M-eine Definition von BigData: Das Ende des Vergessens…

Bevor ich mich beruflich ernsthaft positioniert habe, habe ich ganz schön viel erlebt. Rückblickend könnte ich ein Buch schreiben über meine Abenteuer, die in Hinblick auf „gesellschaftskonform“ und „reputationsfördernd“ nicht gerade ein Hingucker sind. Wäre ich Präsidentschaftskandidatin, wäre ich sicher mit einigen Stories ganz gut erpressbar… Doch gottseidank gab es ja noch kein Internet! Wenn ich mir etwa vorstelle, es wäre ein Foto von mir auf Facebook, auf dem ich (damals schon zweifache Mutter) unseren Außenminister mit Ketchup bewerfe und noch nicht mal treffe – ojeoje…

„Im Dunkeln ist gut Munkeln“ gehört zwar wahrlich nicht zu meinen Lieblingssprichworten, doch ich muss zugeben, dass ich nicht so unbefangen hätte leben und ausprobieren können, wenn es damals schon BigData gegeben hätte. Selbst wenn ich davon ausgehe, dass niemand meiner Bekannten und Freunde Partyfotos mit langhaarigen Hippies, entlaufenen Jugendlichen und Hausbesetzern gepostet hätte, blieben E-Mails mit verfänglichen Inhalten, private Nachrichten auf WhatsApp und Kontaktlisten, in denen sich sehr verdächtige Subjekte befunden hätten. Man wüsste welche Bücher ich gelesen habe und welche Musik ich hörte – ojeojeoje…

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Frankreich-Urlaub mit Künstlern aus Paris, seufz, das war schön…

Was passiert jetzt mit einer Jugend, die sich entscheiden muss für ein gesellschaftlich erwünschtes Leben, bevor sie überhaupt die andere Variante ausprobieren konnte? Was wird aus Menschen die schon mit 14 Jahren überlegen, ob eine Schulklassenfreundschaft mit den Außenseitern schädlich sein kann für die spätere Karriere als Manager oder Jurist? Was wird aus einer Welt, in der die Jugend nicht mehr durch Rebellion und Aufruhr neue Impulse setzt, weil sie Angst haben vor Konsequenzen – zig Jahre später!

Big Data – das Ende des Vergessens

Selbst wenn Facebook unsere Suchchronik nach außen löscht, selbst wenn Google Suchergebnisse unsichtbar werden lässt – nach innen bleibt alles erhalten – wird nichts vergessen. Keine Handynummer von einem moslemischen Schulkameraden, der viele Jahre später in Verdacht gerät, kein Partybild mit einer Jurastudentin, die irgendwann in den Untergrund geht, keine Liebesbeziehung zu einem Jungen, den es in die Naziszene treibt – alles bleibt – die Jugend von heute lebt von Kindheit an unter „Generalverdacht“ – ojeojeojeoje…

Schon jetzt wird einem jungen Musiker die Einreise in die USA verweigert, weil er verdächtige E-Mails mit Bars in den USA ausgetauscht hatte (Verdacht auf bezahlte Jobs). Oder einer Au-Pair Kandidatin, die per privater Facebook-Nachricht verraten hatte, dass sie auf die Kinder der US-Familie aufpassen wird, also ebenfalls Verdacht auf verbotene Jobs. Nur zwei Beispiele von vielen, wenn man „Einreise USA verweigert“ googlet findet man noch viel mehr Fälle – z.B. wegen irgendwelcher Tweets auf Twitter…

Ich bin sehr gespannt wann sich der Widerstand aufbäumt, und die Jugendlichen nicht länger bereit sind, stromlinienförmig die köstlichsten Zeiten ihres Lebens zu verpassen. Ich fürchte wir müssen tatsächlich so lange warten bis sie überkochen, oder die 50-plus „Wutbürger“ müssen die Rolle der Jugend übernehmen und sich als humpelnde Stellvertreter gegen die allgegenwärtige Staatsmacht wehren – und die Jugend retten – also ich bin sofort dabei!

Darf ich das schreiben? Reicht dieser lächerliche Blogartikel, um mich verdächtig zu machen? Ach, da denke ich an den chinesischen Künstler Ai Weiwei und freu mich meines Lebens – und meines fortgeschrittenen Alters. Was soll mir noch passieren? Ich habe keine Angst.

Big Data: Das Ende des Vergessens und die „Weltherrschaft“ der Geheimdienste können mich nicht schrecken. Und ich bin sicher dass der vorauseilende Gehorsam der heutigen Jugend früher oder später kippen wird. Nur Geduld, Geduld, lange geht so eine „Weltherrschaft“ nie gut, da bin ich sicher.

Bis dahin: Arme arme an Langeweile und Gehorsam erstickende Jugend… Danke Julia Engelmann, die diese stille Verzweiflung so meisterlich melancholisch auf den Punkt gebracht hat – eine literarische Hymne der Generation Y…

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

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