner arbeiten zu können.

Bei den Holzarbeiten ist es etwas anders, da es sich hier nicht um eine Leinwand oder eine Wand handelt, die einfach nur besprüht wird. Beim Holz wird es sich auf Formen und Schriftzüge beschränken. Um eine andere Art der Darstellung des „Styles“ halt. Diese kann natürlich mit Lack, oder Farbe ergänzt werden.Aber auch hier ist es einfach nur wichtig, wie die Umgebung vom Künstler miteinbezogen und vor allem berücksichtigt wird.

Von daher ist die Frage, wo die Schriftzüge und Buchstaben besonders gut zur Geltung kommen recht einfach zu beantworten. Meiner Meinung nach kann Graffiti-Kunst, richtig eingesetzt, an jeder Stelle des privaten Umfeldes gut zur Geltung kommen und dieses verschönern und bereichern.  Das Gleiche gilt natürlich auch für das geschäftliche Umfeld wie Büros, Läden etc..

Zur Zeit arbeite ich an reinen Graffiti-Schriftzügen in Holz, im Zusammenspiel mit anderen Materialien. Nebenbei arbeite ich seit einiger Zeit an einer Skulptur, bei der ich einen Schriftzug in 40mm Multiplex, auf 120mm aufgedoppelt habe, der als reine Stand-Skulptur dienen soll.

Davor habe ich Regale für Schallplatten, CD’s und Bücher entworfen und umgesetzt.
Zwei Betten wurden auch schon entworfen und gebaut.
Alle bisherigen Arbeiten sind unter anderem auf meiner Homepage
( www.form-schlüssig.de ) zu betrachten.

SteadyNews:  Wie kann man Dich kennen lernen? Gibt es die Möglichkeit, Deine Arbeit zu besichtigen? Beteiligst Du Dich auch an Ausstellungen?

Philipp: Die Möglichkeit mich kennenzulernen besteht natürlich immer. Innerhalb der Woche bin ich, soweit kein anderer Termin ansteht, in meinem Atelier in Dortmund Kirchlinde anzutreffen, in dem auch eine Auswahl meiner bisherigen Arbeiten ausgestellt ist. Wer mich kennenlernen möchte und meine Arbeiten besichtigen möchte, möge doch einfach per Telefon, oder per Mail einen Termin mit mir vereinbaren.
In naher Zukunft wird auch monatlich ein Tag des offenen Ateliers angeboten werden, an dem der Interessierte die Möglichkeit bekommen wird, mich und meine Arbeiten kennenzulernen. Dieser monatliche Termin wird dann über meine Homepage bekanntgegeben.

Im Juli besteht außerdem die Möglichkeit mich auf dem Juicy-Beats Festival im Dortmunder Westfalenpark an meinem Stand zu besuchen.
Im September werden außerdem zwei weitere Termine stattfinden bei denen ich auch mit meinen Arbeiten anzutreffen sein werde.
Über Termine jeglicher Art werde ich Interessierte immer über meine Homepage auf dem aktuellen Stand halten.

Mit freundlichem Gruß
Philipp

Für diejenigen deren Interesse geweckt worden ist, hier meine Kontaktdaten:
Form-Schlüssig
Philipp Schwingeler
Hangeneystrasse 90
44379 Dortmunder
0176/31232504
[email protected]
www.form-schlüssig.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

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2 thoughts on “5 Fragen zu Graffiti-Kunst an Philipp Schwingeler

  • Reply Christopher 7. September 2013 at 23:12

    Echt ein Super Bericht. Endlich mal ein Bericht von seiten des Künstlers und die Idee und vor allem die Umsetzung mit dem Holz genial.

    • Reply Eva Ihnenfeldt 8. September 2013 at 09:37

      Und Philipp entwickelt sich ständig weiter – ungöaublich, wie seine Kunst wächst und sich ausbreitet…

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