Home / Hintergrund / Utopia – Von Visionären, Ingenieuren und Künstlern

Heute hatte ich das Glück, Andreas Steinle, Geschäftsführer des Frankfurter Zukunftsinstituts, als Speaker in Wuppertal bei ZENIT erleben zu können. Sein Vortrag über „Cross Innovations“ war dermaßen inspirierend, dass ich anschließend nachgedacht habe über den Zusammenhang zwischen Künstler-Sein, Ingenieurskunst, Schuldgefühlen und dem Recht auf ein glückliches erfülltes Leben.

Steinle betonte in seinem überaus spannendem Vortrag, wie wichtig es wird, die kreative Kraft des Künstlers mit der

Jede Innovation ist Segen und Fluch zugleich? pixabay/ geralt

Jede Innovation ist Segen und Fluch zugleich? pixabay/ geralt

technischen Kraft der Erfinder, Handwerker und Ingenieure zusammenzubringen. Auch ich bin der Überzeugung, dass technische Neuentwicklungen nur dann Bestand haben, wenn die Menschen sie annehmen. Und Menschen nehmen Fortschritt viel leichter an, wenn sie einen emotionalen Zugang finden – wenn sie eine Beziehung entwickeln und ein Ding als schön, edel und vertraut begreifen.

So Vieles ist möglich! Es ist kein Naturgesetz, dass der Mensch Unmengen von schädlichem „Müll“ produziert und sich selbst als schlimmsten Schädling unseres Planeten empfindet. Es ist auch kein Naturgesetz, dass Enthaltsamkeit und Verzicht Voraussetzung sind, um einen gesunden Planeten zu erschaffen, auf dem es allen fühlenden Wesen gutgeht.

Steinle zeigte Beispiele von technischen Innovationen, die den Kreislauf von innovativer Schöpfung (kreative Verknüpfungen erstellen, die es zuvor noch nie gegeben hat), Energiespender, ökologischem Wert – und Spaß! miteinander verbinden. So wurde in Dänemark ein Müllheizkraftwerk entwickelt, das gleichzeitig den Bewohnern als Skipiste dient. Klar, dass die Bevölkerung einem solchen Kraftwerk aufgeschlossen gegenüber ist… Er zeigte Flugzeugsitze, die funktional, in Massen herstellbar – und essbar sind. Strommasten, die als Kunstwerk die Natur nicht verschandeln sondern diese in raffinierter schlichter Spiegeloptik verschönern.

Lasst uns doch ruhig wagen, Genuss, Spaß und Freude an der Verschwendung zu erträumen. Lasst uns urban genug denken, um auch dem Bauern auf einem andere Kontinent seinen Luxus zu gönnen. Statt giftig zu produzieren und Tiere zu quälen, lasst uns überlegen, wie wir all unsere Wünsche durch kreative, menschenzugewandte, konstruktiv ausgerichtete Ingenieurskunst erfüllen können!

Warum nicht wagen, den Menschen von seinem Schuldkomplex zu befreien und ihm zurufen: „Es ist gut für Mutter Erde, dass es Dich gibt! Dass Du ein denkendes Wesen mit Wünschen und hochstrebenden Zielen bist, dass Du gern ein gutes Leben führst mit all dem, was Du Dir erträumst!“ Warum nicht Mut machen, aus Spaß zu arbeiten und Neues zu erschaffen, dass es zuvor noch nie gegeben hat!

Veredelung und Müllvermeidung

Veredelung und Müllvermeidung sind zwei Schlüssel, die dieses neue Denken antreibt und die schon Einiges an Wundern realisiert haben. Müllvermeidung kann nämlich auch dann passieren, wenn viel produziert wird! Es kommt einfach auf die Stoffe an, aus denen wo, wann und wie produziert wird. Fließen diese Produkte wieder in den Kreislauf von Energie – Produktion – Transport – Verbrauch – Recycling – Energie mit ein, kann ein schuldfreies Leben möglich werden.

Ich höre schon wie sich einige Leser jetzt ärgern. Wir haben moralisch Probleme damit Spaß und Genuss als Lebensinhalt zu akzeptieren. So wie in jedem Advent die Kirchen jammern über Verschwendung und Konsum – und diese Freude am Schönen überziehen mit „Sünde“ und der Strafandrohung einer untergehenden Welt.

