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LinkedIn den Zugriff auf das Adressbuch verbieten – Wenn Linkedin ohne Einwilligung Einladungen versendet 0

Bei meiner Reaktivierung des LinkedIn-Kontos vor einigen Wochen habe ich wohl ohne mein Wollen mein E-Mail-Adressbuch importiert: Ein unbedachter Klick – und ein ganz böser Fehler. Tatsächlich hat LinkedIn diesen Import genutzt, um hinter meinem Rücken ungefragt Einladungen an über 4.000 E-Mails zu senden, sogar zwischenzeitlich Verstorbene sind darunter. Ich bin nur darauf aufmerksam geworden, da ich gestern abend und heute früh mehrere Mails erhalten habe von Kontakten, die sich über die Einladung beschwert haben – schließlich sind sie nicht bei LinkedIn Mitglied und haben auch nicht vor, es zu werden! Manche von ihnen kannte ich vor vielen Jahren mal privat und sie haben überhaupt keine Lust, mit mir vernetzt zu sein!

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Für meine Reputation ist es eine Gefahr, wenn ich als Spammer eingestuft werde. Wie ich nun – nach langer Recherche – weiß, hätte LinkedIn auch noch mehrere Erinnerungsmails an diese 4.000 Kontakte gesendet, wenn ich nicht mühsam herausgefunden hätte, wie ich den Spuk abstellen kann. Doch nicht zu früh freuen: Es hat mich insgesamt mehrere Stunden Arbeit gekostet. Hier nun die Anleitung für andere Betroffene:

Schritt 1: Importiertes Adressbuch löschen

Zunächst muss man herausfinden, ob man als LinkedIn-Mitglied selbst ein Adressbuch importiert hat in das Business-Netzwerk. Dazu geht man auf den Menüpunkt „Ihr Netzwerk“ und dort auf „Ihre Kontakte“ – „Alle anzeigen“. Ist man nun auf dieser Seite gelandet, findet man in grau klein (im August 2017 rechts oben auf der Seite) „Importierte Kontakte verwalten“. Wenn man darauf klickt, sieht man vielleicht mit Erschrecken, dass man unzählige Adressbuchkontakte zu LinkedIn importiert hatte. Diese kann man nun komplett löschen.

Unbedingt alle gesendeten „Einladungen“ löschen!

Damit ist jedoch nur der erste Schritt getan – der zweite ist sehr viel aufwendiger! Sie müssen nämlich nun, falls LinkedIn hinter Ihrem Rücken an sämtliche Adressbuchimporte LinkedIn-Einladungen versendet hat, diese händisch löschen. Bei mir waren es wie gesagt über 4.000 E-Mails. Ich weiß nicht einmal, wie LinkedIn an diese Mail-Adressen kommen konnte, da ich diese zum Teil seit Ewigkeiten nicht mehr genutzt habe und sie auch nicht bei meinem E-Mail-Provider gespeichert sind. Sogar Verstorbene waren darunter – und E-Mail-Adressen, die es schon seit mehr als zehn Jahren nicht mehr gibt!

Man muss unbedingt diese gesendeten LinkedIn-Einladungen alle löschen, da sonst (natürlich wieder ungefragt und unkontrollierbar) LinkedIn mehrere Erinnerungsmails an die Kontakte sendet. Angeblich passiert das zweimal – doch ich würde mich nicht darauf verlassen, dass der Spuk dann wirklich vorbei ist. Besonders gern versendet LinkedIn natürlich die Maileinladungen an Menschen, die kein Mitglied bei LinkedIn sind. Es geht schließlich nicht darum, das Netzwerk der Mitglieder zu erweitern – es geht darum, neue Mitglieder zu akquirieren, um den Marktwert des Netzwerkes zu erhöhen.

Schritt 2: Gesendete Einladungen löschen

Um diese erneuten Einladungen zu verhindern, geht man bei LinkedIn auf den Menüpunkt „Ihr Netzwerk“. Dort klickt man an (im August 2017 oben in der Mitte) „Alle Einladungen verwalten“. Auf der entsprechenden Seite dann auf „Gesendet“, um zu sehen, wem man eine Einladung geschickt hat. Als ich das tat, bin ich fast vom Stuhl gefallen – tatsächlich waren es unzählige Einladungen, die ich ohne Wissen und Wollen verschickt habe! Es müssen tatsächlich rund 4.000 gewesen sein!

