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Dr. Johannes Lierfeld: Neuralink und das Kontrollproblem 1

Gastbeitrag von Dr. phil. Johannes Lierfeld, Köln: Der wohl umtriebigste Entrepreneur unserer Zeit, Elon Musk, hat nach PayPal, SpaceX, Tesla, Hyperloop und OpenAI eine neue Vision – und somit ein neues Unternehmen: NeuraLink. Im Jahr 2016 gründete Musk das Tech-Unternehmen gemeinsam mit Ben Rapoport, Dongjin Seo, Max Hodak, Paul Merolla, Philip Sabes, Tim Gardner, Tim Hanson sowie Vanessa Tolosa. NeuraLink hat seinen Firmensitz im technologieaffinen San Francisco, und im Jahr 2017 akquirierte Gründer Elon Musk die Rechte an der Marke „Neuralink“ von den beiden Neurowissenschaftlern Prof. Pedram Mohseni und seinem Kollegen Randolph Nudo vom medizinischen Zentrum der Universität von Kansas.

Mohseni nimmt den Deal gelassen, sieht er darin doch ein Zeichen dafür, dass Unternehmer mittlerweile auch kontroverse und als Futuristik belächelte Ideen aufgreifen, die außerhalb der hermetischen, avantgardistischen Zirkeln der entsprechenden Wissenschaften nur wenig Akzeptanz fanden. Doch was sind die Ziele von Neuralink?

Elon Musk engagiert sich seit dem Jahr 2016 für die Lösung des Kontrollproblems rund um künstliche Intelligenz. In seinen mahnenden Äußerungen zum Thema wird deutlich, wie sehr der Entrepreneur durch den Oxford-Philosophen und „KI-Kassandra“ Nick Bostrom beeinflusst worden ist. So zitiert Musk nicht nur Bostroms tiefe und umfassende Bedenken, wenn es um die drängenden und beängstigenden Fragen des Kontrollproblems geht. Elon Musk hat auch Bostroms Simulationshypothese weiter popularisiert und damit dessen Zweifel an unserer Sicht auf die Realität kolportiert.

Doch ist das Kontrollproblem wirklich ein in erster Linie technologisches Problem? Ein Blick auf die Historie von technologischen Revolutionen zeigt, dass Technik in den allermeisten Fällen zunächst einmal wertneutral ist. Erst die spezifische Anwendung der Technik durch den Menschen verleiht der Technologie „Wertung“. Ob also beispielsweise die Atomtechnik zum Wohl oder Wehe der Menschheit eingesetzt wird, fällt immer wieder auf den Menschen zurück.

Gleiches gilt – wenn auch ungleich prekärer – für unseren Umgang mit künstlicher Intelligenz. Wenn wir nicht garantieren können, dass kein soziopathischer Diktator, Terrorist oder Machtmensch die künstliche Intelligenz gegen die Menschheit in Stellung bringen will, haben wir das Kontrollproblem nicht gelöst. Während die meisten technologischen Lösungsansätze „Boxing“-Methoden erwägen, also eine künftige starke KI in einer hermetischen Umgebung „einsperren“ wollen, um sie kontrollieren zu können, regt Musk im Grunde das genaue Gegenteil an: wir müssen, so seine Grundaussage, mit maschineller Intelligenz verschmelzen, um nicht den Anschluß zu verlieren.

Aber genau hier kommt das ethisch-humanistische Kontrollproblem zum Tragen: wer ist vertrauenswürdig genug, um sein Bewusstsein mit den noch lange nicht ausgeloteten Möglichkeiten einer künstlichen Intelligenz zu verknüpfen? Können wir als Menschheit diese Selektion überhaupt treffen? Denn wir können nicht vorhersagen, was selbst mit dem altruistischsten menschlichen Bewusstsein passiert, sobald seine Möglichkeiten und Erkenntnisse jedes bisher bekannte Maß bei Weitem übersteigen. Insofern liegt das Kontrollproblem eher in unserer ambivalenten menschlichen Natur als in den derzeitigen technologischen Problemen. Es bleibt also fraglich, ob Elon Musk mit Neuralink den Dämon, den er kontrollieren möchte, in Wirklichkeit nicht erst entfesselt…

Fortsetzung folgt am 28. Februar um 8.00 Uhr hier in den SteadyNews

Serie mit  Gastbeiträgen von Dr. Johannes Lierfeld in den SteadyNews:

Kontaktdaten:

Dr. Johannes Lierfeld
E-Mail: jlierfeld@gmx.de

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2 thoughts on “Dr. Johannes Lierfeld: Neuralink und das Kontrollproblem

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