Steinle zeigte auch, wie selten weltweit führende Unternehmen 70 Jahre später noch Bedeutung haben. Wie groß die Gefahr des Erfolges ist, da Erfolg die Kreativität und den Hunger nach abenteuerlichen Wagnissen und fairen Kooperationen auffrisst.

Wir leben heute in einer Welt der Daten und Informationen. Wie groß diese Veränderung ist, wird unseren Kindern wohl erst in hundert Jahren rückblickend so richtig klar. Wir müssen keine Bäume mehr fällen um Bücher und Zeitungen zu lesen. Wir können allein mit unserem Smartphone so Vieles individuell und passgenau in Echtzeit empfangen und senden, dass ohne viel Energie- und Zeitaufwand ein Luxus möglich ist, den wir vor zwanzig Jahren noch nicht einmal zu denken gewagt haben.

Veredelung heißt die Aufgabe in dieser neuen Welt, in der Software und Informationen die Hauptrolle spielen. Natürlich können wir uns auch für den destruktiven Weg entscheiden, können versuchen, alles zu kontrollieren, zu manipulieren, und Besitzstandsrechte zu verteidigen – wenn nötig mit Gewalt. Doch schon jetzt sieht man an den hilflosen Versuchen von autoritären Regimen, das Internet zu bändigen, wie aussichtslos dieses Unterfangen ist.

Vernetzungen lassen sich nicht mehr stoppen, der Mensch wird urban autark. Auch die Menschen, die aus Überzeugung nur regionale Ware einkaufen, weil sie ihre geographische Nachbarschaft als Beziehung empfunden, werden über das Internet und andere Medien Sympathie aufbauen zu dem kreativen Bauern aus Ghana, der seine wunderschönen landwirtschaftlichen Erzeugnisse ins Netz stellt. Oder sie wünschen sich die Mode einer koreanischen jungen Modeschöpferin, die herrliche Stoffe in ihrem Kinderzimmer bei den Eltern verarbeitet und über soziale Netzwerke verkauft.

Transport verschandelt die Umwelt? Lasst uns kreativ denken und forschen, um abgasarme Transportmittel zu nutzen, die etwa als Drohnen nicht ausgeschickt werden um Menschen zu töten, sondern um Handel zu treiben – vielleicht sogar ganz direkt von Mensch zu Mensch!

Ein Recht auf gutes Leben…

Der Mensch soll nur ein Recht auf gutes Leben haben, wenn er sich schindet? Warum nicht mal groß denken und sich mit der Idee des dm-Gründers und Milliardärs Götz Werner beschäftigen, der nun als „Rentner“ die Vision des bedingungslosen Grundeinkommens beharrlich verfolgt.

Warum nicht in ganz kleinem Rahmen ein „Dorf“ erfinden, das genau das lebt, was wir uns erträumen könnten? Warum nicht Spaß, Schuldfreiheit und Akzeptanz als Grundalge „üben“ und wissenschaftlich begleiten? So wie es viele kleine ökologische Gemeinschaften gibt, könnte man doch ein „industriell-kreativ-innovatives“ Dorf aus Ingenieuren, Künstlern, Trendsettern und Handwerkern wagen, ein Dorf, in dem auch viele andere Menschen leben, die dann die Produkte testen, verschwenden, die das Ihre im ökologischen Kreislauf hinzufügen.

Ein Utopia? Mag sein, aber sehr gern würde ich das Megaphon sein eines solch wissenschaftlichen Experiments, würde schreiben, filmen, fotografieren und begleiten, damit die Welt neugierig wird und nach und nach Vertrauen gewinnt. Denn ohne Öffentlichkeitsarbeit kann Cross Innovation nicht funktionieren. Nur wenn man transparent kommuniziert, vernetzt, begeistert, Talente anzieht und die Phantasie weckt, hat so ein Dorf eine Überlebenschance als Vorbild.

Marketing_ist_Recht_auf_Glueck

 

Über Eva Ihnenfeldt

Als Expertin für Social Media Marketing berät und begleitet Eva Ihnenfeldt Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien - und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Eva Ihnenfeldt - Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: e.ihnenfeldt@gmail.com

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