Petition „Bedingungsloses Grundeinkommen“

Seit Dezember 2008 gibt es die Möglichkeit, im Internet auf der Seite „Epetitionen“ des Deutschen Bundestags eine Petition zu unterzeichen, die das bedingungslose Grundeinkommen für uns alle fordert. Ich habe jetzt auch unterzeichnet – als Nummer 13.097 – zehn Minuten später waren es schon 13.099… Warum ich unterzeichnet habe? Nun weil…

… ich denke, dass uns dieser ganze Hartz IV-Mist so in die Enge getrieben hat, dass so ein Grundeinkommen die einzige Möglichkeit ist, sich da wieder einigermaßen elegant aus der Affäre zu ziehen. Was dieser Apparat kostet, ist zum Heulen. Das wenigste Geld geht ja für die eigentlich Leistungen drauf! Was so wirklich unendlich viel Geld schluckt, ist die Verwaltungs, „Forder- und Fördermaschinerie“.

Fast alle Dozenten, die ich kenne, und die sich in den letzten Jahren selbständig gemacht haben, landen früher oder später bei der „Förderung“ von Hartz IV-Empfängern; mit Bewerbungstrainings, Profil-Analysen, Motivationsseminaren, Computerkursen und „Styling-Kursen“. Für 18 bis 20 Euro die Stunde müssen diese Dozenten vor völlig unmotivierten resignierten perspektivlosen Lebens-Müden die Zeit herumbringen. Furchtbar.

Dazu kommen unendlich viele Sachbearbeiter, die mal Sozialarbeit studiert haben, und die jetzt mit Zeitverträgen so unter ihrer würdelosen Tätigkeit leiden, dass  – einer Studie nach – mehr als die Hälfte unter Schlaflosigkeit und anderen Krankheitserscheinungen leidet. Furchtbar.

Von den vielen Arbeitsplatzvernichtungsprogrammen ala 1-Euro-Jobs und Niedriglohnjobs, die sich genau an Hartz IV orientieren (ich glaub, da ist man bei etwa 7,20 Euro Std.) ganz zu Schweigen.

Ach, könnte man doch die Uhr zurückdrehen!  Kann man aber nicht. Früher gab es Arbeitslose, Langzeitarbeitslose und Sozialhilfeempfänger. Diese letztere Gruppe waren Menschen, die allein nicht klarkommen, z.B. aus Suchtproblemen, oder aus allen Sozialnetzen herausfallen z.B. alleinerziehende Mütter ( 👿 ). Für die wurde gesorgt, sie bekamen Kleidergeld; Ersatz, wenn die Waschmaschine kaputtging; und sogar ein bisschen Weihnachtsgeld. Langzeitarbeitslose hingegen erhielten Arbeitslosenhilfe -hatten also sehr wenig Geld, waren aber vom sozialen Status her mit „Kurzzeit-Arbeitslosen“ gleichgestellt.

Jetzt, über Nacht, seit 2005, hat Deutschland ein Drittel Sozialhilfeempfänger!  Wie kann sich ein Land dermaßen selbst schaden – ohne ersichtlichen Grund! Das alles ist nicht nur gemein, – es ist auch schrecklich teuer!

Ich habe mal einen Vortrag gehalten über Vor- und Nachteile des bedingungslosen Grundeinkommens. Die Gefahr, dass viele Leute darin versacken, dass die Arbeitsmoral sinkt und die Disziplin nachlässt, ist groß. Wenn keiner mehr Lust hat, morgens um 4.00 Uhr Brötchen zu backen, gibt es bald keine Brötchen mehr. Vom Tiere schlachten und entbeinen für 7,20 Euro Std. mal ganz abgesehen…

Aber ich fürchte, wir müssen das Experiment wagen. Einfach, weil es billiger ist. Weil es würdevoller ist, und weil Hartz IV sowieso dazu geführt hat, dass Arbeitsunwillige Nischen gefunden haben, sich ein bequemes, langweiliges Leben vor dem Fernseher oder PC einzurichten – während andere, arbeitswillige, gestriezt und gedemütigt werden.

Die Höhe des Grundeinkommens finde ich ehrlich gesagt zu hoch: 1.500 Euro für jeden Erwachsenen und 1.000 Euro für jedes Kind – das ist irre. Das führt nur zur Inflation. Aber Hartz IV plus Krankenversicherung, also pro Erwachsenen 750 Euro (Miete zahlen muss dann aber selbst), und pro Kind  450 Euro, das ist ok – und billiger als das jetzige System. Und was man dazuverdient, ist jedem persönlich freigestellt.

Falls noch jemand unterzeichnen möchte: 13.174 sind es jetzt, während des Schreibens – geworden. 175 sind in 30 Minuten dazugekommen – das ist einmalig in der deutschen Petitions-Geschichte. Mir persönlich als voll allen Risiken ausgesetzte Unternehmerin täte man einen ganz persönlichen Gefallen – gerade sprach ich noch mit einer Designerin, seit 1992 selbständig, die genau so wie ich die Frage der Rente erfolgreich verdrängt.

Und ich habe schon viele Selbständige erlebt, die von einem Tag auf den anderen vom Erfolgreichen zum Gescheiterten wurden – da wäre so eine Grundabsicherung wirklich angebracht – und würde ganz gewiss keinen Faulheits-Schub auslösen… 😉

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

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