„Social Media Marketing Praxis 2012“: Buch Kapitel 2 – Web 2.0

Eva Ihnenfeldt: Die Web 2.0- Bewegung nimmt seinen Lauf…Wir haben uns daran gewöhnt, dass im Internet alles „umsonst“ ist – doch es hätte auch anders kommen können. Das Fatale: Wir zahlen kein Geld für Content, doch wir zahlen mit unseren Daten!

Die Suchmaschine ist der Motor für das Web, ohne Suchmaschine ist Internet nicht denkbar. Die Philosophie von Google als weltweit dominierende Suchmaschine hatte weitreichende Folgen für die Entwicklung, die daraufhin das komplette Netz überzog. Programmierer, Studenten und Experten, die nach den gleichen Prinzipien verfuhren wie Google, konnten sich vernetzen, austauschen, verbreiten.

Web 2.0 ist ein Schlagwort, dass man am besten mit “Mitmachnetz” übersetzt. Interaktiv, in der Web-Architektur auf das Notwendigste reduziert, einfach in der Anwendung, von überall erreichbar.

Wikipedia, Mozilla mit Firefox, Linux, WordPress für Weblogs, kostenlose Content-Management-Systeme wie Joomla und Typo3, Flickr, YouTube, Twitter… plötzlich wuchs ein Wald aus kostenlosen Errungenschaften, erdacht und weiterentwickelt von weltweit vernetzten Experten, die einfach aus Freude arbeiteten, OHNE Gewinnabsichten und ohne dem Anspruch von Urheberrecht und Besitz. Zwar wurde aus den anfänglichen Opens Source Projekten (Projekte mir „Freier Software“) meist bei Erfolg ein Geschäftsmodell, doch der Grundgedanke blieb erhalten: Komm und nutze es kostenlos – solange Du es nicht professionell in größerem Rahmen tust.

Ein Geschenk an alle, einfach so

Wir nehmen es so hin, dass wir unsere Websites auf hochkomplexen Systemen kostenlos aufbauen können, dass wir mit Wikipedia arbeiten – und die Beiträge kopieren dürfen (!), dass wir unsere Fotos über Flickr verwalten können, ohne etwas dafür bezahlen zu müssen – und der Firefox-Browser ist beliebter als der kommerzielle Internet Explorer (der natürlich bei der starken Konkurrenz auch kostenlos wurde, ebenso wie Bing als Suchmaschine), weil er so gut ist!

Web 2.0 und Social Media

Nun nähern wir uns dem Kernproblem: auf der einen Seite haben wir also ein webbasiertes System, dass mit Großzügigkeit, Transparenz, Aufrichtigkeit und Authentizität arbeitet, auf der anderen Seite haben wir die vielen gewinnorientierten Unternehmen, die natürlich sehr gern kostenlose Errungenschaften nutzen, um Kunden zu gewinnen und zu binden. Social Media ist die Anwendung des interaktiven “Mitmachnetzes” im Business, und vor Allem die Kostenlosigkeit und die “virale” Verbreitung wird geschätzt.

Social Media und Werbung

Am liebsten würden die meisten traditionellen Unternehmen einfach ihre Werbebotschaften einstellen im Netz, bei Twitter, Facebook, in Foren und Portalen. Dann würden sie am liebsten das Ganze noch automatisieren und freudig nachzählen, wie viele Kunden durch die sozialen Netzwerke gekommen sind. Wenn es optimal läuft, könnte man ja auf kommerzielle Werbung wie Google Adwords und Facebook Ads ganz verzichten und einfach eine Menge Geld sparen!

Warum Social Media kein Werbekanal sein kann

Wie wir schon sagten, ist Social Media – als Bestandteil von Web 2.0 – interaktiv. Kunden können nicht nur über eingebaute Links einkaufen, sie können schreiben, bewerten, sich vernetzen und austauschen. Sie können sich sowohl positiv wie auch negativ äußern, sie werden vom Empfänger zum Sender, mit einem Mal stehen Anbieter und Konsument auf einer Stufe – Social Media bedeutet für Unternehmen immer auch Kontrollverlust.