Da ich keine Funktion gefunden habe, alle gesendeten Einladungen komplett auszuwählen, musste ich nun Stunden über Stunden jede einzelne gesendet Einladung mit „Zurückziehen“ ungeschehen machen. Bis endlich das erlösende Zeichen kam: „Keine gesendeten Einladungen“ mehr vorhanden. Zwischendurch wollte ich schon aufgeben, doch das ist nicht möglich, da man ja nicht umhin kommt, die Kontakte vor dem personalisierten Spam zu schützen. Glauben Sie mir, niemand will wütende Reaktionen von längst vergessenen Beziehungen bekommen, die am Besten noch mit dem Anwalt drohen bei weiteren Belästigungen… Oder Telefonate von begeisterten Ex-Liebespartnern, die sich über den Annäherungsversuch freuen und neue Hoffnung fassen, seufz…

Schritt 3: LinkedIn-Apps bei Smartphome und Tablet deinstallieren

Um ganz sicher zu sein, dass LinkedIn nicht über Umwege weiterhin das Kontaktnetzwerk angreift, sollte man vielleicht besser  (habe zumindest ich getan) die LinkedIn-Apps von den mobilen Endgeräten löschen. Ich würde sicherheitshalber LinkedIn nur vom Desktop aus im Browser nutzen, bei diesen Geschäftspraktiken ist mein Vertrauen auf Null gesunken.

Am Besten überprüft man auch beim Menüpunkt „Konto“ – „Partner und Dritte“, welchen Apps man den Zugriff zu LinkedIn erlaubt hat – besser alles auf das absolute Minimum reduzieren. Natürlich könnte ich auch mein Profil bei LinkedIn löschen – doch als Social Media Trainer und Berater ist das nicht möglich, ich muss natürlich die einschlägigen Kanäle auch beherrschen und dort vernetzt sein mit meinen Geschäftskontakten.

Lieben Dank an Reginald Hohmeister

Wenn ich nicht den wunderbaren BVMW-Repräsentaten Reginald Hohmeister aus Recklinghausen gehabt hätte, der so lieb war, mir gestern abend die Spam-Einladung von LinkedIn weiterzuleiten, hätte ich wohl weiter im Dunkeln getappt bei den vielen erschrockenen, wütenden oder fragenden Mail-Reaktionen. So also sehen wir aus, wenn wir ungefragt als Testimonial herhalten für die Akquisetätigkeiten von LinkedIn. Übrigens können gewiefte Adressaten ganz einfach unten in der Mail die Werbemails abbestellen wie einen unerwünschten Newsletter – oder sie schalten ihren Anwalt ein wegen der ungefragten Werbung – das ist nämlich in Deutschland verboten – Werbemails dürfen nur versendet werden, wenn der Adressat ausdrücklich und nachweislich zugestimmt hat. Ansonsten könnte man ja mal tatsächlich einen Anwalt einschalten und LinkedIn abmahnen, vielleicht setzt das dem Ganzen endlich mal ein Ende…
Kanzlei Plutte: E-Mail-Werbung und Ansprüche bei SPAM

Mit dieser Erläuterung verschafft sich LinkedIn die Rechte, von sich aus alle E-Mail-Adressen selbstständig und ohne Nachfrage oder spezielle Einwilligung anzuschreiben – und die Einladungen an Nicht-LinkedIn-Mitglieder beliebig zu wiederholen

 

 

Über Eva Ihnenfeldt

Eva Ihnenfeldt leitet gemeinsam mit Dennis Arntjen das Unternehmensnetzwerk Kmu-digital.net - das Netzwerk von Unternehmen im digitalen Wandel. Als Expertin für Social Media Marketing berät und begleitet Eva Ihnenfeldt Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien - und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Eva Ihnenfeldt - Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: e.ihnenfeldt@gmail.com

2 thoughts on “LinkedIn den Zugriff auf das Adressbuch verbieten – Wenn Linkedin ohne Einwilligung Einladungen versendet

  1. Liebe Eva,
    besten Dank für Deinen umfangreichen Gefahrenhinweis und für die „Gebrauchsanleitung“ zum Löschen. Ich gehe davon aus, dass es außer Linkedin noch weitere Betreiber von Kontaktbörsen gibt, die gleich oder ähnlich wie Linkedin operieren: Ungefragt veröffentlichen, was man unbedingt für sich behalten will. Den die Existenz bedrohenden Schaden habe ich zu tragen. Mein erarbeitetes und gelebtes Ansehen als rechtschaffener, zuverlässiger, das Vertrauen bewahrender Mensch wird von Linkedin und Co. mal so einfach vernichtet. Das ist nicht nur unseriös, sondern kriminell. So gesehen ist die programmierte Analyse der Besucher von Websites für mich schon grenzwertig.

    Besten Dank auch an H. Hohmeister, der die gleiche Erfahrung wie ich vor zehn Tagen machte.

    Herzliche Grüße
    Karl Dilly

  2. Ist das nicht wirklich unglaublich? Ich meine, LinkedIn! Facebook bekommt (zu Recht) Riesenprobleme mit den Datenschützern und muss solche Praktiken einstellen – und LinkedIn (Microsoft) dürfen weiterhin so agieren, ohne bestraft zu werden?

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