Deutschland – kein Land für Existenzgründer? Gründungsplaner der Regierung wird abgestellt…

Nun, wir waren ja noch nie ein Volk der Entrepreneure und Selfemade-People, wir mögen feste Anweisungen, das Recht auf soziale Leistungen und gesetzliche Rentenansprüche – sogar unsere Dichter und Denker waren häufig Beamte 😉 . Aber dass der Staat die Versuche, mit Existenzgründungsförderungen ein bisschen Schwung ins Volk zu bringen, nun so klanglos wieder fallen lässt, macht mich schon etwas traurig. Nun fährt auch das Portal der Bundesregierung: www.existenzgruender.de  seine Leistungen herunter. Ab dem 31. Dezember 2011 stehen die Planer für Gründungen nicht mehr zur Verfügung. Wer dort noch Daten liegen hat – schnell herunterladen und abspeichern – sonst sind sie verloren…

Mich erinnert das Ganze an das Förderprogramm „Frau und Beruf“. Viele Jahre lang wurden in NRW in den Gemeindeverwaltungen Programme durchgeführt, die Frauen dabei unterstützten, nach der Kindererziehungszeit zurück in den Beruf zu gehen. Dann liefen die Fördergelder dafür aus – und innerhalb von wenigen Wochen war es, als hätte es da nie etwas gegeben…

OK, wer sich wirklich selbstständig machen will, wird das auch weiterhin tun, auch ohne Förderung. Doch das geht nur aus einer Lage, in der man finanziell so gut gepolstert ist, so dass man die schwierigen ersten drei Jahre abfedern kann. Ich habe in der Zeit, als ich die gründergenossenschaft.de gegründet habe und im Vorstand war, hunderte von Existenzgründungen mit begleitet – und Keinem war es gelungen, schon im ersten Jahr so erfolgreich durchzustarten, dass die Einkünfte sich mit der vergangenen Anstellung messen konnten. Gründungen dauern nun mal – man sagt, meist drei bis fünf Jahre – erst dann ist das Unternehmen stabil und kann auf gesundem Grund weiterwachsen.

Nun gut, man wird sehen. Vielleicht machen sich jetzt viele Menschen aus ALG II – also aus der Langzeitarbeitslosigkeit selbstständig – hier sind die Förderprogramme ja unverändert. Aber der Gründungszuschuss ist meiner Auffassung nach fast gestorben – 6 Monate Restanspruch auf ALG I plus der Unsicherheit, dass der Businessplan womöglich abgelehnt wird, ohne dass man dagegen etwas tun kann, sind Killerkriterien für Menschen, die ihr Leben lang Angestellte waren und sowieso schon voller Bedenken sind, wenn es um Selbstständigkeit geht.

Also sag ich mal Ade, Servus, Lebewohl. War eine tolle Zeit seit 2004, seit Ich-AG und vielen Existenzgründerschulungs-Programmen, seit dem Start des Portals www.existenzgruender.de und den anderen Förderprogrammen wie dem guten alten Coaching von der Arbeitsagentur.

Aber es ist ein Fehler, was jetzt passiert, da bin ich sicher. Ein Land, das meint, auf StartUps und Kleinunternehmen verzichten zu können, irrt. Gerade diese kleinen Unternehmen bringen neue Ideen, bringen Mut und Kreativität in ein Behördenland – aber naja, uns Selbstständigen kann es ja nur recht sein – wir haben dann weniger Wettbewerber 😉

Zum Onlineplaner des Existenzgründerportals der Bundesregierung. Schnell noch Daten sichern – wird am 31.12.2011 abgeschaltet.

 

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

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One thought on “Deutschland – kein Land für Existenzgründer? Gründungsplaner der Regierung wird abgestellt…

  • Reply Claudia Engelberts 13. Dezember 2011 at 11:03

    Es ist wohl, wie es immer ist in diesem Land. Beamte und Angestellte, die es schön sicher mögen, werden nicht auf die Straße gehen und protestieren. Da kann die Regierung fast sicher sein. Vielleicht muss erst der Schaden groß genug werden oder Deutschland in der Welt mal wieder als rückschrittlicher Kleinstaat da stehen, damit wir klug werden.

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