Ist Schul-Mobbing eine der größten Gefahren für psychische Probleme im Erwachsenenalter?

Wir alle haben wohl in unserer Kindheit erlebt, dass Schüler/Innen in unserer Klasse gemobbt wurden. Allerdings werden diese Demütigungen, Bedrohungen und Gewalttaten erstaunlich häufig nicht wahrgenommen, wenn man selbst nicht zu den Tätern, Opfern oder stillschweigenden Beobachtern gehört. Erst seit den neunziger Jahren  gibt es verstärkt Forschungen zu dem gesellschaftlich relevanten Thema. Demnach ist das Risiko für emotionale Probleme im Erwachsenenalter sogar viermal größer als bei Missbrauch von Erwachsenen im Kindesalter.

Bild von Htc Erl auf Pixabay

So wurde in Finnland bei einer landesweiten Studie ermittelt, dass 20 Prozent der gemobbten Kinder als Teenager oder im jungen Erwachsenenalter schwerwiegende psychische Probleme entwickeln. Bei zehn Prozent wird eine psychiatrische Diagnose gestellt, wenn die ehemals Gemobbten in den dreißiger Jahren sind.

In Großbritannien gibt es Untersuchungen, die darauf hinweisen, dass gemobbte Kinder sogar eine 60 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit aufweisen, Störungen wie Angst, Depression und Schizophrenie zu entwickeln. Auch Suizide im Kinder- und Jugendalter sind nicht selten auf Mobbing-Erfahrungen zurückzuführen.

Gemobbte Kinder zeigen häufig schlechte schulische Leistungen und brechen die Schule häufiger ohne erfolgreichen Schulabschluss ab. Das Selbstwertgefühl geht bei Kindern, die von Gleichaltrigen verlacht und verachtet werden, verständlicherweise in den Keller. Weiterhin gibt es Folgen wie Drogenmissbrauch, Essstörungen, Kriminalität, Missbrauch und Gewalt. Bei den meisten Schießereien an Schulen ist der Täter selbst Mobbingopfer gewesen.
paracelsus-recovery.com – Mobbing in der Kindheit und langfristige psychische Gesundheitsprobleme

Cybermobbing

Durch die erweiterten Möglichkeiten, schwächere, fremdartige und unbeliebte Kinder zu mobben, indem man sich auch außerhalb der Schulumgebung mittels digitaler Kanäle über sie erheben, sie schmähen, verunglimpfen und verspotten kann, steigt der zerstörerische Wahnsinn weiter. Statistiken belegen, dass jeden Tag in Deutschland drei Kinder Suizid begehen. Häufig ist Mobbing durch Gleichaltrige der Grund für diesen grausamen Schritt.

Wer sind die Mobber?

Falsch wäre es, die Mobber als Schuldige zu bezeichnen und diese zu betrafen. Erfahrungen zeigen, dass durch eine solche autoritäre Vorgehensweise sich das Mobbing sogar noch weiter verschlimmert. Außerdem braucht jedes soziale System anscheinend Anführer/Innen, Mittäter, lauernde Konkurrenten, passive Unterstützer und schweigende Beobachter.  

Bestraft man die Anführer, werden die Positionen in Unordnung gebracht – was meist zu Verschlimmerungen der Gewalt führt. Besser ist es, die Anführer/Innen auf Augenhöhe anzusprechen und mit ihnen gemeinsame Lösungswege zu erarbeiten, die das unmenschliche Mobbing der „Außenseiter“ beendet. Eins ist klar: Die Täter schätzen Macht, genießen Unterdrückung und Kontrolle und brauchen die Anerkennung ihrer Mitschüler.
bpb: warum wird jemand zum Mobber?

Auch im Tierreich gibt es Mobbing. Zum Beispiel ist bei Menschenaffen die Ausgrenzung von Schwächeren und Verhaltensauffälligen ein häufiges Phänomen. Anführer und Anführerinnen sehen es häufig als ihre Aufgabe an, die Gruppe vor denen zu schützen, die sich nicht „angemessen“ einordnen können in eine ihnen zugewiesene Rangposition.

Ob in Unternehmen, in Vereinen, in politischen oder sozialen Organisationen… Immer gibt es Führende, die über die gesellschaftliche Ordnung wachen, um zum einen die eigene Führungsrolle zu bewahren, und um für Zufriedenheit und Sicherheit im Zusammenleben zu sorgen. Zeigen sie keine Autorität, werden sie womöglich nicht mehr ernst genommen von der Gruppe, die sie leiten wollen und müssen.

In unserer urbanen Welt, die an das Mäuseexperiment „Universe25“ Anfang der Siebziger Jahre erinnert (ein Mäuseparadies, das aufgrund von Überbevölkerung entartet) ist Mobbing anscheinend ein kaum vermeidbares Massenphänomen.

Doch auch das menschliche (und technologische) Wissen von uns Menschen steigt. Auch im urbanen Raum kann die Ausgrenzung von Schwachen und Andersartigen durch pädagogische und systemisch/therapeutische Begleitung transformiert werden. Wir Menschen haben die Fähigkeit dazu, die Schwachen zu schützen. Also Augen auf und friedlich nach Lösungswegen fahnden. Nur einfach so stehen lassen dürfen wir das Schicksal gemobbter Kinder auf keinen Fall.

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

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