Diese Gefahr betrifft nicht nur große Unternehmen, die durch ihren Namen und ihre wirtschaftliche Bedeutung natürlich ganz anders im Fokus der weltweiten Netzgemeinde stehen als der Friseur um die Ecke. Doch die Gefahr betrifft auch den „kleinen Friseur“ – denn wenn im Netz negativ von ihm gesprochen wird, ist das äußerst geschäftsschädigend. Unzufriedene Kunden können schlechte Bewertungen einstellen – und diese sind ausgesprochen gut gerankt in den Suchmaschinen!  Ob Online-Shops, Gastronomie, Tourismus, Ärzte, Anwälte, Bildungsträger…. alles, was namentlich oder lokalisiert gegooglet wird, lebt auch durch den guten Ruf im Web.

Das also unterscheidet Social Media von einem Werbekanal. Printwerbung, Hörfunk und Fernsehen ist einseitig, Social Media hat einen Rücklaufkanal. Immer und unausweichlich. Und das macht Social Media auch teurer. “Zeit ist Geld” und der gute Ruf eines Unternehmens muss gepflegt werden. Dafür braucht man geeignete Mitarbeiter, und die kosten natürlich – je nach Qualifizierung und Können – Geld.

Gute Zeiten für Selbstständige und kleine Unternehmen

Klassische Werbung ist sehr teuer, für viele kleine Unternehmen unerschwinglich. Social Media lebt von Authentizität, Transparenz, Intensität und Vertrauen, das können kleine Unternehmen leisten, denn bei ihnen ist Social Media in der Regel Chefsache.

Große Unternehmen sind schwerfällig wie Riesentanker, kleine Unternehmen sind wendig wie Schnellboote. Sie können direkt und kreativ reagieren auf Fragen, Kritik, Wünsche und Inspirationen. Kleine Unternehmen sind ganz nah am Ohr des Kunden, es kann auch mal rasch telefoniert werden oder man verabredet sich über Facebook, Twitter und Xing im “Real Life”.

Social Media ist ein “Zeitfresser”, aber das gehört nun mal immer zum Business. Ob ich in einem Karnevalsverein organisiert bin, ob ich ein Ehrenamt in einer Gilde bekleide – oder ob ich am Rechner aufmerksam meine Fans, Dialogpartner und Kunden studiere und begleite, es bleibt sich wahrscheinlich in der Summe immer gleich. Ein Geschäft lebt von der Empfehlung, und ohne gute Vernetzung, Verbreitung und einen lebendigen Leumund kann selbst ein Konzern nicht am Markt bestehen. Beispiele dafür gibt es genug.

Nicht jedem Chef ist es gegeben, täglich 90 bis 120 Minuten im Netz zu verbringen. Doch es gibt Alternativen. Häufig gibt es auch oder gerade in kleinen Unternehmen Mitarbeiter, die hervorragend für diese Aufgaben geeignet sind. Oder man holt sich Unterstützung von außen. Eine gute Social Media Agentur ist keine klassische Werbeagentur, sondern verfügt über ausgebildete PR-Experten. Gemeinsam mit dem Auftraggeber werden dialogorientierte Kommunikations-Konzepte entwickelt, die eventuell sogar mit einem dreistelligen Monatsbudget umsetzbar sind.

„Social Media Marketing Praxis 2012“: Was dieses Buch leistet

“Social Media für Selbstständige und Unternehmen” ist kein wissenschaftliches Werk, es ist sehr praktisch ausgelegt. Es will Verständnis für die Philosophie vermitteln, nimmt Rücksicht auf Widrigkeiten wie Zeitmangel und technische Unwissenheit. Es gibt Unterstützung bei der Erarbeitung einer individuellen Strategie und bei der konkreten Maßnahmenplanung. Es zeigt an einfachen Beispielen, wie die verschiedenen Instrumente, Netzwerke und Tools zu bedienen und zu kombinieren.

Aufgabe 1:Suche ein Hotel, das vorbildlich Social Media Marketing betreibt. Keywords könnten sein: „Social Media Best Practice Hotel“ „Social Media Hotels“ „Social Media Marketing Tourismus“. Nutze bei der Google Suche die Option “

Links unten bei Google gibt es die Option „Zeitraum festlegen“ – nutze sie!

Zeitraum festlegen“. (Siehe Screenshot)

Aufgabe 2: Warum findest Du das von Dir erwählte Hotel vorbildlich? In welchen sozialen Netzwerken ist es vertreten und wie genau sieht die Social Media Strategie aus?

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